„Meine liebste Otte!“ Halle (Saale) bis 06.12.2026

Die Kunststiftung Sachsen- Anhalt mit zeigt mit der Ausstellung „Meine liebste Otte!“ eine Hommage an die Bauhaus-, Burg- und Bethel-Künstlerin Benita Koch-Otte (1892–1976).

Benita Koch-Otte gehört zu den einflussreichsten Textilkünstlerinnen des 20. Jahrhunderts, stand jedoch lange im Schatten ihrer Bauhaus-Freundinnen Anni Albers und Gunta Stölzl. Meine liebste Otte!“ ist im Kern eine farbenfrohe, warmherzige Hommage an genau diese zu Unrecht wenig bekannte Künstlerin – drei Jahre lang wurde sie mit viel Liebe zum Detail vorbereitet. Koch-Ottes Werk wird darin zu einem wahren Farbrausch, wohl die opulenteste Ausstellung, die die Kulturstiftung je gezeigt hat: Ihre Originale treten in einen lebendigen Dialog mit zeitgenössischen Positionen zahlreicher Künstlerinnen und Künstler, die sich ihrem Leben und Werk auf ganz unterschiedliche Weise angenähert haben. So entsteht eine Ausstellung, die Vergangenheit und Gegenwart auf berührende Weise miteinander verbindet.

Lisa Reichmann, Porträt Benita Koch-Ottes in Kreuzstich im Stickrahmen auf Stoff mit Spitze, 2025, Foto: Matthias Ritzmann

Lisa Reichmann übersetzte Koch-Ottes Biografie in einen Zyklus aus 20 „Lebensbildern“. Jürgen Dahlmanns bringt ihre Bethel-Weberei gemeinsam mit der Weberin Amala und rund 20 nepalesischen Weberinnen in Dialog mit tibetischer Textilkultur und zeigt uns einmal mehr, dass Benita Koch-Otte eine Pionierin der Inklusion war. Linda Grüneberg folgte Koch-Ottes Spuren in Archiven in Bielefeld und Halle und übersetzte sie in eigene Grafiken. Studentinnen der Burg Giebichenstein näherten sich anhand von Originalbriefen der Freundschaft zwischen Koch-Otte und Gunta Stölzl.

Jürgen Dahlmanns zu Besuch in der Kunststiftung, Foto: Matthias Ritzmann

Und über ein Dutzend nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler haben unter dem Motto „Ein Kissen für Benita“ ihre ganz eigene Hommage geschaffen – zum Anschauen und Ausprobieren.

Anlass für die Ausstellung ist ein gleich doppeltes Jubiläum: Vor 100 Jahren übernahm Koch-Otte die Leitung der Handweberei-Werkstatt an der Burg Giebichenstein, und ebenso wurde vor 100 Jahren das Bauhausgebäude in Dessau eröffnet. Zwei Jubiläen – ein perfekter Anlass für eine Wiederentdeckung dieser außergewöhnlichen Künstlerin.

Und doch bekommt die Geschichte Benita Koch-Ottes in diesen Wochen einen Klang, den wir bei der Planung so nicht vorhergesehen hatten:

1933 wurde sie von den Nationalsozialisten aus ihrer Position an der Burg Giebichenstein gedrängt, verlor ihre Werkstatt und musste sich beruflich komplett neu erfinden. Sie fand ihren Weg schließlich in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, wo sie über zwei Jahrzehnte hinweg leise, aber bedeutende Pionierarbeit leistete.

Angesichts der aktuellen politischen Lage in Sachsen-Anhalt lesen sich Teile dieser Biografie heute anders, als wir es vor drei Jahren erwartet hätten. Es sind unsichere Zeiten, auch für die   Kunststiftung – also lohnt es sich gerade jetzt, über diese Ausstellung und diese Künstlerin zu berichten. (Pressetexte)

Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt

Neuwerk 11, 06108 Halle (Saale)

Öffnungszeiten: Mi – So von 14 – 18 Uhr

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27. September – 6. Dezember 2026