Beppe Kessler „Signs of Life“: Amsterdam vom 28.10. bis 21.12.2017

Eine Einzelausstellung ist wie ein Schnappschuss. Ein – fast zufällig gewählter- Ausschnitt aus einer langen Entwicklung; eine langzeitige Kettenreaktion von Versuch und Scheitern, Sieg und Niederlage, neuen Möglichkeiten ergreifend und vertraute Themen wiederholend. Im Falle einer Künstlerin wie Beppe Kessler, deren Karriere  ebenso dauerhaft wie weit gefächert ist, zeigt solch ein Prozess die Essenz ihrer künstlerischen Evolution.

Beppe Kessler’s jüngstes Projekt basiert auf dem wohlüberlegten Wechselspiel zwischen ihren großen autonomen Werken und ihrem Schmuck.  Zum ersten Mal wendet sie auf kleinem Maßstab die Techniken an, die sie eigentlich zur Gestaltung ihrer großen Metall-Wandobjekte entwickelt hat, indem sie das Material, bemalt, zeichnet und einkerbt.  Im Ergebnis sehen wir eine Gruppe extrem flacher Broschen mit einer visuellen Kraft, die dem nahezu zweidimensionalen Charakter zu widersprechen scheint. Sie könnten auch auf die Oberflächen verwirbelten Wassers anspielen, auf die Räumlichkeit treibender Wolken oder die Weite niederländischer Landschaft.  Doch Beppe Kessler beschränkt sich nicht auf graphisches Können. Ihre Affinität zu Texturen und Materialitäten ist zu stark dafür. Als eine Art sanften Gegensatz verwendet sie im Kontrast zu dem harten Metall natürliche Materialien wie Leder oder Furnier, doch vor allem Textilien, ihre vertrauten Begleiter seit vielen Jahren. Diese einerseits als umwicklende Garne und andererseits als Trikot oder Filz bevorzugend.

Beppe Kessler hat zu jedem Material ihre eigenen Assoziationen. Intuitives Skizzieren mit allem was sich im Laufe der Jahre in ihrer Werkstatt angesammelt hat, manchmal obsiegt die visuelle Eloquenz, in anderen Momenten wieder narrative Aspekte.  Die Ergebnisse  können sich auf die großen Themen wie Zeit und Raum beziehen, aber gelegentlich auch auf sehr persönliche Erinnerungen, wie die Assoziation des javanischen Vulkans, an dem sich einst ihre Eltern das erste Mal begegneten.  Beppe Kessler’s Schmuckstücke können dem Betrachter völlig abstrakt erscheinen – für sie selbst sind sie mit Bedeutungen aufgeladen. Es ist das Rätsel künstlerischer Arbeit, dass die Energie und die Ideen, die ein Künstler in sein Werk investiert auf eine Art in dieses eingeschlossen zu sein scheinen und dass sie – vielleicht nicht unbedingt in einem geradlinigen Weg – doch übertragbar sind und erst schrittweise zu einer neuen, unverbrauchten Aneignung führen.  (sehr frei nach dem englischen Text von Ward Schrijver (© Galerie Rob Koudijs)

 

Galerie Rob Koudijs
Elandsgracht 12
1016 TV Amsterdam

Öffnungszeiten: Mttwoch bis Samstag 12 bis 17 Uhr

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