Was macht eigentlich… Jochen Rüth?

Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit eine unvergessene Wanderung über die erstarrten Lavafelder des Ätna auf Sizilien zu machen – seither ist mein Blick auf die Objekte von Jochen Rüth, die „skulpturalen Vasen“ wie er selbst sie nennt, völlig neu ausgerichtet. Es ist absolut faszinierend wie er quasi das Detail eines Naturereignisses künstlerisch zu fassen bekommt und es mit einer unwiderstehlichen Suggestionskraft ausstattet – ohne dass es so tut als sei es selbst Naturfragment.

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Jochen Rüth – skulpturale Vase

Es ist erschaffen, bewegt, ausgewogen, skulptural. Seine Form erzählt von urgewaltigen Naturkräften. Seine Materialität vom unendlichen geologischen Erfindungsreichtum  der Erde. So spiegelt es unsere menschliche Faszination und Erfurcht vor diesen Naturphänomenen. Wenn sich dann noch der perfekt geschwungene Blütenzweig finden lässt, der sich aus den rissigen Kanten emporschwingt und die fragil-vergänglichen Blüten für einen kurzen, hoffnungsvollen  Moment der Ewigkeit dieses Brockens gegenüberstellt … ein tröstliches Bild im Heute. Jochen Rüth gehört zu jenen Künstlern die es schaffen, den richtigen Ton (wie doppelsinnig) zur richtigen Zeit zu finden, ohne zeitgeistige Attitüde.

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Jochen Rüth – gedrehte, glasierte Porzellangefäße & skulpturale Vase

Es gelingt ihm darüber hinaus eine spektakuläre Gegenüberstellung der elementaren Ursprünglichkeit des Fragmentarischen mit der virtuosen Makellosigkeit seiner gedrehten und glasierten Porzellangefässe. Die Konfrontation kraftvoller Natur-Inspiration mit der artifizellen Vollendung menschlicher Kreativität – inszeniert als beglückender Dialog .

Jochen Rüth antwortet mir:

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Jochen Rüth – Fragmente

„Tatsächlich habe ich in den letzten Monaten seit November 2019 unter Hochdruck für die bevorstehenden Ausstellungen und den Diessener Keramikmarkt gearbeitet!
In dieser Zeit sind auch wieder einige Neuentwicklungen entstanden!
Die skulpturalen Vasen sind bewegter, dynamischer geworden und die Thema „Geoden“ und „Fragmente“ hat mich auch im Winter weiterhin beschäftigt!
Daneben viele gedrehte Porzellangefäße für Ochsenblut- und Seladonglasuren und als Malgrund für meinen Freund Georg Kleber. Die Porzellangefäße waren auch ein  Schwerpunkt meiner Winterarbeit! Die hochglänzenden Töpfe lassen sich nur so schwer fotografieren – immer spiegelt etwas….
Aber ein paar Fotos hab ich für dich!

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Jochen Rüth – gedrehte, glasierte Porzellangefäß

Die Eröffnung meiner Einzelausstellung im Keramikmuseum Staufen hätte eigentlich am 03.April 2020 stattfinden sollen – leider abgesagt!!“  Dort hatte man ihn „Jochen Rüth – Erdkrusten und Glasurflüsse“ als Grenzgänger zwischen Gefäß und Plastik angekündigt, der das Material Ton bevorzugt in seiner Natürlichkeit und Erdhaftigkeit zur Wirkung kommen lässt, …er bringt vor allem Porzellane mit klassischen chinesischen Glasuren wie Seladon und Ochsenblut mit. Auf gewohnt kräftigen Drehkörpern betont Jochen Rüth mit stehenden Rändern und Tropfen den Glasurfluss. Die japanische Hidasuki-Technik, die Zeichnung verbrannter Strohhalme, erlaubt ihm, seiner Vorliebe für die Kalligrafie nachzukommen.

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Jochen Rüth – Geoden

„Die, für Mai geplante Werkstattausstellung zusammen mit Heide Nonnenmacher habe ich vorläufig auf Mitte Juni verschoben – mit Zweifel ob sie zu diesem Zeitpunkt stattfinden kann. Der Töpfermarkt in Diessen wurde auch abgesagt und damit fällt auch die Ausstellung im Taubenturm zusammen mit Georg Kleber (Zeichnungen und bemalte Porzellangefäße) aus! Allerdings wird für diese beiden Veranstaltungen ein Ersatztermin im September anvisiert – hoffentlich klappt das dann!

Also, ich fühle mich ein wenig wie eine prall gefüllte Luftmatratze, der man den Stöpsel  zieht….pfffffff !!

Übrigens: Zusammen mit Georg Kleber haben wir vor einiger Zeit in Heide Nonnenmachers Galerie ausgestellt! Wenn du magst, kannst du dir ja mal das kleine Video ansehen:

Die letzten Tage habe ich damit verbracht die Werkstatt aufzuräumen, zu putzen und die Regale aufzustocken um die neuen Arbeiten zu lagern!
Parallel dazu fotografiere ich die neuen Objekte, baue gerade eine neue Verkaufs-Seite auf meiner Homepage auf und nutze Instagram um die Arbeiten vorzustellen!
Zum Glück bin bin ich existenziell nicht so bedroht wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen – bin ich doch mit einer Lehrerin verheiratet!
Aber die finanziellen Einbußen werden wir natürlich auch spüren!“

© Schnuppe von Gwinner / Jochen Rüth

Jochen Rüth
Willibaldstraße 8
86687 Altisheim

E-Mail: [email protected]

www.jochenrueth.de

 

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