Lyrique abstraction, graphique expression: online Präsentation der Terra Viva Galerie in St. Quentin La Poterie (F)

Chapeau! Eine solch‘ engagierte Galeristin wünschte ich allen!!!

Alle Objekte der Ausstellung stehen in einem Katalog online und es darf betrachtet, bewundert und natürlich auch gekauft werden! Darüber hinaus gibt es eine gefilmte Vernissage mit einer detaillierten Einführung in das Konzept der Ausstellung und einige besondere Exponate werden ausführlicher vorgestellt. Alles auf Französisch – naturellement – daher gibt es hier meine deutsche Zusammenfassung anhand der Einführung und zur Verfügung stehenden Texte:

Keramik: ein Volumen wie eine leere Seite, ein Traummedium für die Erforschung der Malerei oder Gravur in drei Dimensionen … Durch die Oberflächenbehandlung ihrer Stücke übersetzen die in dieser Ausstellung versammelten Keramiker ihre Empfindungen und ihre Wahrnehmung der Welt in einem lyrischen Ansatz, der von der Abstraktion genährt wird.
Wenn die Spontaneität der Geste bei Adam Frew vorherrscht, ist es eine emotionale Landschaft, die Mireille Moser mit zarten Berührungen au farbigem Porzellans hervorholt. Und während Corinna Petra Friedrich belebende Assoziationen von Mustern konzipiert, stellt Océane Madelaine durch ihre Linie die Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Lebens wieder her.

Adam Frew
Adam Frew, Pot rond médium, 30×30 cm

Für den nordirischen Keramiker Adam Frew (dessen Werke manche auch aus den Ausstellungen von craft2eu in Hamburg kennen – LOOKBOOK 2012)  ist die glatte und reine Oberfläche des Porzellans ein Raum der Freiheit. Die Geste des Keramikers trifft dann die des Malers. Als Anhänger der Drehscheibe entwickelt er majestätische Gefäße mit dickem Bauch, große, großzügige Platten, aber auch kleine Stücke mit klaren, zeitgemäßen Linien.
Pinsel, Schwamm oder eine Metallspitze übernehmen dann ein dynamisches Dekor und spielen mit Kontrasten zwischen verschiedenen vom Künstler abgegrenzten Bereichen. Seine Gesten, manchmal stark, manchmal nervös, drücken sich in mehreren Blautönen aus, ein Echo, das durch die unvermeidliche Präsenz des Meeres in diesem Inselkünstler sensibilisiert ist. Die brillante Klarheit des Porzellans unterstreicht die Mattheit der Pinselstriche und verstärkt die grafische Dimension seiner Arbeit.

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Corinna P. Friedrich, Keramikgefäß, Foto: Jens Gerber

Bei der deutschen Künstlerin Corinna Petra Friedrich (craft2eu Freunden und Kunden auch wohlbekannt) verläuft die Arbeit umgekehrt: Die Gestaltung des Dekors geht der Konstruktion der Form voraus.
Ihre Gefäße werden aus der Tonplatte geboren, einem Spiel aus Collagen und Assoziationen, das an die Praxis des Patchworks erinnert.
Corinna Petra Friedrich hat sich seit ihrer Ausbildung zur Malerin an der Akademie der bildenden Künste in Leipzig zweifellos einen ausgeprägten Geschmack für Farben bewahrt, die sie nuancenreich, aber auch gerne lebhaft miteinander ins Verhältnis setzt. Das Nebeneinander einer Vielzahl von grafischen Mustern – gepunktet, Linien, Karos oder Streifen – gemischt mit einigen einfarbigen Flächen verleiht ihrer Keramik einen fröhlichen und frischen Charakter. Durch bestimmte Muster, inspiriert von traditionellen Textilien oder Tapeten aus der Küche ihrer Großeltern, fängt sie leicht ein bisschen Nostalgie in der spielerischen Fröhlichkeit ihrer Werke.

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Oceane Madelaine, Bol écrit D 35 cm H 30 cm

Océane Madelaine navigiert bereitwillig zwischen Papier und Erde, Autorin eines Romans und zarter Gedichte, aus denen kostbare Bücher aus Papier und Porzellan hervorgehen.In ihrer jüngsten Arbeit haben die Schalen aus weißem Steinzeug, die von Hand angepasst oder breiter in den Raum eingeschrieben wurden, eine beruhigende Einfachheit, die ein weites freies Feld für das Dekor bietet.
Sie sind Träger einer gravierten Schrift, einem greifbaren Zeichen der Menschheitsgeschichte. Auf einem pudrigen und mineralweißen Hintergrund bewegt sich die Oxidlinie manchmal schematisch, manchmal geschmeidig und abgehoben. Die Dichte nimmt entlang der Wand zu, um eine Graustufengrafik zu schaffen. An der Zartheit der Oberflächenbehandlung ihrer Stücke und dem Abklingen der Muster erkennen wir die Signatur dieser empfindsamen Keramikerin.

TerraVivaFrew_bowlMireille Moser
Mireille Moser, Sculpture ceramique

Mireille Moser ist Keramik-Enthusiasten gut bekannt. Sie kombiniert kraftvolle Formen, Volumen, die im Boden verankert sind, mit einer subtilen Oberflächenarbeit, die zu ihrem Markenzeichen geworden ist.
Ihre Steinzeugformen lehnen sich leicht an Geometrien: quadratische Blöcke, Bögen, Kurven oder Spiralen … Starke Kraftlinien strukturieren sie, ein entferntes Echo eines „ursprünglichen Chaos“, wird erforscht. Diese Strenge wird jedoch durch die Weichheit einer Kante oder die Abrundung eines Winkels gebrochen, der plötzlich einen Abstand zur feierlichen Dimension der Form schafft.
Sie kleidet das dunkle Steinzeug oft mit metallischen Reflexen mit subtilen Noten von farbigem Porzellan. Das feine Porzellan wird in die Oberfläche integriert und verleiht seinen Skulpturen eine zarte Bilddimension. Die Farbe, in Nuancen gearbeitet, verleiht jedem Raum seinen eigenen Ton, eine schimmernde Sinnlichkeit.

Lyrique abstraction, graphique expression vom 22.03. bis 03.06.2020

Terra Viva galerie
céramique d’art actuel
14, rue de la Fontaine
30700 St. Quentin la Poterie
Frankreich

Öffnungszeiten: aktuell leider nicht wegen Covid 19 aber hoffentlich bald wieder: täglich außer Montag,
im März und April, dann von Oktober bis Mitte November von 10 bis 13 Uhr und von 14:30 bis 18 Uhr.
– täglich von Mai bis September von 10 bis 13 Uhr und von 14:30 bis 19 Uhr

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