Pinselspiel und Feuerspur: Altisheim vom 27.04. bis 05.05.2019

Zur Frühlingsausstellung in Altisheim hat der Keramiker Jochen Rüth in diesem Jahr   Karin Bablok aus Hamburg eingeladen. Ich finde das eine sehr aufregende Gegenüberstellung von zwei so divers erscheinenden künstlerischen Positionen. In der Einladung formuliert Jochen Rüth: „Ihre kraftvoll bemalten, dünwandigen Prozellangefäße und zarten Tuschezeichnungen auf Papier begegnen meinen rauen, bruchstückhaften Objekten und von Feuer und Stroh gezeichneten Gefäßen.

Ich stellte den beiden Künstlern diese Fragen:

Worin seht Ihr selber Eure größte Differenz?
Worin seht Ihr selber Eure größte Gemeinsamkeit?
Was erhofft Ihr Euch von einer direkten Gegenüberstellung Eurer Werke?
Wie kam es zu dieser Idee einer gemeinsamen Ausstellung?

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Jochen Rüth antwortet:

„Zu meinen jährlichen Werkstattausstellungen im Frühling und Herbst lade ich immer wieder Gastaussteller ein. Karin hat im vergangenen Sommer einige Tage bei mir in Altisheim gearbeitet, ich hab sie spontan gefragt und sie hat zugesagt. Besonders freue ich mich, dass sie neben ihren kraftvoll bemalten, dünnwandigen, transluzenten Gefäßen auch ihre Tuschzeichnungen auf Papier zeigen wird.
Ich habe mich extra für diese Ausstellung wieder mit der japanischen Hidasuki-Technik beschäftigt. Dabei werden die Gefäße mit Stroh umwickelt in den Ofen gesetzt und bei einer Temperatur um 1260 °C zeichnen sich die verbrannten Strohhalme in leuchtend roten, kalligrafischen Spuren auf der Oberfläche der Keramiken ab.
Diese orangeroten Feuerspuren auf steinig rauem Scherben bilden sicher einen spannenden Kontrast zu Karins spontanen, schwarzen Pinselschwüngen auf makellosem Weiß.
Gemeinsam ist uns beiden, denke ich die Vorliebe für klare, einfache Gefäßformen.
Natürlich werde ich auch meine jüngsten skulpturalen Arbeiten zeigen – massive, aufgeschlagene Kugelobjekte, geformt aus grobem, sandigem Porzellan mit schwarz geschmolzenem, lavaartigem Kern.
Auch hier Gemeinsames und Gegensätzliches!“

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Karin Bablok – übrigens gebürtige Donauwörtherin – antwortet:

„Als größte Differenz sehe ich: Jochen arbeitet experimentell an immer wieder neuen Themen in immer wieder veränderter Brennweise. Ich habe zwei Hauptthemen, die ich gleichermaßen, kontinuierlich verfolge und ein drittes Thema, das ich eine zeitlang verfolge. Momentan steht das Malen im Vordergrund.
All meine Gefäße sind aus Porzellan sehr dünn gedreht, verformt und bemalt. Diese Arbeitsweise ist sehr spezialisiert und prägt meinen Stil. Jochen erforscht immer wieder andere Gestaltungsprozesse um seinen Themen Ausdruck zu verleihen.

unsere größte Gemeinsamkeit:
– das Streben nach einer ähnlichen Ästhetik.
– das Arbeiten mit dem gleichen Material: Ton
– Jochens neue Heimat ist meine alte Heimat
– nach mehr als mindestens einem Jahzehnt hat sich eine schöne kollegiale und familiäre Freundschaft entwickelt.

Hoffnung einer direkten Gegenüberstellung unserer Werke:
– dass sich die Arbeiten gegenseitig bereichern und so eine neue Schönheit im Zusammenklang von Gefäß, Objekt, Raum, Natur und Mensch entsteht
– einen vertieften Austausch über die Arbeit, ein intesiveres Kennenlernen
– eine gute Zeit und gute Verkäufe

Die Idee zu dieser Ausstellung entstand vielleicht auch, weil wir im letzten Jahr aufgrund unterschiedlichster Anlässe immer wieder regen Austausch hatten und ich sogar eine kurze Woche meine Arbeit bei ihm fortführte. Während dieser Zeit habe ich Jochens Arbeitsweise und komplettes Oevre kennengelernt. Vor allem war es eine schöne Woche mit viel Neuem, Wissenswerten und Unkonventionellem in Bezug auf Arbeit und Lebensweise.“

Karin Bablok

Ich beneide jeden, der seinen Weg zwischen dem 27.April und 5.Mai in die Keramikwerkstatt Altisheim findet um selbst zu schauen – und vermutlich zu staunen!

KERAMIKWERKSTATT ALTISHEIM
Jochen Rüth
Willibaldstraße 8
86687 AltisheimKERAMIKWERKSTATT ALTISHEIM

Öffnungszeiten:
Samstag  27.04.2019 von 14 bis 19 Uhr
Sonntag, den 28.04.2019 von 11 bis 19 Uhr
Mittwoch, den 1.Mai 2019 von von 11 bis 19 Uhr
Samstag den 04.05.2019 von 14 bis 19 Uhr
Sonntag, den 05.05.2019 von 11 bis 19 Uhr