Young-Jae Lee Spindelvasen und Spinatschalen: München bis 12.03.2022

Young-Jae Lee. Spindelvasen und Spinatschalen Young-Jae Lee. Spindelvasen und Spinatschalen Ausstellungsansicht, Jahn und Jahn, München, 2022

Im Titel der Ausstellung der Galerie Jahn und Jahn in München mag sich ein merkwürdiges Gefälle von Objektbenennungen ausdrücken. Doch sind es gerade die programmatischen Eckpunkte in Young-Jae Lees heutigem Schaffen. Spindelvasen – im Grunde mehr Objekt als Vase – leben von ihrem Volumen. Ihre Formen sind von Ausdehnung und Verengungen, von weichen Konturen und scharfen Kanten gekennzeichnet. In ihrer weitesten Ausdehnung zusammengesetzt, können zwei Schalen in gleichem Verhältnis, aber auch, wie in der Ausstellung zu sehen, ungleich mit einer deutlichen Längung der oberen Schale in weichem Übergang zueinander montiert und zudem in dunkler Farbigkeit glasiert sein. Die Spindelvasen sind Synthese einer konstruierenden Gestaltung westlicher Manier und koreanischen Formenguts, den sogenannten Mondtöpfen. Der künstlerische Anspruch, den Young-Jae Lee in diesen Gefäßen an sich erhebt, entspricht der Qualität der koreanischen weißen, schmucklosen Porzellangefäße der Joseon-Periode [1], deren außerordentliche Schönheit in den ästhetischen Idealpaaren des Einfachen und Edlen, des Emotionalen und des Beherrschten, der Vielfalt im Gleichen und Abweichen vom Normativen liegt.

Young-Jae Lee Schalen
Young-Jae Lee Schalen | Foto: Jahn und Jahn

Die Schale ist für Young-Jae Lee seit Anbeginn ein substanzielles Thema. Wiederum bezieht sie sich auf ihr koreanisches Erbe, stellt die Schalen aber auch in einen konzeptionellen Zusammenhang, indem sie sie in Installationen präsentiert. Und schließlich gibt es die Spinatschalen, Ergebnisse eines von Young-Jae Lee sehr komplex erlebten Ost-West-Verhältnisses. In dem Namen stecken Provokation, Witz und Selbstbehauptung. Mit der Schale als Trinkgefäß rückte für Young-Jae Lee die Teeschale in den Fokus und damit die Suche nach deren Form und Sinn. Zwei Erkenntnisse beenden ihre Suche und ihre Zweifel: Es gibt keine festgelegten Teeschalenformen in Korea; Schalen, ob nun für den japanischen grünen „matcha“ (Tee für die Teezeremonie) oder Speisen wie etwa grünem Spinat, müssen grundsätzlich gleichwertig sein.

Young-Jae Lee kam, nachdem sie von 1968 bis 1972 an der Hochschule für Kunsterziehung in Seoul studiert hatte, 1972 nach Deutschland, um ihre Studien bei der Keramikerin Christine Tappermann und 1973 bis 1978 an der Fachhochschule in Wiesbaden in den Fächern Keramik bei Margot Münster und Formgestaltung bei Erwin Schutzbach fortzusetzen. Nebenbei absolvierte sie 1976/77 ein Praktikum bei Ralf Busz. Ihre erste Werkstatt eröffnete sie 1978 in Sandhausen bei Heidelberg. Von 1984 an war sie künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Gesamthochschule in Kassel, bis sie 1987 die Keramische Werkstatt Margaretenhöhe in Essen übernahm. Neben ihren Einzelstücken, den Schalen und Vasen, entwickelte sie ein umfangreiches Geschirrprogramm, das sich in Formen und vor allem in Farben vielfältig nach individuellem Gusto und Bedarf kombinieren lässt. Young-Jae Lee ist mit Ausstellungen in Museen und Privatgalerien in Europa, Amerika, Korea und Japan präsent. In der Galerie Fred Jahn finden seit 1988 regelmäßig Ausstellungen sowohl mit Young-Jae Lees Einzelstücken als auch mit Teekeramik und der Geschirr-Produktion der Keramischen Werkstatt Margaretenhöhe statt. (Text-Auszug: Gisela Jahn)

Galerie Jahn und Jahn
Baaderstraße 56 B und C
80469 München

Öffnungszeiten: Di–Fr 10–18 Uhr, Sa 11-15 Uhr
und nach Vereinbarung