Deutscher Manufakturen Führer: Reiseführer zu den schönsten Manufakturen Deutschlands

Deutscher Manufakturen Führer

Der Wind hat sich gedreht – vor wenigen Jahren noch hat man die vermeintlich ewig gestrigen Handwerks-Aficionados mitleidig belächelt und Ihnen zu wenig Weitsicht und viel zu viel Material- und Detailverliebtheit unterstellt. Heute sind Begriffe wie „handwerkliche Produktion“, „individuelle Fertigung“, Handarbeit und Handwerkskunst, das Mantra aller Marketingexperten. Redakteure horchen auf, wenn man damit kommt und wittern gleich eine rührend heimelige Geschichte, in der es nach Holzspäne duftet, Funken sprühen und die Drehscheibe tanzt. Alles ganz authentisch, menschlich, besonders. Es ist die Rede von der Sehnsucht nach dem Wahren, Guten, Überschaubaren – von der menschlichen Dimension, der Wertschätzung und des Staunens über das, was handwerkliche Meisterschaft vollbringen kann.

Es hat eine Weile gedauert. Doch nun sind auch die deutschen Manufakturen auf diesen Zug aufgesprungen, nachdem die Produktdesigner schon über ein Jahrzehnt modisch korrekt ihr Gesicht zeigen und ihre liebste Inspirationsquelle in traditionellen Handwerkstechniken, bunter Weltfolklore und heimatlichen Bräuchen nicht nur finden und offiziell outen sondern auch wortreich beschreiben: „the story behind“ ist ein ganz wichtiges „Marketingtool“!

Worte spielen in diesem Zusammenhang eine ganz große Rolle. Anfangs bemühte man noch die etwas schicker scheinenden Anglismen wie craft, handmade und artisan … Heute wird die Zurückhaltung aufgegeben: Also ist schon der Versandschuber selbsbewußt mit imagepflegendem Klebeband umwickelt: „Deutsche Standards“ steht da drauf. Heraus kommt ein schwergewichtiges Buch mit einem „bling bling“ fluoreszierendem Seigaiha-Muster (traditionelle japanische! Wellengraphik) Schutzumschlag – sehr kostbar! Drauf steht „Deutscher Manufakturen Führer – ein Reiseführer zu den schönsten Manufakturen Deutschlands“, in Wort ( sehr sehr viele) und Bild (zumeist sehr klein und insgesamt recht wenig) – alles andere als handlich, dafür sehr edel ausgestattet, von A-Z in silbernen Lettern gedruckt, haptisch ein Fest. Der Stolz seiner Initiatoren atmet aus jeder Seite dieses Druckwerkes.

Ja, sie können stolz darauf sein, sich als Verband Deutscher Manufakturen 2010 zusammen getan zu haben. Stolz können sie sein, auf  die Tradition ihrer Firmen, die zumeist aus Manufakturen hervor gingen und deren Erbe sie zeitgemäß weiter tragen – einige heute sogar als „global player“, wie z.B. Montblanc, Faber Castell, Gaggenau, Schramm. Das verdient große Anerkennung. Der Suggestion, es handele sich hier überwiegend um Betriebe, in denen das Handwerk noch die Fertigung bestimmt,  sollte man als Leser jedoch nicht erliegen. Der modischen Attitüde zu Trotz ahnt selbst der Laie, dass die ökonomische Größe eines Unternehmens sich heute nicht mehr auf reiner Handarbeit – zumal in Deutschland – gründen kann.

So versteckt sich der werbliche Charakter dieses Buches auch nicht. Es wimmelt nur so vor Logos und Labels und die wilde Mischung an wenigen Doppelseiten, etwas mehr ganzen Seiten, vielen halben Seiten, viertel Seiten… erklärt sich aus der unterschiedlichen Investitionsbereitschaft der angefragten Unternehmen in dieses Prestigebuch zu investieren. Wer da drin ist hat sich das was kosten lassen! Es gibt viel zu lesen und zu erfahren – im Detail geht es bei den meisten Unternehmen auf irgendeine Art um traditionsbasierte  Innovationen, faszinierende Techniken, besondere Materialien, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung – Chapeau! Und wenn der geneigte Leser die Bezeichnung dieses Buches als „Führer“ wörtlich nehmen möchte, rate ich persönlich dazu, den bescheidenen Einträgen  besondere Aufmerksamkeit zu widmen – hier wird die Sehnsucht nach dem Besonderen sich er mit dem größten Staunen belohnt.

Die Debatte, wo Manufaktur anfängt und wo Manufaktur aufhört, ist Teil vieler theoretischer Exkurse. Für inspirierender als die Betonung des Trennenden halte ich allerdings die Suche nach den Gemeinsamkeiten. Die liegt, vertraut man auch den Prognosen der Trendforscherin Li Edelkoort, im Trend.

Auf der Homepage des Verbandes Deutsche Manufakturen findet man aktuelle Hinweise zum 7.Zukunftsforum der Deutschen Manufakturen am 23. und 24.April 2015 im Berliner Direktorenhaus und zum Wettbewerb zum „Manufakturprodukt des Jahres 2015“ (Einsendeschluss 24.03.2015)

Verlag Deutsche Standards: Handbuch „Deutscher Manufakturen Führer 2015“ ISBN 978-3-942597-38-8
39,80 €