Danner-Preis 2020: Die Preisträger

© Danner-Stiftung / Eva Jünger Bettina Dittlmann, rote Brosche mit flexiblen Einzelteilen aus gelötetem Eisendraht auf einem Scheibenmagnet

Der Danner-Preis ist einer der wichtigsten Preise für Kunsthandwerk in Deutschland. Im 100. Jubiläumsjahr der Stiftung waren Preisgelder von insgesamt 36.000 Euro zu vergeben.

Preisträgerin des den in diesem Jahr mit 20.000 Euro dotierten Hauptpreis des Danner-Preises 2020 ist die Schmuckkünstlerin Bettina Dittlmann. Ihre Magnetbrosche „Wohin“ fand bei der achtköpfigen Jury aufgrund der außergewöhnlichen Idee große Zustimmung. Um einen runden, 6 cm großen roten Scheibenmagneten ordnen sich viele kleine, aus Eisendraht gelötete, ebenfalls rote Einzelteile an. Wie genau der Anhänger am Ende aussieht, bleibt also dem Zufall überlassen: es ist das Magnetfeld, das darüber bestimmt. Zufall und Gestaltung, oder wenn man so will: die Kräfte der Natur und die Fähigkeit des Menschen, seine Umwelt nach seinem Willen zu formen, kommen in diesem Stück zusammen. Und mit einer einzigen Handbewegung kann man alles wieder wegwischen.

Aus der Vielzahl hervorragender Arbeiten wählten die Juroren zudem vier mit jeweils 4.500 € dotierte Ehrenpreise aus:
© Danner-Stiftung / Eva Jünger Aus Titan geschmiedete Objekte „Stromboli“ und „Vulkano“ von Otto Baier

Der Schmied Otto Baier aus München-Obermenzing gewann mit zwei aus Titan geschmiedeten Objekten. Titan ist extrem schwer zu schmieden, trotzdem wirken Otto Baiers Objekte als seien sie mit großer Leichtigkeit einfach in der Hand geknetet. Otto Baier ist hier an die Grenzen des Materials gegangen. Die Objekte heißen „Stromboli“ und „Vulkano“ – als Schmied ist Baier gewissermaßen von Berufs wegen ein Mann des Feuers und ist fasziniert von Vulkanen.

© Danner-Stiftung / Eva Jünger „Kettenskulpturen“ des Münchner Schmuckkünstlers Peter Bauhuis

Der Münchner Schmuckkünstler Peter Bauhuis erhielt einen Danner-Ehrenpreis für eine Reihe von „Kettenskulpturen“. Wie kleine Bäume wachsen die Skulpturen aus Silber und der Legierung Tumbaga aus Kupfer und Gold über einem oder zwei schlanken Stämmen empor. Die Kronen der Bäume bestehen aus ineinandergelegten ovalen Ringen. Die Herstellung des Wachsmodells ist eine echte Puzzlearbeit.Man kann die Bäume auflösen zu einer Kette – doch dann ist es mit dem Baum vorbei – man muss sich entscheiden!

© Danner-Stiftung / Eva Jünger Kerzenleuchter aus Edelstahl von Paul Müller

Der Silberschmied Paul Müller aus Nürnberg wurde für eine Gruppe von Kerzenleuchtern aus glasperlengestrahltem und geschliffenem Edelstahl ausgezeichnet: filigran, fast grafisch in der Form, mit sehr klaren Konstruktion und in hochpräziser Ausführung. Der Leuchter „Stilles Fest“ kommt ganz ohne Tüllen aus, die Kerzen werden direkt auf den Dorn gesteckt. Die Leuchter der Reihe „Stativ für eine Kerze“ wiederum bestehen aus drei einzelnen Teilen und können auseinander genommen werden.

© Danner-Stiftung / Eva Jünger Objekte „Paar“ und „Wintergestalt“ der Keramikerin Petra Bittl

Die Bonner Keramikerin Petra Bittl erhielt den Danner-Ehrenpreis für eine Gruppe keramischer Figuren aus Steinzeug mit Porzellan-Inlays. Es sind Arbeiten an der Grenze zwischen Skulptur und Gefäß und erinnern an menschliche Körper. Die Hohlkörper bauchen sich unregelmäßig auf, mal verlaufen sie in Wellen, mal bilden sie scharfe Grate. Die Oberflächengestaltung mit weißen Porzellan-Inlays erinnert an textile Strukturen die sich wie ein Gewand um die Körper zu legen scheinen. Die Farbigkeit der Gefäße reicht von braun und anthrazit bis hin zu Eisenrot, Gelb und Grün und entsteht ausschließlich durch die verschiedenen keramischen Massen.

Im Jahr 1920 gründete Therese Danner im Gedenken an ihren 1917 verstorbenen Ehemann Benno eine deutschland-, wenn nicht gar europaweit einzigartige Stiftung: Die Benno und Therese Danner’sche Kunstgewerbestiftung zur Förderung des Kunsthandwerks in Bayern – besser bekannt als die Danner-Stiftung. Aus diesem Anlass werden erstmals die Preisträger des seit 1984 in dreijährigem Rhythmus vergebenen Danner-Preises auf Einladung der Neuen Sammlung in einer Ausstellung vom 14.10.2020 bis 05.01.2021 unter dem Glasdach der Pinakothek der Moderne zu sehen sein. Ihre Arbeiten werden gemeinsam mit bislang kaum bekannten Objekten aus der 100-jährigen Sammlungsgeschichte der Danner-Stiftung gezeigt. 

Benno und Therese
Danner’sche Kunstgewerbestiftung
Danner-Forum, Landshuter Allee 12-14
80637 München

Dazu später mehr!