Georg Dobler – Students: Pretty Pieces/Schmucke Stücke

Noch ganz zum Schluss der GRASSIMESSE 2017, kurz bevor all die Pracht und Herrlichkeit wieder eilig und nervös in die vielen Transportkisten gepackt wurde, übergab mir Georg Dobler am Stand seiner aktuellen Studenten der HAWK Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst, Fakultät Gestaltung in Hildesheim, noch sein Buch. Gleich am Abend blätterte ich und stellte fest: das braucht mehr Zeit!

Längst ist die Ausstellung zum Buch im Goldschmiedehaus Hanau vom letzten Sommer schon vorüber und der Eindruck verweht. Längst haben auch schon andere erkannt, was für ein besonderes Buch das ist! Es gewann 2017 den red dot Award und den Berliner Type Award in der Kategorie Silber Nachwuchs. Und es wird dort so beschrieben:

„Das Buch präsentiert auf 144 Seiten eine Auswahl von Arbeiten der Schmuckgestalter an der HAWK Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst, Fakultät Gestaltung in Hildesheim. Das von Studierenden im Kurs Editorial Design bei Prof. Dominika Hasse und Dipl.-Des. (FH) Tatjana Rabe entworfene und umgesetzte Buch erweckt den Anschein einer Schmuckschatulle, die sich saugend schließt, die partielle Silberschnittveredelung transportiert auf einer Metaebene das Prinzip der Schmuckgestaltung: rohes Material wird veredelt und dadurch verändert, aufgewertet, emotional aufgeladen. Fadengeheftete Seiten aus samtigem Papier, mit einer gestalterischen Überraschung unter dem Schutzumschlag und einem einladenden Vorsatz in tiefem Blauviolett geben dem Inhalt dieses Buches den richtigen Rahmen um in seiner Individualität auf den Betrachter wirken zu können. Die Zweisprachigkeit findet ihren eleganten Ausdruck in der leicht gegeneinander verschobenen Gestaltung, das Schriftbild schafft ein spannendes Gegengewicht zu den individuellen Abbildungen.“

Spätestens im Anhang „Biographies“ wird gerade diese Zweisprachigkeit eher zum verwirrenden Drama, zum unentschiedenen Denglisch-Mix. Aber darauf will ich garnicht hinaus.

Dieses Buch ist auch deswegen so schön, weil es den Lehrer und seine Schüler in ein wunderbares Licht rückt. Georg Dobler sagt, „dass es ihm ein großes Anliegen war, die Studierenden dazu einzuladen, ihre eigene Geschichte in ihrer Arbeit zu finden, das eigene Thema zum Gegenstand ihrer Arbeit zu machen und ein Gespür für Wahrhaftigkeit und Authentizität zu entwickeln, welches sie eingelöst finden, wenn das fertige Stück eine Aura zu entwickeln vermag“.

Wie oft habe ich auf den einschlägigen Messen hingerissen vor den Präsentationen seiner Studierenden gestanden! Und vielen der Hildesheimer Alumnis begegnet man immer wieder als Preisträger, als originellen Schöpfern sehr eigenständiger Schmuckkunst. Fast alle der 52 in dem Buch vorgestellten Schmuckkünstler tragen seit Jahren Wesentliches zu den Auseinandersetzungen im Autorenschmuck bei. Georg Dobler hat sie wohl als einfühlsamer Begleiter auf diese erfolgreiche Spur gebracht, sie ermutigt ihr eigenes Profil als Schmuckkünstler oder Objektgestalter zu schärfen. Heute bereichern sie alle auf unterschiedlichste Weise die Szene.

Chronologisch nach dem Jahr ihres Studienbeginns geordnet werden sie mit aktuellen Schmuckstücken oder Objekten sowie einem persönlichen Statement in dem Buch vorgestellt: ein Defilée individueller gestalterischer Positionen die alle eine mehr oder weniger geheime Verwandtschaft verbindet. Der Professor dürfte rückblickend stolz und zufrieden sein – auch wenn ich ihn nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen sehe. Über fast zwei Jahrzehnte eine glückliche Hand in der Ausbildung zu beweisen und damit das Erscheinungsbild des zeitgenössischen Autorenschmuckes vielfach zu prägen ist das eine – doch erst diese gelungene Dokumentation macht auch für den Aussenstehenden so anschaulich und deutlich, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Chapeau!

© Schnuppe von Gwinner 

Georg Dobler – Students Pretty Pieces – Schmucke Stücke

Herausgegeben von Georg Dobler im frühwerk Verlag

Format: 19,5 x 27,5 cm, 144 Seiten,
4farbig, Fadenheftung
ISBN: 978-3-94129-515-5
Preis: 34,50 Euro inkl. MwSt.

 

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