Preis der Lotte Reimers-Stiftung 2018: Schloss Villa Ludwigshöhe, Edenkoben am 22.04.2018

Der Preis der Lotte Reimers-Stiftung zur Förderung der keramischen Kunst 2018 wird gemeinsam an Heidi Guthmann Birck und Åage Birck, Dänemark, verliehen. Die Preisverleihung findet am Sonntag, 22. April 2018, um 11 Uhr im Rahmen der „Matineen zur Keramik im Wandel der Zeiten“ auf Schloss Villa Ludwigshöhe in Edenkoben statt. Der Preis, mit dem Keramikkünstler für hervorragende, innovative und wegweisende Leistungen ausgezeichnet werden, ist mit 5000 Euro dotiert. Die Laudatio hält Marlene Jochem, Vorstandsmitglied der Lotte Reimers-Stiftung.

Das deutsch-dänische Keramikerehepaar arbeitet seit 1965 in enger Werkstattgemeinschaft und intensivem Austausch zusammen. Obwohl ihre Arbeiten inhaltlich und formal sehr eigenständig sind, entwickeln beide ihre künstlerischen Ideen aus dem Bewusstsein kultureller Tradition und Kontinuität. Dies ist für sie Quelle der Inspiration und Grundlage, von der aus sie neue keramische Wege erforschen.

Das Hauptinteresse der Bildhauerin Heidi Guthmann Birck, die keramisch und in Bronze arbeitet, galt schon früh der menschlichen Figur und dem Porträt. Neben naturalistischen und ausdrucksstarken Porträtköpfen zeigen ihre figürlichen Arbeiten oft eine irritierende Ambivalenz, Mehrschichtig- und Mehrdeutigkeit. Reliefköpfe, bedeckt von Blattstrukturen, schichtweise freigelegte Gesichter, Figuren, halb Mann, halb Frau, Tierköpfe mit menschlicher Physiognomie, Schimären und andere Mischwesen entziehen sich geheimnisvoll dem deutenden Zugriff. Schwärzlich-graue, wie mit Asche bestäubte Gliederpuppen und Kinderfiguren aus dem Rakubrand, manche bandagiert wie „Fatschenkinder“ oder Mumien, frappieren und faszinieren durch den Kontrast feinst ausgearbeiteter Gesichter und undifferenzierter Körper. Lebensgroße Menschen-Figuren, zusammengesetzt aus keramischen Körperteilen und schwarzen Lederbälgen, zeigen eine befremdende Künstlichkeit.

Für Åage Birck stehen das Gefäß und seine freie skulpturale Interpretation zum Gefäßobjekt im Mittelpunkt. Sein besonderes Interesse galt von Beginn an der empirischen Glasurforschung und der Brenntechnik. Insbesondere die über Jahrhunderte tradierte Technik der Salzglasur führt er zu farblich und haptisch überraschend neuen Nuancierungen, die seinen Arbeiten eine ganz eigene Anmutung verleihen. Daneben entwickelt er unterschiedliche Asche- und Kristallglasuren und Engoben. Die Formen seiner zunächst gedrehten, später aus Platten montierten Gefäße und Objekte sind ungewöhnlich, architektonisch konzipiert und oft von kristalliner Klarheit. Ein besonderes Spezifikum ist die Kombination mit „objets trouvés“, Zweigen, korrodierten Eisenteilen, später vor allem alten Werkzeugen oder Geräteteilen, die er als Handhaben, Griffe, Deckelknäufe einsetzt und die, in diesem überraschenden Kontext verfremdet, einen neuen Stellenwert erhalten.

Bei einer weiteren Gefäßvariante facettierter Schalen und Vasen zerlegt er den Gefäßkörper in Flächen, auf denen wiederum Glasur- und Oberflächengestaltungen ihre besondere Ausdruckskraft entfalten.
Die jeweils besondere Art, herkömmliche und vertraute Genres und Techniken weiter zu entwickeln und in einen neuen Kontext zu stellen, ihnen eine ganz eigene und innovative Qualität zu verleihen und diesen Anspruch über Jahrzehnte konsequent zu vertreten, soll durch die Verleihung des Preises der Lotte Reimers-Stiftung anerkannt und in ihrer Vorbildfunktion für die Keramik der Gegenwart gewürdigt werden.
Arbeiten der international renommierten Künstler, deren Werke in vielen großen Sammlungen vertreten sind, wurden seit 1981 immer wieder in Ausstellungen des „Museums für moderne Keramik“ in Deidesheim gezeigt und finden sich auch in der Sammlung „Moderne Keramik des 20. Jahrhunderts – Sammlung Hinder / Reimers“ auf Schloss „Villa Ludwigshöhe“ in Edenkoben.

Die „Lotte Reimers-Stiftung“, 1996 von der Deidesheimer Keramikerin und langjährigen Leiterin des „Museums für moderne Keramik“ Lotte Reimers errichtet „zur Förderung der keramischen Kunst durch wissenschaftliche, publizistische, museale, galeristische und sonstige Arbeiten“, vergibt diesen Preis in unregelmäßiger Folge. Bisherige Preisträger waren Beate Kuhn, Rita Ternes und Thomas Naethe, Reinhold Rieckmann und der Katalane Enric Mestre.

Lotte Reimers-Stiftung
Stadtmauergasse 17
67146 Deidesheim

Veranstaltungsort:

Schloss Villa Ludwigshöhe
Villastraße 64
67480 Edenkoben

pdf-download Keramik-Programm 2018

 

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