Was macht eigentlich … Martin Schlotz

Wir alle gemeinsam haben jetzt mehr Zeit.
Der Künstler Martin Schlotz nahm sich schon immer Zeit.

Immer, finde ich, ist dieser gedehnte Faktor Zeit in seinen Objekten spürbar. In diesen akribisch genau gedrehten, gewichtigen Keramikkörpern. Deren achsensymmetrische Volumen in maßvollen Proportionen durch waagerechte Auskragungen, Fugen, Gesimse und Hohlkehlen ihren Rhythmus finden. Aus dem Drehvorgang heraus gewachsen, in die Breite gelagert, in die Höhe gestapelt.
Schlotz_Gefaess_2834-bSie entstehen meistens in Gruppen, Familien oder Serien, die den Verlauf der Erkundungen des Künstlers dokumentieren. Im Nebeneinander, oder besser Miteinander, offenbart sich ihre raumgreifende Qualität. Das in Gelassenheit beobachtende Studium ihres Schöpfers, der nichts dem Zufall überlässt. Was vielleicht langweilig werden könnte – aber nicht wird, da er diese makellosen Monumente nun mit Glasuren überzieht, oder besser, umkleidet._MG_2850-e

 

 

Mit alchemistischen Geheimrezepturen sorgt Martin Schlotz für subtile Farbigkeiten, hinreissende Strukturen, kristalline und glasige Oberflächen, deren Schmelz das individuelle Profil der Keramikkörper umfängt. Gerade kurz davor – passgenau – gerade eben darüber hinaus – erstarrt der Glasurfluss oder lässt auch mal ein, zwei Tränen laufen.
Mit dieser Vollendung gewinnt jedes Unikat seinen ganz eigenen Charakter. Es entfaltet eine Aura, die zur genauen Beobachtung einlädt, die immer wieder überraschende Raffinesse keramischer Kunst und ihrer Details zu betrachten. Am besten mit Zeit. Schlotz_9463
So lobte auch die Jury zum Hessischen Staatspreis 2019 „seine maximale Konsequenz und hohe Präzision in der Ausführung der Keramiken zusammen mit einer Varianz in den Techniken“.

Martin Schlotz erweiterte seine erste Praxis in in einer französischen Töpferei und, von 1983-85, an der Freien Kunstschule Nürtingen, deren Fachklasse Keramik er besuchte. Doch erst sein Studium der Bildenden Kunst bei Prof. Volker Ellwanger, von 1987 bis 1992 in Mainz, vermittelte ihm die Basis für seine unverwechselbare künstlerische Handschrift und Haltung, in der er formale Strenge mit einer aussergewöhnlichen Sensibilität für sein Material, Ton und Glasuren, verbindet. Martin Schlotz stellt seither international aus und viele seiner Arbeiten, fanden den Weg in öffentliche und private Sammlungen. Wichtige Anerkennungen wurden ihm gerade in den letzten Jahren für seine so unaufgeregt konzentrierten und analytischen Werke zugesprochen. Aktuell gehört er zu den zehn Nominierten für den mit 10.000 Euro dotierten Südwestdeutschen Keramikpreis 2020.

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Martin Schlotz beantwortete auch meine Fragen

2759-insideWelche Projekte haben Dich bis zum Shutdown beschäftigt?

Ich hatte weiter an den „heavy weights“, sehr dickwandigen Schalenformen gearbeitet. Zum einen entstehen neue kompaktere Formen, zum anderen ist es ziemlich knifflig die Glasuren so einzustellen, dass sie einerseits ins Laufen kommen, andererseits nicht völlig ablaufen. Außerdem mache ich Versuche mit neuen Farben.
Und dann experimentiere ich gerade noch ziemlich erfolglos mit einer neuen Serie, die ich technologisch noch nicht in den Griff bekomme. Davon mehr wenn es klappt.

Gibt es neue Entwürfe, die Du auf einer geplanten Messe/Ausstelung gerne vorgestellt hättest?

Die Galerie Rosemarie Jäger hätte einige Gefäße der „heavy weights“ mit auf die Internationale Handwerksmesse in München genommen, Salonklotz hat eine Onlineplattform geöffnet, auf der einige Objekte von mir präsentiert werden. Sonst freue ich mich auf die oben erwähnte
neue Serie.

Wie gehst Du nun mit der „geschenkten“ Zeit um?

Ich hatte immer davon geträumt, dass die Welt mal ein halbes Jahr stillstehen würde, damit ich endlich mal aufholen könnte und eine ewig lange Liste abarbeiten würde. Nun musste ich zwei Monate Urlaub in meinem Job nehmen und bin viel mehr in der Werkstatt, im Garten, renoviere das Haus und ich koche mittags für meine Frau, die im Homeoffice arbeitet.
Ich fand die letzten Wochen wunderbar. Alles machen, wozu ich sonst zu wenig Zeit habe. Dazu das Wetter.

Welche Themen beschäftigen Deine Kreativität?

Zur Zeit lese ich die Biografie von Hilma af Klint. Sehr frühe abstrakte Bilder, die von höheren Wesen beauftragt wurden. Die rechte obere Ecke übrigens nicht schwarz.
Und einfach zur Freude versuche ich mich mit Ölfarben und Monotypien.

Siehst Du eine Chance in dieser Krise?

Die Chance ist sicher, sich in der Zeit, in der so vieles ausfällt, Neuem zuzuwenden und durchzuatmen. Wirtschaflich wird es für viele Kunsthandwerker mindestens dieses Jahr schwierig. Werden Kunden Lust haben mit Schutzmasken zu Ausstellungen und Messen zu gehen, auch wenn sie es dürfen? Ich bin da skeptisch. Werden Kunden mehr Kunsthandwerk online kaufen? Vielleicht.
Was unsere Begegnungen angeht, werden wir das Zusammensein, wenn es wieder möglich ist, neu genießen, als etwas Wiedergewonnenes lange Vermisstes.
Politisch und gesellschaftlich wird die Krise meiner Meinung nach radikalisieren.
Wirtschaftlich wird Wachstum und Klimawandel unser ewiges Ziel bleiben. Auch nach Corona.

Text © Schnuppe von Gwinner / Martin Schlotz

Martin Schlotz
Mittelstr. 3
56291 Laudert

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