Hannah Höch. Abermillionen Anschauungen: Berlin vom 16.02. bis 15.05.2022

Hannah Höch (1889–1978) ging als Dada-Ikone in die Geschichte ein. Bekannt ist sie vor allem für ihre Foto-Collagen, die sich kritisch mit der politischen und gesellschaftlichen Situation auseinandersetzen. Doch ihr Werk zeigt ebenso das autonome künstlerische Statement einer ungewöhnlichen Persönlichkeit. Mit über 120 Arbeiten aus allen Schaffensbereichen und -perioden, zum Teil seit Langem oder noch nie gezeigt, beleuchtet diese Ausstellung im Berliner Bröhan-Museum die gesamte Bandbreite eines ebenso vielfältigen wie widersprüchlichen Œuvres. Die Leihgaben stammen aus bedeutenden internationalen und nationalen Museen, Institutionen und Privatsammlungen.

Foto
Hannah Höch Fetische 1970 Museum Friedenstein Gotha© VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Hannah Höch schuf ihre erste abstrakte Collage – sowie mehrere Gemälde – im Jahr 1916, als sie in Berlin studierte und ihre ersten Begegnungen mit der künstlerischen Avantgarde hatte. Ab 1918 stellte sie mit dem Berliner Dada, ab 1920 mit der Novembergruppe aus. In den 1920er und 1930er Jahren reiste und arbeitete sie international, ebenso frei bewegte sie sich zwischen künstlerischen Ausdrucksformen. In der Zeit des Nationalsozialismus zog Höch nach Heiligensee, wo sie die als „entartet“ geltenden Dada-Werke und -Dokumente bewahrte und die Kriegsjahre überlebte. Nach dem Krieg war Höchim deutschen Kulturbetrieb vielfältig engagiert, in den 1950er Jahren wuchs ihre künstlerische Anerkennung,1961 folgte schließlich die erste Höch-Retrospektive. Anschließend zeigte sie mehrfach im New Yorker Museum of Modern Art, zudem erschien ihre erste Monografie. Allerdings galt die Aufmerksamkeit stets der Dada-Periode sowie den Collagen, und nicht den darüberhinausgehenden Gemälden und Aquarellen, die einen bedeutenden Teil ihres Œuvres ausmachen.

Hannah Höch nahm sich die Freiheit heraus, über alle ideologischen Gräben hinweg je nach Thema zwischen den künstlerischen Stilen zu wechseln. Das heißt nicht nur, dass es bei Höch neben den Gemälden auch Plakatentwürfe zu finden gibt, sie kombiniert sogar die Bereiche frei und angewandt in einzelnen Arbeiten. In der Ausstellung im Bröhan-Museum treten die Werke gleichberechtigt nebeneinander auf, was ganz der Intention ihrer Urheberin entspricht. „Abermillionen Anschauungen“ zu ermöglichen – wie Höch es in einem Gedicht nennt – sei das Ziel ihrer Kunst. Sie erreichte eine künstlerische Freiheit und Vielfalt, die ihresgleichen sucht. Die Schau möchte genau diesen Aspekt von Höchs Werk erstmals thematisieren. (Pressetext)

Gastkuratorin: Dr. Ellen Maurer Zilioli | Die Ausstellung entstand in einer Kooperation des Bröhan-Museums mit dem Museum im Kulturspeicher Würzburg

BRÖHAN-MUSEUM
Landesmuseum für Jugendstil, Art Deco und Funktionalismus
Schlossstraße 1a
14059 Berlin

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr und an allen Feiertagen