Karl Fritsch „aber nicht jeden Tag“: München vom 08.08. bis 14.10.2017

Foto: Grant Maiden

Die Galerie Biró in München lädt zu einer Ausstellung des Schmuckgestalters Karl Fritsch ein, für die sie mit einem Foto von ihm selbst wirbt: Rumpelstilzchen vor verschneiter Bergkulisse assoziierend (wenigstens für den nichtbayerischen Adressaten)

Und natürlich wird nicht zuviel versprochen, denn wer auf das Werk von Karl Fritsch vertraut möchte sich geistreich überraschen lassen. Also habe ich mal bei ihm nachgefragt, um was es denn so geht, wenn man das garnicht jeden Tag haben mag?

Seine Antwort kam auf Englisch. Da er aus Down Under Neuseeland rund um den Globus agiert und seine Fans begeistert. Mit der Absicht unsere – und anderer – eingefahrenen Sichtwesen auf das Leben und seinen Schmuck aufzugreifen und umzustülpen. Gewohnheiten zu hinterfragen, Tradi- und Ambitionen mal anders zu betrachten und damit aller Aufmerksamkeit anzuspitzen: mit einem mehr oder weniger amüsanten oder erschütternden „erkenne dich selbst“ Effekt.

Also auf Englisch, … ich wußte garnicht, dass sich neben „Kindergarten“ und „Rucksack“  auch „Arschloch“ allen Anglisierungsversuchen erfolgreich widersetzt hat und global verstanden wird. Oder vielleicht als geheimnisvolles Zauberwort? Als Ring gewordenes Tourette -Syndrom? Im Flüstermodus? Jedenfalls kommt der aktuelle Gedankensalto von Karl Fritsch mal wieder lakonisch ironisch daher und verspricht unterhaltsam zu sein … sicher auch auf Deutsch, hier in freier Adaption des englischen Textes, für uns Daheim gebliebenen:

Karl Fritsch formte einen Ring nach einem gefundenen Siegelring und goss ihn in Silber. Die Gussnähte bleiben sichtbar, teilweise zeigt die Oberfläche schwarze Spuren von Oxidation. Fritsch hat Worte darüber graviert. Die Wahl des Siegelrings ist wohl überlegt, denn diese historische Form des männlichen Schmuckstücks stellt, als  Zeichen von Autorität und Identität, das Familienwappen, das Emblem oder Monogram seines Trägers zur Schau, .

Für Karl Fritsch sind Ringe immer veritable Botschafter. Der Ring ist voller Sehnsucht. Sehnsüchtig auf der Suche nach einem Finger, sehnsüchtig Dir zu sagen: „Ich liebe Dich, Ich bin wunderschön, Ich bin reich, Ich bin cool, Ich hassse dich, Ich komme aus Irland… oder Österreich, Ich möchte mehr, Ich habe genug, Ich bin verheiratet, Ich bin lustig, Ich bin ängstlich, dumm, wichtig, Ich kann Dir nicht helfen, Ich bin!“

Wie seine Vorbilder trägt auch dieser Siegelring eine Botschaft, ein Statement, als ein Zeichen von Status und Gruppenidentität, obgleich genau das was eine Gruppe ausmacht und was es wünschenswert erscheinen lässt Teil dieser Gruppe zu sein, eine offene Frage bleibt.

Ob sie sich diese Frage mit einem Besuch der Ausstellung klären lässt mag bestimmt keiner versprechen. Aber es ist sicher gut einmal darüber nachgedacht und gesprochen zu haben.

© Schnuppe von Gwinner

Eröffnung ist am 07.09. um 18.30 Uhr in Anwesenheit des Künstlers.

Galerie Biró.

Zieblandstrasse 19.
80799 München

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstags 11 bis 14 Uhr.