Die Sonderausstellung „Fotografie erzählt Skulptur“ bringt die Skulpturensammlung des Bode-Museums in einen dialogischen Austausch mit dem bislang wenig bekannten Fotoarchiv des Hauses. Die seltene Gegenüberstellung von Skulpturen und ihren fotografischen Reproduktionen eröffnet neue Perspektiven auf beide Medien und schärft den Blick für ihre jeweiligen Eigenlogiken.
Die Ausstellung untersucht die faszinierende, oft paradox wirkende Beziehung zwischen zwei scheinbar unvereinbaren Medien. Wie kann ein zweidimensionales Bild die Dreidimensionalität einer Skulptur vermitteln? Welche Perspektiven eröffnen Fotografien auf Präsenz, Form und Ausdruck plastischer Kunst? Schon vor dem Besuch eines Museums prägen Fotografien unsere Erwartungen und damit die spätere Wahrnehmung der Kunst, indem sie unserem kulturellen Gedächtnis Vorstellungen von Stil, Intentionen der Bildhauer und der scheinbar authentischen Wirkung vermitteln.
Der Titel verweist auf die Geschichte des Sehens von Skulptur. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägen Fotografien die Vorstellung einer „richtigen“ Ansicht und wie Licht und Perspektive die Wahrnehmung lenken können. Wilhelm von Bode erkannte früh die Bedeutung des Mediums und illustrierte seine „Denkmäler der Renaissance-Sculptur Toscanas“ (1892–1905) mit über fünfhundert Fotografien. Systematische Regeln wie freigestellte Figuren, frontale Ansichten und gezielter Lichteinsatz begründeten einen kunsthistorischen Kanon, der bis heute prägend ist.

Die Ausstellung setzt ausgewählte Skulpturen aus verschiedensten Materialien vom 11. bis 17. Jahrhundert in Beziehung zu rund sechzig historischen und zeitgenössischen Fotografien. Dabei werden zentrale Themen des subjektiven fotografischen Blicks sichtbar: Lichtführung, die Aufmerksamkeit auf ikonographische Details lenkt oder dramatische Stimmungen erzeugt; Bildausschnitte, die ein Detail vom Original lösen und ihm ein Eigenleben verleihen; und Perspektiven, die sich zwischen ursprünglichem Kontext, Anbringungsort und musealer Ausstellungssituation bewegen. Zugleich thematisiert die Schau die Einschränkungen der Fotografie, etwa bei der Farbwiedergabe, und ihre Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Rahmung der Figur durch Größe und Proportion des Hintergrunds neue interpretative Dimensionen eröffnet.
Museumsinsel Berlin, Bode-Museum, Am Kupfergraben, 10178 Berlin
Öffnungszeiten: Di – Fr 10 – 17 Uhr, Sa + So 10 – 18 Uhr
