Soviet Design. Red Wealth: Brüssel bis 21.05.2018

Sowjetischer Lebensstil von der Vorkriegszeit bis zu den olympischen Spielen 1980: das Design Museum Brüssel (ADAM) präsentiert die erste Retrospektive dieser Art, in der Alltagsgegenstände und Graphikdesign der USSR das vergangene Jahrhundert illustrieren. Mehr als 600 Ikonen sowjetischen Alltagslebens, Beispiele graphischen und industriellen Designs, aber auch technische Zeichnungen und Prototypen aus dem Moskauer Design Museum und aus Privatsammlungen werden, nach einer Schau in Rotterdam, nun in Brüssel gezeigt.

Russland hat viele große Umbrüche erlebt, die von Perioden des Vergessens und der Prohibition und dann wieder von Wenden, von Wiederentdeckung und Erneuerung abgelöst wurden.  Als Beispiel kann man die Konstruktivisten nennen, die ein visuelles und substantielles Bild ihres Zeitalters der Revolution zeichneten und dann doch für lange Zeit aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht wurden. Ein ähnliches Schicksal erlitten auch große sowjetische Designer der 60er Jahre und darüber hinaus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg existierte in der USSR kein Design im modernen Sinn des Wortes. Man kann es sich schwer vorstellen, aber bis zm Ende der 80er Jahre waren die Begriffe Design und Designer sogar im Berufsleben verboten. Diese unvorstellbare lexikalische Lücke, mit der die Designer über Jahrzehnte leben mussten, beförderte die Entwicklung konzeptioneller Projekte, gebar das Phänomen reiner Papier-Entwürfe und stärkte die theoretische Schulung ohne diese in der Praxis zu kompromittieren.

1962 verordnete der Ministerrat der Sowjetunion die Schaffung eines All-Union Scientific Research Institute for Technical Aesthetics (VNIITE) dessen zentrale Aufgabe darin bestand die Qualtät massenhaft produzierter Industrieprodukte durch Design zu optimieren. Dieses System von Design, erschaffen durch den talentierten Entwerfer Yuri Soloviev, überlebte gerade bis zum Kollaps der USSR, als eine neue Generation von Designern der 1990er Jahre die schwierigen ökonomischen Umstände schneller adaptierte und überlebte. Einige der führenden Sowjetdesigner emigrierten nach Europa und in die USA, wo sie ihre Karrieren weiter verfolgten. In dieser Zeit tauchten neue Namen im Design, vor allem im Graphikdesign, auf. Doch das industrielle Design erlebte einen dramatischen Niedergang.

Die goldenen Jahre Sowjetischen Designs begannen in den späten 1950er Jahren, als der Staat auch den ästhetischen Qualitäten der Produkte mehr Aufmerksamkeit schenkte.  Während des „Tauwetters“ unter Chruschtschow kam es dann auch zur Interaktion mit dem Westen, wie mit der aktiven Beteiligung der Sowjetunion an der Brüsseler Weltausstellung EXPO 1958. Die belgische Presse nannte den USSR Pavillon Friede und Arbeit “pavilion No. 1” und  er wurde von über 30 Millionen Menschen besucht. Das Leben des Sovjetischen Menschen wurde durch Produkte und Prototypen dargestellt. Verblüffend war, dass die gleichen Unternehmen. die Sateliten und Boote bauten auch Haushaltsartikel herstellten, die auf jeden Fall international konkurrenzfähig waren.

Diese und viele andere Gegenstände jener Zeit werden nun wieder in Brüssel gezeigt. Zwei Abteilungen präsentieren zum einen die materielle Kultur zum anderen archivarische Dokumentationen, Videos und Interviews. (frei nach dem französischen Pressetext)

Brussels Design Museum, ADAM, Place de Belgique | Belgiëplein, 1020 Brussels

Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr

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