carte blanche to David Bielander: Lausanne (CH) vom 08.02. bis 30.04.2016

David Bielander: Banana, Anhänger aus Silber und Leder, 2010

David Bielander (geb. 1968), ein in München lebender Schweizer Designer, übersetzt Gegenstände unseres Alltags in Schmuck. Bei ihm ist nichts, wonach es aussieht: Wellpappe ist aus Silber oder Gold, Wiener Würstchen sind ein Kaffeehausstuhl, wohlgeformte Lippen sind aus Gummi. Diese Doppeldeutigkeit zeichnet sein Werk ebenso aus wie herausragende Materialkenntnis und handwerkliches Können. Garnelen, Ananas, Mistkäfer, Himbeeren sind zwar ohne weiteres erkennbar, stiften aber dennoch Verwirrung. Dabei sind seine Trompe-l’œils bar aller Täuschungsabsichten gegenüber dem Betrachter. Vielmehr sollen sie ein schalkhaftes Spiel zwischen der Person, die den Schmuck trägt, und dem Schmuckstück selbst in Gang setzen. Für die Simulation der Realität sucht David Bielander nach dem besten Material und dem geeignetsten Verfahren. Richtig lebendig werden seine Schmuckstücke aber erst, wenn sie getragen werden. Dann gleiten die Nacktschnecke – Broschen den Ausschnitt entlang, und das Collier Python windet sich um den Hals.

Nach einer Goldschmiedelehre in Basel erwarb Bielander 2002 seinen Master an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Otto Künzli. Der Einfluss des Konzeptschmuckmeisters ist sowohl bei der Materialkenntnis spürbar al auch bei der Kunstfertigkeit, die eine Vorbedingung für das anspruchsvolle Studium ist. Unlängst erhielt Bielander einige prestigeträchtige Preise: 2009 den Förderpreis für Design der Landeshauptstadt München, 2010 den Herbert-Hofmann-Preis und 2012 den Françoise-van-den-Bosch-Preis und den Eidgenössischen Preis für Design. Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl seiner Werkstücke inmitten einer eigens entworfenen Szenografie – weit entfernt von traditionellen Museumsvitrinen. (Pressetext)
 
mudac – musée de design et d’arts appliqués contemporains
Place de la Cathédrale 6
1005 Lausanne, Schweiz

Ein Katalogbuch, in dem das Werk Bielanders der vergangenen 20 Jahre vorgestellt wird erscheint bei Arnoldsche Art Publishers (Besprechung folgt)

 

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