Gundi Dietz – Essentielles: Genf bis 26.02.2017

Gundi Dietz, Liegende, 2008 Privatsammlung © Photo : Verena Menz
Gundi Dietz (geboren 1942) gehört zu den herausragenden Persönlichkeiten des österreichischen Keramikschaffens. Mit ihren figurativen Skulpturen bildet sie unermüdlich den Reichtum und die Vielfalt des menschlichen Wesens ab. Ihre Figuren sind oftmals weiblich, manchmal auch geschlechtslos, andere wiederum entstammen dem Tierreich. Die Haltung ist betont aufrecht oder bequem liegend. Der Blick hingegen bleibt als Zeichen tiefer innerer Einkehr stets abgewendet.
Als Werkstoff bevorzugt die Keramikerin Porzellan und dabei ganz speziell die besondere Zartheit und das Weiss des Wiener Augarten-Porzellans. In einem ersten Schritt wird das Porzellan in Gipsformen gegossen. Danach werden der Figur einige wenige Kleidungsfragmente, Schriftzüge auf der Haut, geritzte Linien, ein Hauch von Glasur oder eine Spur von Gold hinzugefügt, die sie «zum Leben bringen». Köpfe, Büsten, stramm stehende oder lässig liegende Ganzkörperskulpturen: Die Werke von Gundi Dietz gehorchen keineswegs dem geltenden Kanon weiblicher Schönheit (Sei schön, jung und schlank, oder sei nicht!), können aber sehr wohl verführerisch sein.
Die Spitzendessous, Hüte Frisuren und Goldhöhungen – sie haben alle ihren Reiz. Nacktheit ist hier niemals abstossend, sondern eröffnet den Zugang zum Intimen. Gundi Dietz schafft mehrheitlich weibliche Figuren. Sie deswegen auf den – für sie viel zu engen – Begriff einer «Künstlerin der Weiblichkeit» oder, schlimmer noch, einer «feministischen Künstlerin » zu reduzieren, wäre jedoch viel zu kurz gegriffen. Vielmehr sind ihre Phantasie und Sensibilität von der ganzen Breite und Vielfalt des menschlichen Wesens –männlich, weiblich, geschlechtslos –und von tierischen und hybriden Wesen genährt. Das Handlungsfeld der Künstlerin ist alles Lebendige.
Die Grösse der Stücke stellt für die Künstlerin nie eine Hürde dar. Ihr gelingt der Übergang von der Miniatur bis hin zu Skulpturen monumentalen Ausmasses mit verblüffender Leichtigkeit und ohne jegliche Einbusse an Ausdruckskraft. Auf der Suche nach dem perfekten Verhältnis fertigt sie manchmal ein Modell in verschiedenen Grössen an. Um die technischen Grenzen des Porzellans zu überschreiten und die Widerstandsfähigkeit und die noch nicht ausgeschöpften Möglichkeiten anderer Materialien zu erkunden, wendet sich Gundi Dietz gleichzeitig anderen Werkstoffen wie Ton, Bronze, Aluminium, Marmor oder Polymeren zu, ohne dabei von ihrem künstlerischen Weg abzuweichen.
Gundi Dietz ist Weltbürgerin. Als Frau und Plastikerin widmet sie sich der Erkundung des Menschen, dringt dabei in immer tiefere Dimensionen vor und entledigt sich beiläufig aller überflüssigen und nebensächlichen Elemente. Ihre künstlerische Ausdrucksweise erzählt von einem Leben – von ihrem Leben. Sie trifft dabei den Kern. Und damit auch unser Innerstes. (Pressetext)
Diese Ausstellung entstand unter Mitwirkung von
Anne-Claire Schumacher, Ausstellungskommissarin
Schweizer Museum für Keramik und Glas
Avenue de la Paix 10 | 1202 Genf | Schweiz

Katalog:
Gundi Dietz – Essentielles
Hanspeter Dähler, Anne-Claire Schumacher
dreisprachig in Französisch, Deutsch, Englisch

ISBN 978-3-9524705-4-1  | Kunstforum Solothurn, 2016 | CHF 35.-

Film über Gundi Dietz: https://vimeo.com/188267940