Jiro Kamata – Voices: München vom 16.10. bis 21.11.2020

Jiro Kamata, Detail Ausstellung Alien Art Center

Die Galerie des Bayerischen Kunstgewerbevereins präsentiert eine Ausstellung des Oeuvres von Jiro Kamata der, Spross einer japanischen Juwelierdynastie, sich in seinen Arbeiten mit den Dimensionen optischer Erfahrung und Wahrnehmung von Werten beschäftigt.Jiro Kamat_detail_Schau_AlienArtCentre. 4

„Meine Lieblingsfarbe ist buntes Glitzer“ verkündet Luisa (5 Jahre) voller Überzeugung. Dieses Geständnis käme einem Erwachsenen, der sich für stilisicher und gebildet hält, niemals über die Lippen. Schade, denn die Wahrheit ist, dass wir ALLE buntes Glitzer LIEBEN! Und deswegen ist umso wunderbarer, dass der japanische Schmuckkünstler Jiro Kamata uns mit seinen einzigartigen Schmuckstücken und Objekten die Möglichkeit schenkt diese heimliche Liebe ganz offen und sehr begeistert auszuleben.

Der Juwelierssohn aus Hirosaki ist zwar mit Schmuck aufgewachsen, aber er hasste ihn als übertriebenen Luxus und Blingbling. Dennoch entschied er sich für eine Ausbildung am Institute of Gemology and Jewelry Art in Yamanashi und traf dort auf seinen Lehrer Okinaki Kurokawa, der in den 70er Jahren bei Professor Klaus Ulrich in Pforzheim studiert hatte. Okinaki Kurokawa vermittelte ihm den ambitionierten Geist zeitgenössischen Schmucks in Europa und öffnete Jiro Kamata damit neue Perspektiven.

Neugierig kam Jiro Kamata nach Deutschland, zuerst 1998 99 an die Hochschule für Gestalltung Pforzheim und 2000 bis 2006 in die Schmuckklasse der Akademie der Bildenden Künste in München, ab 2004 als Meisterschüler von Otto Künzli. Wie seine Karriere in allen Details verlief lässt sich in den unterschiedlichsten Medien online und offline nachvollziehen.

Sein ganz großes Talent liegt meiner Meinung nach darin, dass er eine der zutiefst in uns Menschen angesiedelte Faszination für alles was sich glitzernd, spiegelnd und bunt schillernd bewegt, mit einem strengen Purismus beantwortet. Als junger Mensch verachtete er den funkelnden Prunk von Juwelen. Heute stellt er diesem eine ausgesprochen zeitgemäße und werthaltige Alternative gegenüber. Er erfindet Schmuck und Objekte, deren reduzierte, geometrische Formensprache und exzellente Verarbeitung optischen Linsen mit ihrem faszinierende Farbenspiel auf geniale Weise inszeniert.

Die Lebendigkeit von Spiegeln, alten Kameraobjektiven und dichroitische Filtern, die bestimmte Lichtfrequenzen transmittieren und reflektieren, abhängig vom Stand der Lichtquelle und des Betrachters, ja diese selbst mit in den visuellen Dialog einbeziehen, choreographiert er meisterhaft, mnimalistisch bei optimalem Effekt. Die Süddeutsche (SZ 21.10.20) schrieb sogar “Wer immer Jiro Kamatas Schmuck anlegt, wird zu einer Lichtgestalt und hält denen, die unweigerlich aufmerksam werden, ein changierendes Spiegelbild vor.“ So weit würde ich ja nicht gehen, glaube eher, dass er unser aller Spieltrieb salonfähig macht, so erlesen, durchdacht und planvoll – unwiderstehlich…. eben wie buntes Glitzer 😉

Text: Schnuppe von Gwinner

Jiro Kamatas Arbeiten

Porträt im Laden: Heri Gabler: Lackschwarz

Bayerischer Kunstgewerbeverein
Pacellistr. 6-8
80333 München

Öffnungszeiten: Mo – Sa von 10 bis 18 Uhr

 

Jiro Kamata: Voices – Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart, 272 Seiten, 375 Abbildungen in Englisch, Chinesisch und Japanisch