Mackintoshs Atem: das Leben des Charles Rennie Mackintosh

Der Scottish Fire and Rescue Service (SFRS) wurde am Freitag den 15.06.2018 um 11.19 Uhr zu einem Einsatz in der Innenstadt von Glasgow alarmiert. Dort stand das von dem Architekten und Künstler Charles Rennie Mackintosh  entworfene und ab 1896 errichtete Gebäude der Glasgow School of Art in Flammen. Bereits zum zweiten Mal, denn im Mai 2014 brannte es schon einmal an der renommierte Kunsthochschule. Damals brach ein Feuer im Hauptgebäude aus und zerstörte Teile der Bibliothek. Nach dem Brand wurden die Gebäude aufwändig restauriert.

Diese Nachricht traf mich vergangene Woche in besonderer Weise, denn gerade hatte ich mit „Tosh“  –  nein –  mit dem neuen Roman „Mackintoshs Atem“ von Karen Grol, sehr viel spannende Zeit verbracht. Zum 150. Geburtstag von Charles Rennie Mackintosh (1868-1928), erscheint dieser biographische Künstlerroman aktuell im Verlag „Stories & Friends“.

Der schottische Künstler, Architekt und Designer Charles Rennie Mackintosh ist eine Ikone der Arts and Crafts Bewegung  –  sein Namen assoziiert man zuerst mit Rechtecken und weißen, puristischen Raumausstattungen. Sein eigensinniger, damals absolut innovativer Stil, fühlte sich, auf bis dahin ungekannte Art, in die Menschen für die er entwarf und baute, ein. Auch auf internationaler Ebene fand er seine Anhänger, vor allem in den europäischen Vorreitern des Art Nouveau, des Jugendstils, der Wiener Werkstätten usw.. In seiner Heimat Schottland kämpfte er jedoch verzweifelt gegen die geltende Lehre, haderte mit seinen Kollegen, mit Kritikern und Auftraggebern und wollte sie dennoch nicht verlassen, obwohl er andernorts, wie z.B. in Wien, große Anerkennung bekam.

Er selbst war ein kompromissloser Künstler, der es schwer hatte sich zu arrangieren und der letztlich nur mit Unterstützung seiner Freunde und Förderer und vor allen seiner Frau, der Künstlerin Margaret Macdonald, sein Leben meisterte. Das alles bietet einen wunderbaren Romanstoff, der von Karen Grol mit hohem Anspruch und ansteckender Empathie für die Protagonisten ausgebreitet wird. Mitreissend, fantasievoll und fast ein bißchen so, als wäre sie dabei gewesen, führt sie den Leser in die chronologisch abfolgenden Kapitel von „Toshs“ Leben. Das exzessive Name droping, die Einführung immer wieder neuer Akteure, überfordert nur so lange bis man den Anhang mit den ausführlichen Personenbeschreibungen entdeckt hat.

Wer also einen ebenso unterhaltsamen wie mitreissenden Sommerferienschmöker sucht, dem sei dieser mehr als 400 Seiten starke biographische Künstlerroman sehr empfohlen – viele kulturhistorisch wertvolle Einsichten und Diskussionsstoff werden quasi automatisch mitgeliefert.

© Schnuppe von Gwinner

Mackintoshs Atem
Charles Rennie Mackintosh (1868-1928)
Karen Grol
Stories u. Friends Verlag