Was macht eigentlich… Peter Bauhuis?

Peter Bauhuis, Goldschmied, Alchemist, Sachen- und Spurensucher- und Finder, Autor und Erzähler, zeigt uns niemals nur die eine Facette seines kreativen Portefeuilles. Jedes Objekt, jedes Tun, jeder Text reflektiert alle Seiten seiner Beschäftigung mit einem Thema und verknüpft sich mit vergangenen, aktuellen und zukünftigen Überlegungen. Mit künstlerischer Neugier und Humor spürt er Materialien, Methoden und Meinungen nach um sie, experimentierend, spielend ernsthaft zu untersuchen und in Form zu giessen – was man meistens wörtlich verstehen darf. Sein Schmuck und Gerät, seine Objekte, Installationen, Filme, Texte und Bücher stellen traditionelle Sichtweisen auf den Kopf und beantworten Fragen, auf die voher noch keiner gekommen ist. Der Kontext ihres Erscheinens, ihrer Entstehung und ihres Seins schwingt immer mit.

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Peter Bauhuis Atelier insight

Peter Bauhuis (*1965) studierte an der staatlichen Zeichenakademie in Hanau und an derAkademie der bildenden Künste in München, wo er heute auch lebt und arbeitet, derweil sich seine Werke international als begehrte Sammlerstücke profilieren. Zuletzt kaufte das renommierte Victoria & Albert Museum in London auf der Messe COLLECT 2020, wo er durch die Gallery SO vertreten wurde, eine ganz neue Gefässarbeit , die sich nun dem allerersten Simultanea Gefäss in der Sammlung des Royal College im V&A zugesellt.

Welche Projekte haben Dich bis zum Shutdown beschäftigt?
Gibt es neue Entwürfe, die Du auf einer geplanten Messe/Ausstelung gerne vorgestellt hättest?

Man hört die Bremsen des Karussels, aus dem Peter Bauhuis durch Corona herausgeschmissen wurde, förmlich qietschen als er berichtet, welche Projekte nun alle gut vorbereitet aber vorerst unerledigt blieben:

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Peter Bauhuis Atelier insight

„Geplant war eine Gruppenausstellung namens Tales – Erzählungen – die ich auf Einladung von und für Meltingpoint in Valencia (30.04. bis 03.05.2020) kuratiert habe. Diese Schmuckwoche wird von der Stadt und der dortigen Schule organisiert, ist also nicht so kommerziell ausgerichtet wie andere Veranstaltungen dieser Art, was sehr angenehm ist. Ausstellungsort sollte das dortige Keramikmuseum sein. (Museo Nacional de Ceramica). Vier Schmuckkünstlerinnen und -künstler zeigen Schmuckstücke und deren Geschichten. (Larissa Cluzet, Julia Walter, Andi Gut, Peter Bauhuis).

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Peter Bauhuis – Flavedo – 4 brooches, 2018 – Tumbaga, depletion gilding – Foto: Peter Bauhuis

Die Texte sind Teil der Ausstellung. Es sind Erzählungen, Legenden, Biografien, die um die gezeigten Arbeiten kreisen. (Oder kreisen die Arbeiten um die Erzählungen?) Keine kunsthistorischen (Selbst-)Erklärungen sondern unabhängige poetische Kleinodien. Von mir werden neue Arbeiten aus der Serie Flavedo gezeigt.“
Die Veranstaltung ist wegen der Umstände in den Herbst verschoben.

Noch nicht abgesagt oder verschoben ist die Ausstellung „Das Gleiche im Anderen“ der Galerie Handwerk München. Sie soll am 6.5. 2020 eröffnet werden. Peter Bauhuis plant hierfür eine neu gefertigte Werkgruppe vorzustellen, die sich auf seine Arbeit Seria von 2004/06 bezieht: Seria 2020. Wieder geht es um die Farben der Metalle, um die Oxidationen der Legierungen in simultan gegossenen Gefässen und die Untersuchung dessen was passiert wenn die Metalle im Guss zusammenkommen.

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Peter Bauhuis SERIA – vessels 2004; various silver alloys, copper, brass, bronze; ø 9 x 15 cm – Foto: Peter Bauhuis
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Anthropomorphe Figurinen aus der Sammlung von Gottlieb Severin Glauber; Bronze; Höhe ca. 9 – 12 cm Foto: Philipp Mansmann

Die Nachbereitung der Ausstellung „Venus von Z. – Eine Annahme“ im Archäologischen Museum in Chemnitz ist noch nicht ganz vorüber. Sie war der Auftakt einer neuen Ausstellungsreihe „a – wie atelier im smac“ , die durch die Kuratorin Ines Bruhn angeregt wurde. Hier intervenieren eingeladene Künstler/innen in regelmäßigen Zeitintervallen mit ihrem Werk unmittelbar in den Raum der ständigen Ausstellung und bringen ihre Arbeiten in den direkten Kontext zu den archäologischen Exponaten des Museums. Peter Bauhuis zeigte Objekte die von frühzeitlichen Funden inspiriert sind und die er aus guten Gründen in den Zusammenhang mit der umstrittenen Sammlung Gottlieb Severin Glaubers stellte. Die Schau ist vorrüber. Doch eine erstaunliche – schmale aber gehaltvolle – Publikation bewahrt das nahezu Unglaubliche des Kontextes, betrachtet und beleuchtet durch den Künstler selbst. Vor allem aber auch durch den äusserst lesenswerten Beitrag von Ira Mazzoni „Über unglaublich merkwürdige Objekte und den fabelhaften Sinn ästhetischer Wahrnehmung“.
Hier schreiten die Vorbereitungen für eine englische Übersetzung der Publikation voran….

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Peter Bauhuis – Loewe Craft Prize – Policast 2019 – 3 simultan gegossene Gefässe – Silber, Kupfer, Messing – Foto: Philipp Mansmann

Überglücklich ist Peter Bauhuis natürlich über seine Nominierung als einer unter dreißig internationalen Finalisten in der Endrunde des mit 50.000 € dotierten Loewe Craft Prize. Auf die Reise nach Paris, wo Ende Mai die Ausstellung und Preisverleihung im Musée des Arts décoratifs stattfinden sollte, hatte er sich sehr gefreut. Nun ist das alles auf das kommende Jahr verschoben worden. Eine Ausschreibung für 2021 wird es nicht geben.

Wie gehst Du nun mit der „geschenkten“ Zeit um? Welche Themen beschäftigen Deine Kreativität? Siehst Du eine Chance in dieser Krise?

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Peter Bauhuis Atelier insight

„In meinem Atelieralltag ändert sich nicht viel, ich hatte nach 2 Jahren mit sehr vielen Ausstellungen und Reisen für die Zeit nach der IHM -Internationalen Hndwerksmesse München – ohnehin vor, mich ins Atelier zurückzuziehen und neue Arbeiten zu entwickeln. Die Corona-Kronen sitzen uns allen gar schwer auf dem Haupt, da ist es gar nicht so leicht, Neues und Relevantes zu erfinden. Aber ich bin viel im Atelier und es brütet sich dann doch durchaus etwas aus, langsam, sehr langsam geht das halt.“ Der Diskurs mit den Anderen und ihren Arbeiten fehlt ihm. Auch wenn es finanziell nicht so brenzlig ist, da es gerade einige schöne Verkäufe gab. Doch es bleibt die Erkenntnis, dass Corona über all da ist wo seine Kunden sind. Was das perspektivisch bedeutet, wüßten wir wohl alle gerne.

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Peter Bauhuis Atelier insight

So macht er sich Gedanken, wie alle anderen zur Zeit auch, und hat so seine Inselsituations-überlegungen. Er findet diese Situation durchaus interessant, in der man sich selbst beobachten kann. Wenn Unmengen von Material herum liegen könnte man eine Menge damit anfangen. Aber warum?
Ausstellungen und Projekte sind immer auch Beschleuniger, helfen die Dinge auf den Punnt zu bringen. Wobei er lachend zugibt, dass er oft, wohlwissend welche Themen von ihm dafür erwartet werden, aus Trotz etwas ganz anderes, Neues macht und dann fehlt ihm schliesslich die Zeit und der Druck steigt ins Unermessliche.

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Peter Bauhuis You Are Here! Anstecker, 2018 Nylon, Eisen

Manchmal – wie zum Beispiel jetzt – ergeben sich neue Blickwinkel auf schon Gemachtes: „meine Arbeit  ‚You Are Here!‘ liest man in den Zeiten von #stayathome auf einmal ganz anders: Der tropfenförmige Anstecker aus orangenem Nylon, der an den Markierungspfeil von Google-maps erinnert, ist immer noch eine Positionsbestimmung, eine Selbstverortung

Aber jetzt haben sich die Räume geändert. Statt ständig sich ändernden Orten, in denen man sich verliert (oder findet), sind es jetzt nur noch ganz wenige. Statt nie bei sich zu sein, sind alle zuhause. Ob wir daraus für „später“ etwas lernen?

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you are here, pin, nylon by Peter Bauhuis worn by Schnuppe von Gwinner

Text © Schnuppe von Gwinner / Peter Bauhuis

Peter Bauhuis
Schleißheimerstr. 18
80333 München
peter.bauhuis(a)artfree.de

http://abc.artfree.de/

 

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Peter Bauhuis Atelier insight

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