Hans Stofer erhält die Professur für Schmuck: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Hans Stofer: String Theory No.8 - object, mixed media

Zum Wintersemester 2017/2018 an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle wird folgende Personalie angekündigt: Am Studiengang Plastik des Fachbereichs Kunst erhält mit Semesterbeginn Hans Stofer die Professur für Schmuck.

1957 im schweizerischen Baden geboren, absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Feinmechaniker und Werkzeugmacher. Anschließend studierte er von 1981 bis 1984 an der Abteilung „Schmuck und Gerät“ der heutigen Zürcher Hochschule der Künste.
In Zürich arbeitete Stofer als freischaffender Künstler und Schmuckgestalter, bevor er 1987 nach London zog, wo er sein Studio einrichtete und zu unterrichten begann. 2006 wurde er zum Professor am Londoner Royal College of Art und zum Programmleiter des Masterstudienganges Schmuck und Metall ernannt. Seine Arbeiten wurden in Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, etwa in der Pinakothek der Moderne in München, dem MUDAC in Lausanne sowie dem V&A Museum, der Louis Koch Collection und der Crafts Council Collection in London. In diesem Jahr stellten der Tresor Basel, das Nationalmuseum Wroclaw und das Landesmuseum Zürich Stofers Arbeiten aus, (Pressetext) die von der Gallery SO  (Solothurn und London) vertreten werden.

Hans Stofer ist wie ein Ingenieur der als Konzept-Künstler denkt. Im Zentrum seiner assoziativen Werke sehe ich seine Auseinandersetzung mit Dingen und ihrer Bedeutung für Menschen. Es sind achtlos vergessene Dinge, geliebte Schätze, Geschenke, spezielle Objekte, allgemeiner Krempel, Technisches, Metaphorisches. Er wählt aus und verknüpft damit erstaunliche Zusammenhänge, macht sie sichtbar oder lässt sie erst entstehen, evoziert Emotionen, Zustimmung, Ablehnung, Kopfschütteln, Aha-Erlebnisse. Sehr unkonventionell und offen erkundet er das Potential und die Möglichkeiten der Dingwelt in ihrem Verhälnis zu den Menschen, die sie erschaffen haben, die sie nutzen, die sie brauchen oder überflüssig finden, lieben oder hassen.

Als Assemblagen oder Collagen schnürt (String Theory z.B.), steckt und klebt er mit Alltagsobjekten, Fund- oder Sammlerstücken neue und alte Relationen, macht sie sichtbar oder verwirrt  mit ihnen. Er folgt seiner eigenen, eigenwilligen und inhaltsgetriebenen Ästhetik : anregend, amüsant, unterhaltsam, aufrüttelnd und provozierend. Manchmal hat das auch mit Schmuck zu tun – meistens aber doch eher mit pointiert analysierender Zeitgenossenschaft,  die sich irgendwo zwischen Objektkunst und plastischem Bildwerk einordnen lässt – falls erforderlich. Gleichwohl ist es spannend und großartig, dass dieser Querdenker, der mir manchmal wie der Schneider von Andersens märchenhaften Kaiserkleidern erscheint, nun nach Halle kommt. Einer, der wie er mit dem materiellen Output unserer Zivilisation umgeht, hinterfragt und inspiriert grundsätzlich – erfrischend.

© Schnuppe von Gwinner