Dress Code – Das Spiel mit der Mode: Bonn bis 12.09.2021

Unter dem englischen Begriff Dress Code (Kleiderordnung) versteht man die Regeln und Vorgaben, wie man sich privat oder als Angehöriger bestimmter sozialer, beruflicher oder ethnischer Gruppen kleiden sollte. Dabei handelt es sich meistens nicht um schriftlich fixierte „Gesetze“, sondern um Normen, die stillschweigend vorausgesetzt werden, auf einem gesellschaftlichen Konsens gründen und je nach nationaler Zugehörigkeit, Religion, Lebensalter oder Geschlecht verschieden sein können. Dress Codes können „auf der Straße“ entstehen: unausgesprochene Codes, die die Gesellschaft hervorbringt und die sich auch in sogenannten Subkulturen finden lassen. So entwickelte z.B. auch die Punk-Bewegung – in den 1970er-Jahren entstanden – ihren eigenen Dress Code, als Ausdruck des politischen Protestes und der bewussten Opposition gegen die gesellschaftliche Oberschicht.

DrssCode Kyoichi Tsuzuki
Kyoichi Tsuzuki (Ed.) / Lamaski Ishoku-hada (Different colored skin) 2017 from Kyoichi Tsuzuki (Ed.), Real Fashion Nipponica, 2019 ©Lamaski

Spielerisch wird in der Ausstellung unser Umgang mit Kleiderordnungen und tradierten Kodierungen hinterfragt. Sie beleuchtet mit unterschiedlichen Fragestellungen die internationale Mode als Spiegel von Gesellschaft und Individuum. Themen, wie Authentizität oder Markenfetischismus werden mit Exponaten inhaltlich systematisiert und visualisiert. Ob Designerkleid oder Jeans, Anzug oder Jogginghose, Strickpullover oder Uniform – jede Kultur, Gesellschaft und Gruppe hat ihre eigenen Dress Codes. So verhandelt die Ausstellung Mode zwischen zwei Polen – dem Individualisten und dem Konformisten. Und sie bringt Mode stilbildender Designer*innen wie Armani, Burberry, Chanel, Comme des Garçons, Martin Margiela, Issey Miyake, Vetements oder Vivienne Westwood mit zeitgenössischer Kunst von Keizo Motoda, Tom Sachs, Cindy Sherman, Oliver Sieber, Juergen Teller oder Kyoichi Tsuzuki in einen Dialog.

DressCode Gucci
Gucci / Alessandro Michele, Jacket, Top, Skirt, Spats, Stole, and Shoes, Autumn/Winter 2018, Collection of The Kyoto Costume Institute, photo by Takashi Hatakeyama

Kleiden oder „Verkleiden“ ist ein wichtiger Motor im Selbstfindungsprozess der eigenen Identität, und für die Persönlichkeitsbildung ist die Verwandlung ein kreativer Akt. Die Mode entpuppt sich als geeignetes Vehikel von Individualisierungstendenzen – auch das ist eine zentrale Aussage der Ausstellung. Mode ist nicht nur ein schlichter Akt des Tragens von Kleidung – sie ist auch ein Akt des Sehens und Gesehen-Werdens, der heute mit Vorliebe über die sozialen Netzwerke geteilt wird. In der Auseinandersetzung mit Anlass und Wirkung, repräsentativen Anforderungen oder persönlichen Vorlieben funktioniert Kommunikation über Mode auf visueller und auf nonverbaler Ebene. Bewusst oder unbewusst beschäftigt sich jede*r Einzelne tagtäglich mit Kleidung, und durch das Schlüpfen in wechselnde Rollen – sei es das anonyme Business-Outfit, der legere Freizeitlook oder das elitäre Chanel-Kostüm – übertragen sich automatisch auch deren Klischees: Kleider machen Leute! Das Spiel mit der Mode führt zu einem Mix der Stile oder einer formalen Neudefinition z.B. eines Statussymbols, welches gern auch durch selbstbewusstes Understatement abgelöst wird – selbst in offiziellen Kontexten. Die Verschiebung von Elementen zwischen „High and Low“ oder das Brechen von Regeln ist auch in der Haute Couture längst gängige Praxis. War der Punk vielleicht die letzte große modische Schockwelle, die durch Europa ging, können heutzutage höchstens genderfluide Themen breite Aufmerksamkeit erlangen. Aktuell steht das Upcycling von Secondhand-Ware hoch im Kurs, wodurch eine individuelle Abgrenzung zum Mainstream zur Schau getragen wird. So unterliegen die gängigen Codes steter Verschiebungen im Wertekanon. (Pressetext)

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
Museumsmeile Bonn
Helmut-Kohl-Allee 4
53113 Bonn

Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch 10 bis 21 Uhr |Donnerstag bis Sonntag
und an Feiertagen* 10 bis 19 Uhr