BKV-Preis 2020 für Junges Kunsthandwerk: München vom 01. bis 23. 05. 2020

Miki Asai Halsschmuck / Necklaces “Bottle of stars”, 2019, Japanpapier, Leim, Japanlack, Muschelschalen, Eierschalen, Silber, Gold

Der 2006 erstmals ausgelobte BKV-Preis für Junges Kunsthandwerk findet 2020 zum vierzehnten Mal statt. Aus insgesamt 102 Einreichungen, die in diesem Jahr aus 24 Ländern eingingen, ermittelte die Jury drei Preisträger und zwei Belobigungen. Auch in diesem Jahr hat die LfA Förderbank Bayern die Preisgelder gestiftet. Für dieses Mäzenatentum bedankt sich der Bayerische Kunstgewerbeverein.

Die Preisverleihung konnte und kann nicht wie geplant stattfinden. Doch die Arbeiten der drei Preisträger, der beiden Belobigungen und der 13 Finalisten werden von 1. bis 23. Mai 2020 in der Galerie für Angewandte Kunst des Bayerischen Kunstgewerbevereins ausgestellt.

Folgende Juroren haben in der diesjährigen Jury zusammengearbeitet und gewählt:

Elena Alvarez Lutz, Regisseurin und BR-Kulturjournalistin (Capriccio)
Aloisia Fischer, freischaffende Künstlerin
Françoise Heitsch, Galeristin
Dr. Katharina Küster-Heise, Kuratorin am Landesmuseum Württemberg, Stuttgart
Birte Raff, Dipl.-Ing. (FH), Architektin
Juliane Schölß, Silberschmiedin und BKV-Mitglied

Den ersten Preiserhält: Seungeun Kim-Lilja (Deutschland, Berlin)

1. Preis_Kim_Lilja_Seungeun (4)
Seungeun Kim-Lilja Broschen / Brooches und Halsschmuck / Necklace „Silent Movement“, 2019, Baumwolle, Silber, Messing, gewachste Baumwollkordel, gefärbtes Textil auf Rahmen gespannt

Begründung der Jury:
Was machen Seegurken plötzlich an Land? Leicht und filigran sind ihre Hüllen, ein feines Gewebe, eingefasst durch Silber oder Metall. Seungeun Kim-Lilja setzt organische Zerbrechlichkeit mit präziser Goldschmiedekunst in Szene: archaische Wölbungen mit feinen Spitzen erinnern an Urlebewesen oder versteinerte Wüstenzelte. Diese sind aus fixierter Baumwollgaze. Mit Wasserfarben zart koloriert offenbaren sie ihre Struktur. Sie selbst schreibt, das Olympiastadion in München von Frei Otto habe sie inspiriert. Transparenz, Einfachheit und Humor, eine raffinierteKomposition.

Der BKV-Preis 2020 ist dotiert mit € 3.000,- und einem Katalog der Preisträger (dt./engl.), der in derSchriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbevereins erscheint. Außerdem beinhaltet der Preis eine für drei Jahre kostenlose Mitgliedschaft im Bayerischen Kunstgewerbeverein.

Den zweiten Preis erhält: Felicitas Fäßler (Deutschland, Halle)

2. Preis Fäßler_Felicitas (4)
Felicitas Fäßler Serie / Series „Spur“, 2018, Glas, heiß und kalt bearbeitet

Begründung der Jury:
Weiße und rote Gummiringe aufgespannt an einer Wand. Im ersten Moment denkt man an Porzellan aber nein, es ist Glas. Gespanntes, gedehntes Glas an der Wand, eine Installation. Macht neugierig und wirft Fragen auf: Thematisiert sie die nicht mehr gebrauchten Dichtungsringe von Einweckgläsern, also unser Konsumverhalten fern jeder Nachhaltigkeit? Nicht mehr gebrauchte mechanische Übersetzungsriemen? Eine Zukunft, in der das Handwerk als Kunst an der Wand hängt? Man weiß es nicht. Felicitas Fäßler erwischt den Moment zwischen Stabilität und Zerbrechen, irgendwo zwischen 700 und 800° Celsius, in dem sich Glas formen und deformieren lässt, ohne zu brechen. Spannend.

Diese Auszeichnung ist dotiert mit € 2.000,- und einem Katalog der Preisträger (dt./engl.), der in derSchriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbevereins erscheint. Außerdem beinhaltet der Preis eine für drei Jahre kostenlose Mitgliedschaft im Bayerischen Kunstgewerbeverein.

Den dritten Preis erhält: Miki Asai, Japan, Nagoya

3. Preis_Asai_Miki (3)
Miki Asai Halsschmuck / Necklaces “Bottle of night”, „Bottle of time”, “Bottle of stars”, 2019, Japanpapier, Leim, Japanlack, Muschelschalen, Eierschalen, Silber, Gold

Begründung der Jury:
Das Besondere an den kleinen Flaschen von Miki Asai entdeckt man erst, wenn man sie in die Hand nimmt und feststellen muss, dass sie aus winzigen Mosaiken bestehen. Die Oberfläche dieser kleinen Flaschen setzt sich aus japanischem Lack, gefärbten Papierteilchen, Perlmutt und Gold zusammen. Das Kostbare wird ausschließlich durch eine sehr intensive und präzise Arbeit erzielt. Es ist, wie wenn wir ein kleines Stück leuchtenden Sternenhimmels in der Hand hielten. Der Goldanteil dieses Schmuckes ist sehr gering, doch leuchtet und begeistert er uns umso mehr. Da das Können der Künstlerin uns tief beeindruckt, möchten wir Miki Asai mit dem
3. Preis hervorheben.

Diese Auszeichnung ist dotiert mit € 1.000,- und einem Katalog der Preisträger (dt./engl.), der in derSchriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbevereins erscheint. Außerdem beinhaltet der Preis eine für drei Jahre kostenlose Mitgliedschaft im Bayerischen Kunstgewerbeverein.

Eine Belobigung erhält: Yu-Hang Chiang (Taiwan, NeuTaipeh)

Belobigung_Chiang_Yu-Hang (1)
Yu-Hang Chiang Gefäße / Vessels “Body and Container”, 2017, Kupfer, Patina, getrieben, ziseliert

Begründung der Jury:
Was wollen diese flaschenartigen Gefäße ohne Boden mit den Falten und der rotbraunen Farbe sein? Sind es Gefäßhüllen oder Objekte? Die sieben in handwerklicher Perfektion des Metalltreibens gearbeiteten Gefäßobjekte aus Kupfer von Yu-Hang Chiang bewegen sich formal im Bereich zwischen Skulpturen, die menschliche Körperteile assoziieren, und zwischen Gefäßen, die sehr dem Gebrauch anmuten. Beides jedoch ist nur Imagination. Genau diese Verbindung verleiht den Gefäßobjekten in ihren Variationen eine starke Präsenz und baut ein Spannungsfeld auf, welches sie als Gruppe scheinbar belebt wirken lässt.

Diese Auszeichnung ist dotiert mit einem Katalog der Preisträger (dt./engl.), der in der Schriftenreihe desBayerischen Kunstgewerbevereins erscheint.

Eine Belobigung erhält: Dagmar Christina Gerke (Deutschland, Hildesheim)

Belobigung_Gerke_Dagmar
Dagmar Christina Gerke Objekt / Object „180 NEON“, 2019, Glas, mundgeblasen

Begründung der Jury:
Objekte, die den Körper und seine Bewegungen mitdenken, aus massivem Glas. Dagmar Christina Gerke spielt mit der Unmöglichkeit des Angewandten: Ist es denkbar, mit einem Glasobjekt auf der Hüfte herumzulaufen, die Hand am eingebetteten Griff? Auf alle Fälle: Die Objekte sind sinnlich und haptisch – ein Gegensatz, wenn man Gewicht und Material bedenkt. Die Form: Erinnerung an Organe, medizinische Schalen, an die 60er Jahre, an Raumstationen in Science Fiction Filmen: Glasobjekte, so retrofuturistisch wie überraschend.

Diese Auszeichnung ist dotiert mit einem Katalog der Preisträger (dt./engl.), der in der Schriftenreihe desBayerischen Kunstgewerbevereins erscheint.

Die Finalisten: Die Objekte der folgenden 13 Bewerber sind in die Endauswahl gelangt:

Baek_Jonghwi_Finalist
Jonghwi Baek Gefäße / Vessels „Teezeremonie#1“, 2019, Keramik, gebrannt bei 1240ºC, keramische Pigmente, Glasur, Beton

Junmin Bae, geb. 1985 in Seoul/Korea, lebt in Uijeongbu/Korea, Schmuck

Jonghwi Baek, geb. 1987 in Seoul/Korea, lebt in München, Keramik

Timo Bee, geb. 1996 in Stroud/Großbritannien, lebt in Garmisch-Partenkirchen, Holz

Bee_Timo_Finalist
Timo Bee Ständersystem / Rack System, 2019, Ahorn, Massivholzbau, Resit Lack GS 170, zerlegbar und variabel

Hye Young Choi, geb. in 1985 in Sokcho/Korea, lebt in Yongin/Korea, Schmuck

Eva Johanna Eichlinger, geb. 1998 in München, lebt in München, Schmuck

Suska Jelizaveta, geb. 1989 in Bauska/Lettland, lebt in Mölndal/Schweden, Schmuck

Hee-ang Kim, geb. 1989 in Seoul/Korea, lebt in Seoul/Korea, Schmuck

Triin Kukk, geb. 1990 in Estland, lebt in Tallinn/Estland, Schmuck

Monika Martykánová, geb. 1994 in Opava/Tschechien, lebt in Štítina/Tschechien, Keramik

Juliana Naccarato, geb. 1995 in Toronto/Kanada, lebt in Halifax/Kanada, Textil

 

Martykanova_Monika_Finalistin
Monika Martykánová Objekt / Object „3DIY“, 2018, Porzellan, manuell gebaut

Julia Obermaier, geb. 1989 in Landau an der Isar, lebt in Kempten, Schmuck

Jamila Wallentin, geb. 1991 in Saint-Dié-des-Vosges/Frankreich, lebt in Straßburg/Frankreich, Schmuck

Therese Wedemeyer, geb. 1990 in Vechta, lebt in Emstek, Buchgestaltung

Der BKV-Preis für Junges Kunsthandwerk – Bewerbungsschluss 24.07.2020

Zu den wesentlichen Aufgaben des Bayerischen Kunstgewerbevereins gehört die Förderung des Nachwuchses. Durch die Unterstützung der LfA Förderbank Bayern kann seit dem Jahr 2006 der BKV-Preis für Junges Kunsthandwerk einmal jährlich verliehen werden. Die dotierten Preise sollen den beruflichen Werdegang der Preisträger auch finanziell unterstützen.

Ausschreibung 2021: Die Ausschreibung wendet sich an junge Kunsthandwerker/innen unter 35 Jahren, die am Beginn ihrer beruflichen Entwicklung stehen, aber ihre Ausbildung bereits abgeschlossen haben. Die Ausschreibung ist international und an alle Gewerke gerichtet. Dieser Preis zeichnet Arbeiten aus, die auf der Basis handwerklicher Qualität eigenständige künstlerische Gestaltung zeigen. Bewerbungsschluss it der 24.Juli 2020

 

Bayerischer Kunstgewerbeverein e.V., Pacellistraße 6-8, 80333 München

[email protected]

craft2eu_Banner19