LOEWE Craft Prize: … and the winners are…

Ernst Gamperl mit seinen "Tree of Life 2" Objekten - Foto: Loewe Foundation

In vergangenen Blogposts hatte ich über den LOEWE Craft Prize berichtet – die Ausschreibung ebenso publiziert wie die Finalisten vorgestellt. Doch die Gewinner bin ich bisher schuldig geblieben. Mich wundert, dass bisher auch kein anderes deutsches Medium darüber berichtet – wir können doch so stolz sein, auf den Hauptgewinn!

Ernst Gamperl, in Italien lebender deutscher Holzkünstler, ist der Glückliche, dessen Arbeit `Tree of Life 2’ die hohe Auszeichnung mit dem Loewe Craft Prize erringen konnte – dotiert mit 50.000 €.

Loewe_Gamperl

Als Drechsler und Künstler geniesst er schon seit vielen Jahren einen internationalen Ruf. Zuerst begründet durch seine unkonventionelle und experimentelle Fortführung technischer Prinzipien des Drechselns die Traditionalisten auf diesem Feld das Staunen lehrten. Die Ergebnisse fanden sich bald als Sensation auf allen großen Messen, betörten mit ihrer Dekorativität die Stylisten und mit ihrem archaisch unikaten Charakter die Sammler gleichermaßen. Sehr schnell profilierte sich Ernst Gamperl als Gestalter und Künstler, zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Seine Werke verleihen den Bäumen eine zutiefst ursprüngliche Stimme, die ihr Echo in seinen Transformationen findet.

So findet sich auch  in`Tree of Life 2’ der Wiederhall der Formen, Risse und Frakturen eines mächtigen, 300 Jahre alten Eichenstammes, gefallen im Sturm.  In Form gebracht, bedeckt mit parallel über die Oberfläche verlaufenden Drechselrillen, behandelt mit Lehm und Stein, die im Zusammenwirken mit den natürlichen Gerbsäuren des Holzes  zu einem von natürlicher Unvollkommenheit gesättigten Finish führen. Die schiere Größe des Objektes lässt etwas vom Ringen mit dem schwergewichtigen Baumriesen ahnen, Die Manipulationen des Künstlers lassen ihn als Artefakt wieder auferstehen in dem sich die Geschichte des gefallenen Baumes verewigt.

Die Jury der LOEWE FOUNDATION sprach noch zwei besondere Anerkennungen aus.

Loewe_Kojiro

Eine lobende Erwähnung ging an den Japaner Yoshiaki Kojiro und sein Werk ‚Structural Blue‘ aus Glaspuder und Eisenoxidpuder – der Trophäe eines gewagte Experimentes, in dem in der Hitze des Ofens aus dem delikaten Material Glas eine Form entstand die mit ihrer lebendigen Oberfläche und kraftvollen Form eher Keramik zu sein scheint.

Loewe_Panikua

Die andere lobende Erwähnung ging an die Artesanias Panikua aus Mexiko für ihr kunstvoll geflochtenes Strohobjekt ‚Tata Curiata‘, das eine Purépecha-Darstellung einer Sonnegöttin, Feuer und Krieg symbolisierend, repräsentiert. Dekoriert mit den Doppelmotiven der Sterne und der Kololibris illustriert dieses faszinierende Objekt auch die Verbindung zwischen Handwerk und alten landwirtschaftlichen Techniken, das Weiterreichen von Wissen und Können von einer Generation auf die Nächste. Welch schöne Geste der Jury, ausgerechnet in diesem doch recht abgehobenen Kontext einen so markanten Hinweis auf die Bedeutung der Weitergabe des kulturellen Erbes in Worten und Taten zu geben.

2016 begründete die LOEWE FOUNDATION den  LOEWE Craft Prize, als jährlich zu vergebende, internationale Auszeichnung. Mit dieser vorausschauenden Initiative versucht LOEWE einzigartig talentierte Handwerkskünstler zu entdecken, die die neuen Standards für die Zukunft des Handwerks setzen.  Die Initiative für diese Auszeichnung führt zurück zu den Wurzeln von LOEWE, einem führenden Luxusunternehmen, das als Handwerkerkollektiv im Jahr 1846 gegründet wurde.

Einen ausführlichen Artikel zu den Preisträgern kann man wieder im englischen Telegraph lesen! Leider wird es vorläufig keine Ausstellung der Finalisten des LOEWE Craft Prize in Europa geben – erst zur Collect in der Saatchi Gallery London im Februar 2018!

© Schnuppe von Gwinner

 

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