Die Prignitz: Entdeckung einer Kulturlandschaft

"Die Zeitreise" (2001) von Christian Uhlig, Stegelitz (Uckermark) | Bronze, gegossen im Wachsausschmelzverfahren von Horst Borchardt, Kunstgießerei, Schönermark bei Kyritz "Die "Zeitreise" hat genau dort ihren Platz, wo die umfangreich sanierte Altstadt von Wittenberge an die Elbe stößt, ganz in der Nähe der Stelle, an der zu alten Zeiten das Elbtor die Stadt sicherte.

Eingeladen zur VeranstaltungDialogforum Kreatives Brandenburgfuhren wir Mitte Juni 2017 in die Prignitz.

Wikipedia schreibt dazu: „Die Region besteht vor allem aus landwirtschaftlich genutztem Flachland, Wäldern und Heidelandschaft. Wichtigste Städte sind Wittenberge, Perleberg, Pritzwalk, Wittstock und Kyritz. Auf den Dörfern wird gelegentlich noch Plattdeutsch gesprochen. Seit dem Mauerfall verliert die Prignitz zunehmend an Einwohnern durch Wegzug in die Großstädte. Mittlerweile zählt der Landstrich zu den am dünnsten besiedelten Deutschlands (2007). Es wird damit gerechnet, dass diese Entvölkerung noch Jahrzehnte anhalten wird. Als kulinarische Spezialität der Region gilt der Knieperkohl.“ Soweit Wikipedia.

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Kloster Stift zum Heiligengrabe: Kräutergarten und die 1512 geweihte Heiliggrabkapelle | Foto: Schnuppe von Gwinner

Die Veranstalter des Dialogforums, das Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg und der Verein Kunstfreunde Pritzwalk e.V., hatten ins Kloster Stift zum Heiligengrabe eingeladen und dieser Einladung waren viele interessierte, engagierte Leute aus Kunst- und Kulturinitiativen, regional und überregional tätige Kreativ- und Kulturbetrieben, freischaffende Künstler und Freelancer sowie mittelständische Unternehmen aller Branchen unter das Kreuzgewölbe im Westflügel der Klausur gefolgt. Plattdeutsch habe ich nicht gehört, da hätte das „Setting“ wohl ein anderes sein müssen. Zum Dialogforum wurde kontrovers diskutiert, über Fluch und Segen der Digitalisierung und was das für Konsequenzen für die Kreativbranche in der Prignitz haben könnte.

Nach unserem Ausflug in diese landschaftlich wie kulturhistorisch bezaubernde Region kann ich nur feststellen, dass die prignitzer Kreativen bestimm gut beraten sind, sich die konstruktiven Offerten der Digitalisierung zu Nutze zu machen – und das auch schon tun. Einer von ihnen ist der Fotograf Michael Haddenhorst der seit 2014 seine Passion für besondere kulturelle Orte mit dem Format Kulturort-Brandenburg online teilt und 2016 mit einer korrespondierenden, sehr attraktiven Broschüre auch offline ging. Solche, professionell gemachten Plattformen bieten die ideale Vernetzung und sind gerade für regional verstreut agierende Kreative extrem sinnvoll … Wie ich hörte bereitet auch das Ministerium für Wirtschaft und Energie in Brandenburg einen Relaunch seiner online-Präsenz zu diesem Thema vor.

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„Die Zeitreise“ am Elbeufer in Wittenberge, auf dem Weg zum Restaurant Kranhaus – ganz am Ende des Weges zu sehen, direkt an der Elbe mit großer Terasse | Foto: Schnuppe von Gwinner

Ansonsten bot sich die Prignitz landschaftlich sehr reizvoll und idyllisch – als Hotspot eher nur für Störche – aber was nicht ist kann ja noch werden. Auf jeden Fall wurde der „Knieperkohl“ kulinarisch schon längst in die Ränge verwiesen seitdem im Restaurant Kranhaus in Wittenberge aufgekocht wird. Chef ist dort Mika Drouin und beschert seinen Gästen täglich frische, allerfeinste Weltküche – wir haben schon lange nicht mehr so wunderbar gegessen! Merci!

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Landlust-Idylle in der Prignitz (Garten einer Stiftsdame in Heiligengrabe) | Foto: Schnuppe von Gwinner

Dass die Prignitz zu den am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands zählt hat sie nicht verdient. Die Menschen sollten mal ihr Landlust-Magazin für ein Moment weg legen und in die Prignitz fahren – da gibt es all diese ländlichen Paradiese in 3D und noch unzählige Idyllen die wachgeküsst werden möchten, von roughen Industriebauten über kleine Schlösser bis zu verwunschenen Häusern. Als Feriendomizil oder permanente Bleibe, als Ort für Leben und Arbeit lassen auch diese sich schon heute mit schnellen Internetanschlüssen versorgen. Die Landesregierung Brandenburgs fördert darüber hinaus die Errichtung einer glasfaserbasierten Breitband-Infrastruktur, denn sie hat auch erkannt, dass der Zugang  zu modernen Breitbandnetzen für die Einwohner und Unternehmen eine Grundvoraussetzung zur Schaffung von wirtschaftlicher Effizienz und Beschäftigung ist. Und vielleicht auch ein Mittel um den demographischen Rückwärtsgang aufzuhalten.  Dann könnte der Wikipedia Beitrag in allen Punkten neu geschrieben werden!

Wir haben uns noch etwas in der Prignitz umgeschaut und ich werde diese Entdeckungen in weiteren Blogposts vorstellen.


https://klosterstift-heiligengrabe.de/

http://www.kunstfreundepritzwalk.de/

http://kulturort-brandenburg.de

http://www.kranhaus-wittenberge.de/