Was macht eigentlich…Susan Heise?

Dieses wunderbare Porzellan. Weiße, elegante Gefäße, Platten und Schalen, hauchzart und glashart. In transparenter Farbigkeit. In luftig graphischem Flimmern. Immer noch tanzend im Kreise der schöpferische Drehbewegung. Deren Echo hundertfach von feinen Rillen aufgenommen und weitergereicht wird. Als haptische wie optische Stimulanz. Jede Berührung, jeder Blick ein besonderes Erlebnis.  Konzipiert als Alltagsfreude.

Susan_Heise_60Die zeitlosen Porzellane von Susan Heise wecken auf allen Messen und Ausstellungen immer große Aufmerksam- und Begehrlichkeit. Seit  ihrem   Diplom 2005 an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle betreibt sie freiberuflich in ihrer eigenen Werkstatt die Vervollkommnung ihrer Porzellan-Kollektion, der sie immer neue Höhepunkte hinzufügt.  Traumhaft sicher zwischen klassischem Formenrepertoire, hohem technischen Anspruch und innovativen Ideen balancierend.

Welche Projekte haben Dich bis zum Shutdown beschäftigt? Gibt es neue Entwürfe, die Du auf einer geplanten Messe/Ausstelung gerne vorgestellt hättest?

Susan Heise_120439„Eigentlich geht es im Januar in der Werkstatt immer etwas ruhiger zu. Die intensive Weihnachtssaison liegt hinter mir und ich plane das kommende Jahr – verbringe viel Zeit im Büro.
Diesmal war das ganz anders. Von der ersten Woche an drehte sich die Scheibe, denn ich war intensiv dabei, mich auf die Messe Handwerk & Design in München vorzubereiten.

Für meine Präsentation dort habe ich vor allem an größeren Stücken gearbeitet und meine grafischen Versuche auf Porzellan verfeinert. Meine Technik, mit Engobe zu malen und dann die Malerei wieder durch Abdrehen zu fragmentieren, entwickelte ich schon vor Jahren. Jetzt habe ich ihr endlich mehr Aufmerksamkeit gewidmet.
Anfang März konnte ich mich dann über viele schöne Stücke freuen, die ich gerne in München gezeigt hätte. Leider ist die Messe abgesagt worden und bis heute folgten andere Absagen und Verschiebungen von wichtigen Märkten. So traf es auch den Diessener Töpfermarkt – eine meiner umsatzträchtigsten Verkaufsveranstaltungen.

Ökonomisch gesehen, wird die Lage damit recht ernst. Dennoch versuche ich, die Zeit zu nutzen und optimistisch zu bleiben.“

Wie gehe ich mit der „geschenkten“ Zeit um?

Susan_Heise_7„Die neue Situation hat vor allem mein Familienleben verändert. Meine Tochter geht nicht in die Schule und lernt online zu Hause. Wir verbringen viel mehr Zeit miteinander als im “normalen“ Alltag. Das ist schön.

Meine Arbeitszeiten sind dadurch trotzdem nicht allzu eingeschränkt. Ganz konkret habe ich die erste Woche des sogenannte Shutdowns genutzt, um meine Werkstatt umzubauen und wieder etwas Bewegungsfreiheit zu gewinnen.
Auch farbige Masse habe ich angesetzt. Das schaffte ich aus zeitlichen Gründen zuletzt vor vier Jahren.

Susan Heise_00Nutzen möchte ich meine Werkstattzeit jetzt, um weiter zu experimentieren, aber auch um bald wieder Geschirr zu drehen und mich für kommende Märkte zu bevorraten. Einige kleinere Aufträge sind auch trotz Coronakrise eingegangen und warten darauf, erledigt zu werden.

Zwischendrin gönne ich mir den Luxus, mal etwas anderes zu tun. Zum Beispiel habe ich ganz lange nicht auf Papier gearbeitet. Das erlaube ich mir gerade und freue mich über unbeschwerte malerische und zeichnerische (Wieder-)Versuche. Ein kleiner neuer Arbeitsbereich ist so auch in meiner Wohnung entstanden.“

Welche Themen beschäftigen Deine Kreativität?

„Als ich vor 12 Jahren begann, Porzellan zu drehen, war dies eine ganz klare und bewusste Entscheidung: Ich wollte diesen direkten Kontakt zum Material. Das hat sich bis heute nicht geändert und trotz der Beschränkung auf die Rotationssymmetrie gibt es viele Techniken, die ich noch nicht ausprobiert habe. Das Drehen von mehrteiligen, zusammengesetzten Objekten ist ein Beispiel. Gerade steht in meiner Werkstatt eine zweite Drehscheibe und macht dies möglich.oznorTO

Neben der Form, wird für mich die Oberfläche der Gefäße immer interessanter.
Die grafische Gestaltung ist ein Weg, diesem Interesse nachzugehen.
Auch gab es in der letzten Zeit Versuche, die Oberfläche mit Strukturen zu bearbeiten, die zwar auch aus dem Drehprozess kommen, aber den Rillendekor unterbrechen, der so signifikant für meine Arbeiten ist. Ich bin gespannt, ob dies ein Weg wird.

Der Fokus auf das einzelne Stück ist für mich in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Das gilt für eine Tee- oder Milchkaffeeschale ebenso, wie für ein großes Vasen- oder Schalenobjekt. Den Kollektionsgedanken verfolge ich dabei nicht. Meine Arbeiten stehen eher handschriftlich nebeneinander und entwickeln daraus ein verwandtschaftliches Verhältnis.“

Siehst Du eine Chance in der Krise?

„Das kann ich nur für meinen kleinen, ganz persönlichen Bereich ausdrücken. Mein Wunsch für die nächsten Wochen bzw. Monate ist, dass ich sie gelassen und produktiv nutzen kann, um gut vorbereitet zu sein, wenn sich die Türen öffnen dürfen und sich die Menschen wieder auf Messen, Keramikmärkte und in Läden bzw. Galerien trauen. Vielleicht muss ich aber auch für mehr Onlinepräsenz meiner Arbeiten sorgen. Ich denke jedenfalls darüber nach.

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Susan Heise

Vor allem glaube ich:

Für Menschen, die es gewöhnt sind, ihren Alltag eigenständig zu organisieren, ist der Umgang mit mehr Zeit erst einmal keine allzu große Herausforderung. Ich kann viel Gutes darin sehen, solange meine Mieten und die zum Leben und Arbeiten notwendigen Dinge bezahlt werden können. Dieser Blick wird sich jedoch schnell ändern, wenn die momentane Situation lange andauert. Vom Verkauf meiner Arbeiten, hängt meine berufliche Existenz ab.

Was es für Veränderungen geben wird, wenn diese gefährdet ist und welche Chancen in solch einer Veränderung liegen, das wird die Zukunft beantworten.
Eine Prognose für gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge in ihrer Komplexität und Widersprüchlichkeit traue ich mir nicht zu.
Da halten sich meine Sorgen und Hoffnungen einigermaßen die Waage bzw. ändern ihr Verhältnis mit dem Feld, auf das sich der Blick richtet.“

© Schnuppe von Gwinner / Susan Heise

Porzellanwerkstatt Susan Heise
Altranstädter Straße 06
04229 Leipzig
susanheise (at) gmx.de
http://www.susanheise-porzellan.de/

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