“Museo del quotidiano” Ettore Guatelli : Ozzano Taro bei Parma, Italien

Museo Ettore Guatelli

Der Grundschullehrer Ettore Guatelli, trug eine der erstaunlichsten Sammlungen von Alltagsgegenständen zusammen, deren Bedeutung, als Zeugnis einer Alltagskultur die uns immer fremder wird, in Zukunft sicher weiter zunimmt. Ettore war ein visionärer Museograf, der als intellektueller Autodidakt und Anti-Akademiker nicht nur Geschichten mit Objekten verknüpfte sondern sich auch mit Dichtern, Professoren, Fotografen und Grafikern, Kunsthandwerkern und Schrotthändlern austauschte. Er war der Sohn von Bauern, die seit 1910 als Pächter die Landwirtschaft von Rio Bella Foglia in Ozzano Taro, Provinz Parma, betrieben – dort, wo heute die Hofgebäude stehen in denen die Sammlung und Dokumentation von Ettore Guatelli aufbewahrt wird.

Hier kann man die Etappen des Lebens von Ettore Guatelli (1921 – 2000) kennen lernen und  deren Bedeutung für seiner Arbeit verstehen, wie z.B. die ästhetischen und inhaltlichen Kriterien, denen er bei seiner Auswahl folgte oder seine didaktischen Methoden.

Seine Schulbildung war eher lückenhaft, da er als Kind häufig krank war oder auf dem Feld helfen musste. Doch seine Krankheit verhinderten nicht, dass er 1942 eingezogen wurde um aber gleich nach dem 8.9.1943 zu desertieren und sich der antifaschistischen Bewegung anzuschliessen. Während eines Krankenhaus-Aufenthaltes lernte er den Lyriker Attilio Bertolucci kennen. Ettore schrieb dessen Texte auf der Maschine, im Gegenzug bereitete Attilio ihn auf die Lehrerprüfung vor, die er nach acht Monaten Ausbildung 1945 bestand. Nach dem Kriegsende verbrachte er einige Jahre am Lago Maggiore, wo er mit Kriegsartefakten zu handeln began, um sich über Wasser zu halten. 1948 erkrankte er wieder schwer und wurde als Patient in den Sanatorien von Jesolo und Cortina D’Ampezzo aufgenommen wo er viele Menschen kennen lernte, deren Lebensgeschichten ihn zu seinen Erzählungen über die Dinge inspirierten. In den 50ger Jahren kehrte er nach Hause zurück,  engagierte sich in der Lokalpolitik und schloss sich einer Gruppe von Literaten und Intellektuellen aus Parma an, die seine Tagebücher lasen und einige Teile daraus publizierten.

In der Zeit als er Direktor in Bedonia und Tarsogono war (1951 bis 1971) begann Ettore regelmässig die Magazine der Landarbeiter im Appenin zu besuchen, zuerst nur aus Neugier, dann um zu handeln und in der Folge, um die Möbel, die Gerätschaften der ländlichen Haushalte und Werkzeuge der Handwerker vor der Zerstörung zu bewahren, da die Häuser und Werkstätten in diesen Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs modernisiert wurden. 1968, nach Jahren der Vertretung, erhielt er endlich eine Planstelle und unterrichtete bis zu seiner Pensionierung 1977 an einer Grundschule.

Seit der Mitte der siebziger Jahre weckte seine Sammlung zunehmend die Aufmerksamkeit seiner Nachbarn, der Behörden und von Studenten. So erschienen erste Artikel darüber in den lokalen Medien und diesen folgte wachsende Anteilnahme an seiner Arbeit als lokaler Sammler und Forscher. So fand er sich plötzlich unbeabsichtig inmitten einer Bewegung der Wiederentdeckung und Wertschätzung materieller Kultur wieder, wie sie die 70ger Jahre prägte. Alles weitere ist eng verknüpft mit der Geschichte seines Museums.

Doch das Werk Ettores besteht nicht nur aus dem – zugegebermaßen eindrucksvollen – Museum.Viel Zeit hat er darauf verwendet, die Objekte systematisch zu sammeln und zu dokumentieren. Die Originalität seines Unternehmens drückt sich nicht nur in der Präsentation und Bewahrung dieser Tausende von Dingen aus, sondern auch in der Fähigkeit über seine museografische Arbeit nachzudenken, über die Welt der Landarbeiter die sich veränderte und über die Lebensgeschichten der Menschen. In seinen lebenslang verfassten Schriften hinterliess Ettore Guatelli weitreichende Spuren.

In geführten Besuchen kann man dieses Gesamtkunstwerk als eigenwillige Zeuginss einer versunkenen Welt ländlicher Lebenskutur, besichtigen. Die Objekte sprechen für sich – ebenso ihre dekorative Inszenierung. Heute bewahrt und vermittelt ein Freundeskreis das Vermächtnis  des Ettore Guatelli. Kein Umweg ist zu weit um sich diesen einmaligen Ort anzuschauen und seine einzigartige Bedeutung zu erfassen.

© Schnuppe von Gwinner (Text und Fotos)

Museo Ettore Guatelli
Via Nazionale, 130

43044 Ozzano Taro di Collecchio (PR)
tel. 0521 333601

http://www.museoguatelli.it

Das Museum ist ohne Voranmeldung geöffnet an allen Sonntagen und Feiertagen von 10 bis 12 Uhr und von 16 bis 18 Uhr geöffnet – im Juli und August nur von 16 bis 18 Uhr

– Geschlossen vom 6.12 bis 27 .02.

– Man kann das Museo Guatelli von Montag bis Samstag nur mit einer Voranmeldung besuchen die man mindestens 24 Stunden vorher erbitten sollte: via Telefon 0521.333601 oder e-mail info@museoguatelli.it