Richard Bampi Preis 2022: Meissen vom 07.05. bis 17. 07. 2022

Richard-Bampi-PreisträgerInnen am 6.MAi 2022 in Meißen: Lena Kaapke, David Fernando Torres Forero, Philsoo Heo, Helena Sekot | Foto: Schnuppe vGwinner

Die Gesellschaft der Keramikfreunde e. V. vergibt 2022 zum 16. Mal den Richard-Bampi-Preis mit einer Prämie von insgesamt 15.000 Euro. Der Wettbewerb findet in Kooperation mit der Meissen Porzellan-Stiftung und der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen statt. Im Anschluss an die Prämierung und Ausstellung im Meissener Museum lädt die Manufaktur zu einem exklusiven Atelieraufenthalt mit Fertigung eines Porzellanobjekts ein.

Der Keramiker Richard Bampi (1896–1965) zählt zur künstlerischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts. 1951 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Gesellschaft der Keramikfreunde e. V., einer Verbindung von Sammler:innen, Händler:innen, Kunstwissenschaftler:innen, Künstler:innen und Liebhaber:innen aller keramischen Richtungen und Epochen. Dieser Interessengemeinschaft vermachte er testamentarisch seinen gesamten wissenschaftlichen und künstlerischen Nachlass mit der Auflage, das Vermögen für einen Förderpreis für junge Keramikerinnen und Keramiker zu verwenden.  

Der Preis wurde 1969 erstmals vergeben. In Kooperation mit einem Museum oder einer kulturellen Einrichtung findet alle drei bis fünf Jahre ein Wettbewerb um den Preis statt, an dem sich junge, künstlerisch hochbegabte Keramikerinnen und Keramiker, die selbstständig in der Bundesrepublik Deutschland arbeiten, beteiligen dürfen. Bisherige Preisträger sind mit ihren Arbeiten dank eines Ankaufs durch die Gesellschaft der Keramikfreunde in deutschen Museen vertreten. Der 16. Wettbewerb 2022 wird von der Beauftragten der Gesellschaft der Keramikfreunde für den Richard-Bampi-Preis vorbereitet und in Zusammenarbeit mit der Meissen Porzellan-Stiftung sowie der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen durchgeführt.    

Eine fachkundige Jury hat aus 36 Bewerbungen insgesamt 20 Teilnehmende für die Ausstellung bestimmt. Darunter wählten die Juroren drei Prämierte und sprachen eine Belobigung aus. Der Keramikpreis ist mit einer Gesamtsumme von 15.000 Euro dotiert und mit einem exklusiven Atelieraufenthalt in der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen verbunden.

Mit  dem 7.000 € dotierten 1.Preis wurde Helena Sekot ausgezeichnet.

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Helena Sekot: Between Earth and Sky, 2021, Keramik, dichroitisches Glas, ca. 44 x 41 x 48 cm | Foto: Andreas Greiner-Napp

Die Begründung der Jury: Die Arbeiten der jungen Künstlerin Helena Sekot tragen bereits eine wiedererkennbare eigene Handschrift. Mit erstaunlicher Konsequenz und doch großer Varianz formt Sekot aus Ton raumgreifende Strukturen von starker Präsenz, zu denen sich der Betrachter physisch in Beziehung setzt. Sie verleiht dem Material eine zwischen Stabilität und Deformation schwingende Körperlichkeit, die Assoziationen zu Skeletten und Blutgefäßen ebenso weckt, wie zu Wurzelwerk und Rhyzomgeflechten. Der Eindruck von fragiler Beständigkeit wird bei den gelungenen Kombinationen mit Elementen aus Glas noch weiter akzentuiert. Besonders in ihrer Arbeit »Between Earth and Sky«, die auf innovative, technisch höchst anspruchsvolle Weise Keramik mit dichroitischem Glas vereint, entfaltet das Zusammenspiel der verwandten und doch so gegensätzlichen Materialien eine große poetische Kraft.

Der 2.Preis, mit 5.000€ ausgestattet, ging an Philsoo Heo.

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Philsoo Heo, Es war in den besten Jahren, 2021, Keramik, 56 × 42 × 4,5 cm | Foto: Andreas Greiner-Napp

Die Begründung der Jury: Philsoo Heo findet sich mit seinen Arbeiten ein in eine lange Tradition, die das Verhältnis zwischen Skulptur und Malerei mithilfe der Keramik befragt und beides miteinander zu versöhnen sucht. Die Wandarbeiten bieten dem Betrachter überraschende Oberflächen, auf denen sich die metallisierenden Glasuren sinnlich entfalten. Diese Arbeiten bleiben skulpturale Volumen, die im Raum wirken: So wird das, was scheinbar nur ein Rahmen ist, schließlich auch zum integralen Bestandteil des Werkes. Die Oberfläche, ob abstrakt oder geheimnisvoll figurativ, ist ein dreidimensionaler Raum und als solcher perforiert, eingeschnitten oder geformt. Auch das Gewicht der Werke erinnert daran, dass sie nicht nur cosa mentale sind, sondern vor allem Materie.

Den mit 3.000 € dotierten  3.Preis sprach man David Fernando Torres Forero zu: 

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David Fernando Torres Forero, Collateral Policy, 2019, Porzellan, Keramik (Raku), 200 × 200 × 150 cm  | Foto: Andreas Greiner-Napp

Begründung der Jury: Ein stark aufgeblähtes, locker daliegendes Riesenpopcorn steht in starkem Kontrast zu den durch Naturgewalten zerbrochenen antiken Säulen, die mit ihren farbintensiven Glasuren in Rakubrandtechnik selbst zu Derivaten der Popkultur werden. In einer anderen surreal anmutenden Rauminstallation behauptet sich eine eigenwillige Figur von charmantem Witz gegen überdimensioniertes Popcorn in pastelligen Tönen. Seine Arbeiten lassen die Dynamik unserer modernen Welt, aber auch die ihr innewohnende zerstörerische Kraft erahnen. Virtuos beherrscht David Fernando Torres Forero dabei ein breites Spektrum keramischer Techniken, wobei besonders seine kraftvolle Modellierung wuchtiger Monumentalplastiken bis hin zu kleinen, filigranen Porzellanfiguren begeistert.

Eine Belobigung ging an Lena Kaapke.

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Lena Kaapke: Produktionslinie, 2019, Porzellan und Papier, 120 x 7 x 10 cm | Foto: Andreas Greiner-Napp

Begründung der Jury: Eine besondere Belobigung möchte die Jury der Künstlerin Lena Kaapke für ihren konzeptionellen und ästhetischen Beitrag zur Glasurkunst aussprechen. Mit der Arbeit »Rot I«, die sie 2015 begann und kontinuierlich weiterführt, gelingt es der Künstlerin, aus der seriellen und oft obsessiven Arbeit mit Glasuren einen poetischen künstlerischen Beitrag zum handwerklichen Forschen und Wissen zu leisten. In »Produktionslinie« wiederum stellt sie die kollektive Dimension der seriellen Porzellanproduktion in China in einer zugleich respekt- und humorvollen Weise dar. Insgesamt zeichnet sich ihr Werk durch die Prägnanz und Schönheit ihrer visuellen Sprache aus.

Den Wettbewerb 2022 dokumentiert ein Katalog. Er hat einen Umfang von 176 Seiten und ist für 20 Euro über bampipreis@keramikfreunde.de oder meissen@porzellan-stiftung.de lieferbar.

Sowohl Preisträger:in als auch Teilnehmende werden bis zum 17. Juli 2022 in den Räumen der Porzellan-Manufaktur sowie im Museum der Meissen Porzellan-Stiftung präsentiert. Rundgänge werden immer freitags bis sonntags jeweils um 11, 12, 13 und 14 Uhr angeboten. Donnerstags findet ein „After Work“ mit Rundgängen jeweils um 15, 16 und 17 Uhr statt.  Tickets sind über die Erlebniswelt Meissen erhältlich.

Museum der Meissen Porzellan-Stiftung

Talstraße 9

01662 Meißen

Öffnungszeiten: täglich von 10:00 -17:00 Uhr