Mit sanftem Irisglanz – Fächer & Accessoires aus Perlmutt: Gotha bis zum 04.02.2018

Detail: Faltfächer aus England um 1760, Blatt: Wasserfarben auf Papier; Gestell: Perlmutt, geschnitten, graviert, mit goldener Metallfolienauflage | Slg. Ute Michaels | Foto: Schnuppe von Gwinner

Perlmutt – seit Menschengedenken übt dieses organische Material mit seinem durch Lichtbrechung und Reflexionen erzeugten Schillern und irisierenden Farbspiel eine große Faszination aus. Es entsteht durch Ablagerung von Kalziumkarbonat an den Innenseiten der Gehäuse von Muscheln und Meeresschnecken. Wird die äußere, meist braune Schicht entfernt, lässt sich Perlmutt leicht bearbeiten und kann gespalten, geschliffen oder poliert werden. Vermutlich durch kostbare Exporte aus Asien angeregt, entdeckten europäische Fächermacher im 18. Jahrhundert Perlmutt als geeignetes und besonders effektvolles Material zur Herstellung von Fächergestellen.

In der Kabinettausstellung werden die schönsten Exemplare aus der Fächersammlung Herzog Augusts von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772-1822) und der Stiftung Ute Michaels vorgestellt. Muschel- und Schneckengehäuse aus den Beständen des Museums der Natur und diverse Perlmuttarbeiten aus den Friedensteinischen Kunstsammlungen ergänzen die Präsentation.

Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha bewahrt eine der bedeutendsten musealen Fächersammlungen Deutschland. Bereits im frühen 19. Jahrhundert unter Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772- reg.1804-1822) angelegt und später noch geringfügig erweitert, umfasst sie annähernd 300 Fächer europäischer und ostasiatischer Provenienz des 16. bis 20. Jahrhunderts sowie einige ethnographische Exemplare des 19. Jahrhunderts aus dem Orient, aus Südostasien und aus Amerika.
Im Jahr 2011 wurde die Gothaer Sammlung durch eine großzügige Dauerleihgabe der Münchner Stiftung Ute Michaels um annähernd 500 Fächer aus vier Jahrhunderten erweitert. Aus Ostasien kommend, eroberte der Faltfächer im Laufe des 17. Jahrhunderts ganz Europa. Neben Portugal und Spanien entwickelten sich auch Italien, Frankreich und England zu Zentren der Fächerherstellung.

Im 18. Jahrhundert erlebte die europäische Fächermode ihre Blütezeit. Kostbare Materialien wie Elfenbein, Perlmutt oder Schildpatt, aufwendig bearbeitet und mit Gold oder Silber eingelegt, fanden bei der Herstellung der Gestelle Verwendung. Die Fächerblätter wurden aus handgeschöpftem Velin-Papier, Seide oder so genannter „Schwanenhaut“, der speziell präparierten Haut ungeborener Lämmer, hergestellt.
Bevorzugte Motive für die Fächergestaltung waren so genannte Chinoiserien – figürliche Szenen, Landschaften und Stillleben im chinesischen Stil. (Pressetext)

Circa 2 mal jährlich wird im Fächerkabinett des Schloss Friedrichstein zu Gotha eine bestimmte Auswahl von Fächern aus dem reichen Fundus unter immer anderen Gesichtspunkten in Szene gesetzt –  inspirierend poetische kleine Schauen, die die Kunstfertigkeit vergangener Zeiten ebenso feiern wie die Moden, Sitten und Gebräuche.

Stiftung Schloss Friedrichstein, Schloßplatz 1, 99867 Gotha

Öffnungszeiten: Montag – Sonntag 10.00 – 17.00 Uhr (November – März: 10.00 – 16.00 Uhr)

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