Die Prignitz: Schloss Wolfshagen’s Schätze

Schloss Wolfshagen, Trophäen-Sammlung | Foto: Schnuppe von Gwinner

Der Hausherr muss begeisterter Jäger gewesen sein, sehr familenverbunden und gerne große Gesellschaften gegeben haben. Für sich selbst bevorzugte er eher ein Leben in Bescheidenheit, glücklich mit einer umfangreichen Bibliothek und, gleichermaßen akribisch wie  kenntnisreich, als Porzellan- und Textil-Sammler. Als Einzelgänger in einer weitverzweigten Großfamilie des Landadels macht er sich um die Bewahrung und Pflege ihres Erbes verdient und schenkt damit den Besuchern seines barocken Gutshauses (1787) die Gelegenheit zu einer Zeitreise: rückwärts, in der Art wie „so lebten sie damals“.

Die Bewohner des liebevoll renovierten Gutshauses Wolfshagen scheinen gerade einen Ausflug zu machen. So wandern wir, nur von den Blicken der Ahnen auf den Bildern an den Wänden begleitet, allein über die knirschenden Dielen durch die aufgereihten Räume und Säle, staunen Ahs und Ohs und verlieren uns bewundernd in den Details der Ausstattungen.

Für eine kleine Kapelle wurden die ehemalige Poststube und ein Kinderzimmer im Erdgeschoss 2001 zusammen gelegt. Hier konnten nun die geborgene Artefakte aus der erst 1982 abgerissenen Wolfshagener Kapelle (1572) sowie Ausstattungsstücke anderer Provinienz so eingebaut und präsentiert werden, dass die historischen Stücke eindrucksvoll zusammen wirken können. Das Gutshaus hat nach dem Krieg viele Funktionen durchlaufen, unter anderem auch als Schule – in die man sich in einem nachempfundenen Klassenzimmer im Kellergeschoss zurück versetzen kann. Doch nach der Renovierung seit 1995 zog zumindest wieder der Geist der Familie Gans zu Putlitz in das schöne Gebäude ein. Die Atmosphäre eines märkischen Gutshauses ließ sich mit vielen authentischen Ausstattungsstücken wieder herstellen. Solche Häuser waren kaum jemals rein in einem bestimmten Stil eingerichtet, sondern vereinigten Möbel, die sich im Laufe der Generationen, die in diesen Häusern lebten, ansammelten.

Bemerkenswert ist die Ausstellung der größten Sammlung von mitteleuropäischen unterglasurblau gemalten Porzellanen, Skulpturen, Gefässe und Geschirr aus vier Jahrhunderten und aus über 50 verschiedenen Manufakturen. Wegen ihres Einflusses auf die Blaumalerei sind auch chinesische Stücke eingefügt.

Liebevoll aufbereitet präsentiert sich die Textilsammlung, deren Teile größtenteils aus den Kleider- und Wäscheschränken Putlitz‘scher Ahnfrauen stammen. Die Damast-Tischwäsche beginnt mit Stücken von 1708 und 1722 und zeigt eine Fülle phantasievoller Muster, besonders des 19. Jahrhunderts. Dazu kommen Accessoires, Hauben, Seidenbänder, Spitzentaschentücher, Handarbeiten verschiedener Techniken,  ein Sonnenschirm von ca. 1870 mit Seidendamast und Spitzen, eine Taufhaube von 1737 und als besonders seltenes Stück ein Schwanenflaum-Cape der Fürstin Barclay de Tolly, geb. Freiin v. Campenhausen.

Der Hausherr, den ich zu Beginn „vermisst“ habe und dem diese Schatztruhe an liebevollen Reminiszenzen in die alte Zeiten zu verdanken ist, heisst Bernhard von Barsewisch. Er kehrte nach der Wende in seine Heimat zurück und gründete 1995 den Förderverein Schloss-Museum Wolfshagen, um den drohenden  Leerstand zu verhindern und das kostbarste Gebäude aus der Familie Gans zu Putlitz, das überkommen war, museal zu nutzen.

Dieses Haus heute zu besuchen ist ein Vergnügen und man sollte viel Zeit mitbringen um der bezauberneden Atmosphäre des Ortes nachgeben zu können. Insbesondere lohnt es, die kostbaren Sammlungen zu studieren. Die Provinienz und Ikonografie nahezu jeden Stückes ist inhaltlich vorbildlich in Schrifttafeln und Broschüren aufbereitet, die jeder Besucher einsehen kann. Erholen kann man sich anschliessend im gemütlichen Salon bei Bienenstisch und Kaffee.

© Schnuppe von Gwinner

Ein umfassendes Kulturprogramm bietet Ausstellungen und Konzerte

Schloss-Museum Wolfshagen Prignitz
Putlitzerstr. 16
16928 Groß Pankau, OT Wolfshagen (150 km von Hamburg resp. Berlin entfernt)

Öffnungszeiten: März bis Dezember Mi bis So 11:00 – 17:00 Uhr
Januar und Februar Sa und So 11:00 – 17:00 Uhr Sowie nach Vereinbarung

Viele weitere Informationen findet man auf der Homepage

http://www.schlossmuseum-wolfshagen.com/event.htm

Wer länger verweilen oder seinen großen Hunger stillen will, findet ganz nah das Restaurant und Schloss Wolfshagen http://www.hotelrestaurantamschloss.de/

 

Advertisements