Sommer in Wien I: von der Wagenburg zum Solarkocher

Foto: schnuppe von gwinner

Mit dem Freundeskreis des GRASSI Museums für angewandte Kunst Leipzig   (dessen Wohltaten ja aktuell auch eine phänomenale Ausstellung im Museum gewidmet ist!) reisten wir vergangene Woche für einige Tage nach Wien. Bei wunderschönem Wetter bekamen wir die Stadt und ihre vielen Sehenswürdigkeit von unserem sachkundigen Führer, Herrn Mag. Karl Zillinger, nahe gebracht.

Doch neben den Attraktionen über die man an jeder Ecke stolpert und die so groß sind, dass man sie kaum übersehen kann, gab’s auch ein paar Schmankerl, denen ich hier, zur Anregung nachgfolgender Wienreisender, einen kurzen Blogbeitrag widmen möchte.

Natürlich waren wir am Schloss Schönbrunn – vor allem viele Menschen und ein gewaltiger barocker, kasernenhaft anmutender Riesenklotz in kaiserlichem Gelb. Gern hätte ich den zu Kaiserin Maria Theresia’s Zeiten erlebt, als diese mit ihren ungezählten Kindern und dem ganzen Hofstaat dort weilte. Das muss dann schon vergnüglich gewesen sein. Heute war’s heiss und staubig und wir beschlossen uns in die kaiserliche Wagenburg zu flüchten – was für eine gute Idee!

Mal völlig verschnörkelt, mal gediegen elegant präsentieren sich die Fahrzeuge, Kutschen und Schlitten des höfischen Adels – viele von Ihnen handwerkliche Meisterstücke mit wunderschönen Details wie z.B. die mit edlen Stoffen gepolsterten Innenräume der Kutschen, die raffinierten Federungsmechanismen und die prächtig verzierten Leder-Geschirre  der Pferde – Inspiration pur – und große Bewunderung für die Leute die so geschickt und perfekt jedes Detail an diesen Kutschen gestaltet haben – heute kennt man nicht einmal mehr ihre Namen.

Das Monturdepot“ gehört mit seinem reichen Bestand an höfischer Kleidung und den bedeutendsten Sammlungen auf der Welt! Hier werden zivile Uniformen der österreichischen Monarchie, Magnatenkleider, Ordensornate, Hoflivreen, Livreen des höfischen Adels, sowie Kleider von Mitgliedern des Kaiserhauses aufbewahrt und manche auch in der Wagenburg ausgestellt. Auch hier muss ich immer gleich an die  kreativen Köpfe und die vielen geschickten Hände denken, die diese Wunderwerke an Kleidung entstehen liessen. Was für ein Pomp wurde bei Hofe getrieben! Kein Wunder dass man da in Superlativen spricht.

Viel Stunden verbrachten wir im Museum der Angewandten Künste am Stubenring. In seinen Gründungsintentionen auf Innovation ausgerichtet, wurde mit dem 1863 gegründeten Museum eine Kulturinstitution ins Leben gerufen, die nicht auf einer imperialen oder adeligen Sammlung gründete, sondern nach neuem Konzept von Grund auf zusammengestellt wurde und eher einem bürgerlich-liberalen Verständnis der Gewerbeförderung entspricht. Ein modernes Museum, das sich an Bedürfnissen der Bevölkerung und der Produzenten orientieren sollte. Also quasi eine Mustersammlung all dessen was zur entsprechenden Zeit als gut, schön und wichtig erachtet wurde.

Ganz besonders eindrucksvoll ist der Sammlungsrundgang zur Entwicklung des Jugendstils, dessen Wiener Spielart sich ja doch wesentlich vom Art Nouveau in Paris und Brüssel oder dem Jugendstil in Deutschland, insbesondere Darmstadt und dem Arts&Crafts in England unterscheidet. Die Exponate sind sehr ausgesuchte Dokumente dieser innovativen Zeit und lassen die Entwicklung anschaulich werden.

DSCN1765
Gerrit Rietveld: rot blauer Armlehnsessel, Holland 1918 mit einem österreichischen Kollegen des gleichen Jahrgangs! foto: schnuppe von gwinner

Für den Besuch des MAK Design Labors, welch segensreiche Einrichtung, werden auch nicht Tage reichen um der Fülle an Denkanstößen und Informationen folgen zu können – glücklicherweise ist die Homepage dazu sehr gut aufbereitet – ersetzt aber nicht den eindrucksvollen Rundgang, das gemeinsame Eintauchen in hochaktuelle Designthemen die natürlich diskutiert werden wollen. Zur Zeit ist zum Beispiel eine großartige Schau zum Thema Essen und Trinken eingerichtet, die den Besucher mit nostalgischen Erinnerungen,  erstaunlichen Zukunfstvisionen und allem was dazwischen liegt konfrontiert. Das Thema Kochen – wie ging es und wie wird es gehen? Was essen wir in der Zukunft? Am besten Sie schauen selbst mal nach: MAK Design Labor

Text: Schnuppe von Gwinner

DSCN1782
„Weltmahlzeit“ – ohne Worte! Foto schnuppe von gwinner