Experiment Druck: Offenbach bis 04.09.2022

Offenbach ist ein maßgeblicher Ort der Druckgeschichte, es gilt als Wiege der Lithografie und die Schriftgießerei der Gebrüder Klingspor zeichnet für gewaltige Innovationen im Bereich der Schriftgestaltung verantwortlich. Offenbach ist allerdings auch heute noch ein lebendiger Ort des Druckens. Nicht nur als Sitz eines der weltführenden Unternehmen für Druckmaschinen, sondern auch als Ort innovativer Druckkunst, die in kleinen Werkstätten entsteht.

Die Ausstellung versammelt junge und experimentelle DruckerInnen sowie „AltmeisterInnen“ und zeigt die Vielfalt einer agilen Szene. Experimentelle Drucke von Picasso, H.N. Werkman oder Antoni Tàpies aus der Museumssammlung komplettieren die Schau.

Dass Drucken mehr ist als eine Technik der Informationsvermittlung von Texten und Bildern, belegt die Sammlung des Klingspor Museums eindrücklich. Das Museum ist in Offenbach an einem Ort des innovativen Druckens beheimatet. Von hier aus bahnte sich die Lithografie Ende des 18. Jahrhunderts den Weg in die Welt und machte Offenbach zur Wiege der modernen Druckverfahren. Mit der Schriftgießerei der Gebr. Klingspor florierte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein weltweit angesehener Betrieb in Offenbach, der sich um die Neugestaltung der Schrift verdient machte. Die Erzeugnisse der dazugehörigen Hausdruckerei bilden den Kern einer Sammlung an Druckgrafik und Buchkunst im Klingspor Museum, die die Geschichte des künstlerischen Druckens im 20. Jahrhundert abbildet, wie kaum eine andere Sammlung.

Die künstlerischen Möglichkeiten, die druckgraphische Verfahren bieten, sind äußerst vielfältig. Zahlreiche Künstler haben die Möglichkeiten technischer Druckverfahren ab dem vergangenen Jahrhundert bis zur Gegenwart für ihre individuellen Ausdrucksmöglichkeiten ausgereizt und das Experiment an Stelle technischer Akkuratesse gesetzt. Die Ausstellung „Experiment Druck“ zeigt eine große Bandbreite von experimentellen Drucken. Antoni Tapies druckte Lithografien mit Sand in der Tusche, um so besondere Strukturen zu erzeugen. Pablo Picasso schuf zarte Lithographien zu einem Text von Tristan Tzara, bei denen er die Farbe teils mit den Fingern auf den Lithostein auftrug. Der niederländische Drucker H.N. Werkman betrieb eine kommerzielle Druckerei, nach deren wirtschaftlichen Niedergang widmete er sich dem Experiment und wurde zu einem wichtigen Avantgardekünstler der 20er Jahre. Neben Walzen- und Schablonendrucken druckte er das gesamte Inventar seiner Werkstatt ab, inklusive Türrahmen. Die Mainzer Künstlerin Sandra Heinz fertigt Drucke von Kleidungsstücken und die Leipziger Druckgrafikern Christina Wildgrube druckt Landschaften mit Linien- und Schmuckmaterial im Bleisatz. Ein Meister des zeitgenössischen Naturselbstdrucks ist Peter Heckwolf. Er hat das Druckverfahren perfektioniert und zeigt, dass sich jedes Material, ob starr oder hauchfein, dafür eignet. Seine Walzendrucke zeigen zarteste Details von Blüten und Blättern. Sogar Spinnennetze dienen ihm als Druckform. (Pressetext)

Klingspor Museum
Herrnstraße 80
63065 Offenbach

Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag, Freitag 13 – 18 Uhr, Mittwoch 14 – 19 Uhr,
Samstag, Sonntag, Feiertag 11 – 18 Uhr