Extraordinaire! Lausanne (CH) bis 01.06.2020

Seit genau zwanzig Jahren beherbergt das Haus Gaudard auf dem Domplatz in Lausanne das mudac-Museum. Jetzt neigt sich diese Zeit ihrem Ende zu, in der das Haus seine Rolle als Museum bestens gespielt hat. Das mudac-Kuratorium möchte dem Haus während drei Monaten mit einer reichen Auswahl von aussergewöhnlichen Gegenständen (sogar fast funktionsfähigen…) und künstlerischen Produktionen danken.

mudac_TischDas alte, an Geschichten reiche Gebäude, dient auch als Ausgangspunkt für ein Fantasy-Märchen, in dem man u.a. als Kronleuchter erstarrte Seifenblasen, eine Kette aus Tollkirschen-Samen, ein handgehäkeltes Kleid aus Messingfäden, ein gegen den Strich ausgestopftes Kaninchen sieht. Jedem Raum wird eine Funktion unseres täglichen Lebens zugeordnet: Wohnzimmer, Bibliothek, Küche, Esszimmer, Schlafzimmer, Spielzimmer, Musikraum oder Garage… In der einen oder anderen Art wird die Funktion der ausgestellten Werke in Extraordinaire! verfremdet: die Werke sind entweder zu gross oder zu klein, spielerisch, bestialisch, bestehen aus Pflanzen, sind subtil, störend oder auch voller Wunder.

mudac_Loeffel5Dinge des täglichen Gebrauchs werden von den Designern und Künstlern neu interpretiert, indem sie geschickt mit den üblichen Verwendungszwecken und der Herstellungstypologie jonglieren. Werke aus der mudac-Sammlung finden sich neben zeitweilig ausgeliehenen Werken, in einer Ausstellung, die Wirklichkeit und Fiktion miteinander vermischt und in die man hautnah eintauchen kann.
Die Ausstellung spielt mit mehreren Ebenen: man kann durch die Ausstellungsräume streifen und sich von den Gegenständen begeistern lassen; man kann aber auch den Besuch vertiefen und versuchen, die in den Texten der Broschüre durch die Kuratorinnen angedeuteten Verbindungen zu entziffern; oder man kann in dieser Ausstellung die im modernen künstlerischen Schaffen bevorzugten Themen entdecken, wie Fragen über das Leben, die Gefühle, die Provokation, die Gewalt, den Bezug zu Gegenständen des Alltags, „Verfremdungen“, Trompe-l’oeil Optik, oder Anspielungen auf die Vergangenheit.

mudac_SeifenblasenGegenstände im Rahmen einer Wohnumgebung auszustellen kann zuerst trivial scheinen. Die Ausstellungsmacher identifizieren sich aber voll und ganz mit diesem „“harmlosen“ Gestus. Indem sie den fälschlicherweise als „“gewöhnlich“ gesehenen Rahmen eines Haus den aussergewöhnlichen Eigenschaften der Werke gegenüberstellen, regen sie zu weitergehenden Überlegungen über das Übliche und das Besondere an, über das Weibliche und das Männliche, das Gewöhnliche und das Ungewöhnliche und verweisen uns auf unsere eigenen Fragen. Design beschränkt sich häufig auf den „normalen“ Gebrauch, doch die hier ausgestellten Werke zeigen, dass viele Designerkreationen das Aussergewöhnliche verfolgen.

Die Grenze zwischen Kunst und Design verwischt sich, wie so häufig bei den thematischen Ausstellungen des mudac.
Seit seiner Eröffnung im Jahr 2000 hat das mudac die Beziehungen zwischen diesen zwei Fachgebieten ausgeleuchtet. Für uns ergänzen sich diese beiden Bereiche. Zwanzig Jahre später beobachtet das Kuratoriumsteam des Museums das zeitgenössische Kunstschaffen weiterhin mit einem neugierigen und verspielten Blick, und dies wird so bleiben, auch nach dem Umzug des Museums in das neue Kunstviertel PLATEFORME 10.

 Extraordinaire! findet in einem Dekor aus Theaterpappe statt, in dem die Geister des Gaudard-Hauses sich bewegen. Zwar zeigen sie sich nur flüchtig, sind aber dennoch sichtbar und erzählen ihre Geschichten in der Broschüre, die die Ausstellung begleitet. In einigen Ecken des Museums kann man ihren Geschichten sogar zuhören…. (Auszug aus der Publikation Extraordinaire!)

Weitere detaillierte (spannende) Informationen unter diesem PDF-Download!

mudac musée de design et d’arts appliqués contemporains
Place de la Cathédrale 6
CH-1005 Lausanne

Öffnungszeiten: Di – So : 11 bis 18 Uhr – Gratiseintritt jeden ersten Samstag des Monats

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