Angewandte Urheberrechte für die angewandte Kunst: ein Hinweis …

Katharine Morling: "poison pen" 2010 | H 45cm x W 76cm | Porzellan und schwarze Tinte | gegossen und von Hand montiert - Neueste Werke von Katharine Morling sind z.B. auf der Britsih Art Fair vom 13. bis 17.09.2017 auf dem Stand der Long & Ryle Gallery zu sehen. Diese Edition ist beendet aber es gibt zwei andere Serien von Schreibmaschinen "Touch" und "Ghostwriter" die kommissioniert werden können.

Angewandte Kunst, Unikatdesign, Objektkunst, Handwerkskunst, Kunsthandwerk (besser nicht!) oder das mit dem englischen Wort bezeichnete „contemporary craft“ ist allenthalben auf dem Vormarsch, liegt im Trend oder setzt ihn zuweilen auch. Die Schönheit handgefertigter Objekte artikuliert sich durch den meisterhaften Umgang mit Material und seiner Gestaltung. Man spürt förmlich den „Flow“ ihres Schöpfers, diese inspirierte und leidenschaftliche Hingabe, diese Fantasie, die sich aus dem intensiven Dialog mit dem gewählten Werkstoff speist, sich an Traditionen und Innovationen aus dem kulturellen Umfeld des Kreateurs, Künstlers, Designers, Makers, orientiert.

Auffallend ist in diesem Kontext der Super-Ästhetik die irritierende Begrifflichkeit, alles zulassend aber gleichzeitig nach Abgrenzung suchend. Viele nehmen das erfrischende Crossover der künstlerischen und gestalterischen Disziplinen der vergangenen Jahre eigentlich positiv wahr.

Everything goes!

Everything goes?

Subtil wie in Knigges Benimmcodex verhält es sich allerdings mit der Wahl der Bezeichnungen für zeitgenössische Objektkunst – man kann ganz schnell daneben liegen und ist raus: abgeschoben in die 2. oder gar 3.Liga des Ausstellungs- und Vermarktungszirkus. Wer’s entscheidet? Unsicherheit, Selbstüberschätzung, Kennerschaft?

Zumindest sind die wahren Meister nicht zwangsläufig erfolgsverwöhnt. Mit ihrer Kunst wurden sie jahrzehntelang als verschrobene Technik- und Materialpuristen in die Ecke gestellt. Das Kunsthandwerk – was es ja trotz allen aktuellen Spitzfindigkeiten noch ist – hat keinen guten Ruf zu verteidigen. Der aktuellen Vereinnahmung dieser Nische durch clevere Akteure des Kunstmarktes sieht man mit Staunen und Hoffen zu.

In den letzten Jahren treten zunehmend Protagonisten auf den Plan, die den Charme von handwerklich gestaltender Meisterschaft, von Perfektion und Makellosigkeit, für den Markt „neu“ entdecken. Doch gleichzeitig sind sie alle auf der Suche nach der perfekten Marketingstrategie. Sogar Wettbewerbe werden ausgeschrieben um sie zu finden, denn die schöne Fassade aufrecht zu erhalten kann teuer werden. Chapeau für jene Galerien und Aussteller, die sich durch ihre eigenen kommerziellen Anstrengungen über Wasser, gar auf der Glanz und Gloria Seite des Geschehens halten können. Meistens sind Mäzene, wohlwollende Sponsoren oder Stiftungen verlässliche Hintergrundakteure, die den Start oder auch das nachhaltige Agieren auf dem Markt kräftig unterstützen. Geredet wird nicht darüber, höchstens getuschelt.

Auf dem internationalen Kunstmarkt verbinden sich die Namen der Künstler mit ihrem Werk, stehen selbstverständlich füreinander. Wir reden von einem Picasso, einem Hockney oder einer Frida Kahlo. Ein absolutes Kuriosum: nicht so auf dem Feld der angewandte Kunst! Ich möchte fast behaupten, dass es ein Indiz für angewandte Kunst ist, dass selbst die traumhaftschönsten Objekte völlig namenlos abgebildet und verbreitet werden können. Beispielsweise um für Messen und Märkte, Ausstellungen und Vernissagen zu werben. Keiner regt sich auf!

Die Schöpfer dieser Werke sind offenbar so verblüfft über die glamouröse Beachtung ihrer Arbeiten, dass ihnen garnicht auffällt, dass ihre Urheberschaft dadurch bedroht ist. Welcher Profi würde es wagen ein Kunstwerk ohne Nennung des Künstlernamens zu publizieren? Im Kontext der angewandten Kunst ist ein solcher, wohl möglich absichtsloser und nachlässiger Fauxpas, ein Kavaliersdelikt!

Doch wie kurz gedacht! Würden die Marketingspezialisten sich an Ihre eigenen Regeln halten würden sie der Marke, dem guten Namen, alles Vertrauen schenken. Namhafte Künstler stehen hinter jedem Werk – gleich welcher Kunstgattung es zuzuordnen ist. Auch die angewandte Kunst müsste nicht mehr mit befremdlichen Titeln und ausschweifenden Erläuterungen ringen, die eher Ratlosigkeit verbreiten als Erfolg versprechen.

Ein klingender Name wirbt für die Künstlerpersönlichkeit und ihr Opus. Er löst sie aus der Umklammerung von Schubladendenken und Dünkel. Er ermöglicht ihm selbstbewusst als Urheber seines Werkes neben alle anderen Künstlerkollegen treten. Schon bald erkennen dann die Connaisseure, dass zum Beispiel ein Ernst Gamperl, ein Liam Flynn oder ein Pascal Oudet für zauberhafte Gefässkunst aus Holz stehen, hochdekoriert und von Museen wie Sammlern geschätzt.

Mehr Marketing braucht es nicht um erfolgreich daran anzuknüpfen, mit respektvoller Anerkennung!

© Schnuppe von Gwinner

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