Cecilia Vicuña – El glaciar ido: Rivoli (I) bis 20.09.2026

Cecilia Vicuña- El glaciar ido Installationsansicht | Castello di Rivoli Museo d’Arte Contemporanea, Rivoli-Torino Photo Sebastiano Pellion di Persano © CECILIA VICUÑA, by SIAE

„Cecilia Vicuña – El glaciar ido“ (Der verschwundene Gletscher) heißt die erste Einzelausstellung der Künstlerin in einem italienischen Museum. Cecilia Vicuña,  1948 in Santiago de Chile geboren, lebt und arbeitet heute in New York. Sie ist Künstlerin, Dichterin und Aktivistin. Als Feministin und Ökologin konzentriert sich ihr Denken auf Themen im Zusammenhang mit der Verteidigung der Demokratie, der Meinungsfreiheit und dekolonialen Praktiken, die darauf abzielen, das kulturelle Erbe indigener Völker zu schützen und zu bewahren.

Performance, Poesie, Zeichnung, Malerei, Video und Installationen – sowohl minimalistische als auch monumentale – prägen die künstlerische Welt von Cecilia Vicuña. Das Konzept des Prekären prägt sie, die seit den 1960er Jahren den Begriff „Arte Precario“ (prekäre Kunst) geprägt hat. Sie bevorzugt eine Terminologie und eine Praxis, die frei von kolonialen Hinterlassenschaften ist. Ihr Schaffen umfasst vergängliche und partizipative Werke, die oft aus kleinen Abfällen und Fundstücken entstehen und in einem kreativen Dialog mit den Orten und Gemeinschaften stehen, denen sie begegnet.

Cecilia Vicuña- El glaciar ido – Detail | Castello di Rivoli Museo d’Arte Contemporanea, Rivoli-Torino | Photo Sebastiano Pellion di Persano
© CECILIA VICUÑA, by SIAE

Die Ausstellung im Castello besteht aus einem neuen Auftragswerk, das Vicuña für die Manica Lunga des Castello di Rivoli konzipiert hat und das von der menschlichen und geologischen Geschichte des Gebiets inspiriert ist.

Das Werk, das speziell auf die länglichen Räume des Gebäudes zugeschnitten ist, versteht sich nach der Vorstellung der Künstlerin als „quipu acostado“ – eine horizontale Installation, die in verschiedenen Höhen aufgehängt ist. Quipus (Knoten in der Quechua-Sprache) stammen aus den alten Andenzivilisationen und wurden später von den Inkas weit verbreitet genutzt; sie bestehen aus geknoteten Schnüren, die als System zur Aufzeichnung von Informationen dienten, darunter administrative, astronomische und historisch-erzählerische Daten. Durch den direkten Bezug zu dieser Art von Artefakten werden Vicuñas zeitgenössische Quipus zu immersiven Rauminstallationen, die Raum und Zeit durchqueren. Für ihre Herstellung bevorzugt die Künstlerin rohe, unverarbeitete Wolle, die sie abwickelt und zu eindrucksvollen luftigen Architekturen zusammenfügt.

In der „Manica Lunga“ des Castello dient das neue Quipu „El glaciar ido“ (Der verschwundene Gletscher / Il ghiacciaio scomparso) als eindrucksvolles Symbol für Vergänglichkeit, für den Lauf der Zeit, für die Bewegung natürlicher Elemente wie Eis, Wasser und Wind sowie für die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Umwelt. Der partizipative Charakter des Quipu ist ein grundlegendes Element, das es dem Werk ermöglicht, zu einem „Verflechter“ von Menschen und Orten zu werden. Vicuña sucht die Verbindung zum Wasser als Erinnerung an die alten, inzwischen verschwundenen Gletscher, die einst die Landschaft des Valle di Susa prägten, in dem sich das Castello befindet. (frei nach dem italienischen Pressetext)

Begleitet wird die Ausstellung von einer neuen Publikation, der ersten, die sich auf Vicuñas langjährige Forschung zu Gletschern konzentriert.

 

Castello di Rivoli

Piazza Mafalda di Savoia
10098 Rivoli – Torino / Italien

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr