YOUNG GLASS 2017 Juror statement: Ebeltoft im Juni 2017

Glasmuseet Ebeltoft | Dänemark

Über die alle zehn Jahre stattfindende YOUNG GLASS Ausstellung, die als internationales Superevent in diesem Bereich 2017 wieder im Glasmuseet Ebeltoft stattfindet (noch bis zum Oktober dort anzuschauen) habe ich in einem früheren Blogpost berichtet. Nun wurde das JUROR STATEMENT verschickt und ich werde es hier sinngemäß wieder geben:

Die Jury des diesjährigen Wettbewerbes würdigte die Leistungen der internationalen Bewerbungen von jungen Talenten. Es ist erfreulich neue Arbeiten zu sehen und über den Dialog aller Jahrzehnte zu reflektieren, der mit dem Beginn des Wettbewerbes 1987 angestiftet wurde und neue Techniken ebenso mit einbezieht wie formale und konzeptionelle Herausforderungen.

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Pavel Skrott (Tschechei) GLASS…#1. 2013-2016, Film – Standfoto: Pavel Skrott

Dystopische Visionen in einer turbulenten Gegenwart lieferten eine starke Strömung für diese Ausstellung. Video Kunst in Glaskontext steckt noch immer in den Kinderschuhen, muß jedoch als wichtige Tendenz erkannt werden. Dank der Macht von YouTube kann diese Kunst jederzeit in der ganzen Welt konsumiert werden kann. Der Sybren Valkema Prize, eine zweiwöchige Residenz in der  VRIJ Foundation in Bali, wurde der tschechische Künstler Pavel Skrott, für seinen Video Essay „Glass…no. 1 und no. 2“ zugesprochen. Dieser Preis wurde nach dem niederländischen Glaskünstler und Lehrer Sybren Valkema (1916–1996) benannt, der maßgeblich an der Begründung der europäischen Studioglasbewegung beteiligt war, die auch als VRIJ GLAS bekannt wurde.

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Bjorn Friborg (DK) BBC, 2016, Glas, geblasen und geformt | Foto: Anne Marie Jo

Die ehrliche und einfache Annäherung an das Glasblasen und die damit verbundene, anhaltende Suche nach der Form charakterisiert gleichermaßen eine Kontinuität wie die Herausforderung der Tradition. Den Finn Lynggaard Prize bekam ein dänischer Glaskünstler zugesprochen, der ein fantastischer Glasbläser ist, engagiert in Prozess und Durchdringung um eine eigene, persönliche Ästhetik in Glas umzusetzen. Für  „DP und BBC“ erhielt Bjørn Friborg die mit 2000 € dotierte Auszeichnung.

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Carina Cheung (USA) When Kingdom was lowered down to Earth from Heaven, 2016 | Ofen- und Lampenglas, Metall und Holz | Foto: Stefano De Grandis

Die Sunderland Residency präsentiert ein Kunstwerk, das ein Testament für Engagement und Ausdauer ist. Delikatesse und Farbe erinnern an die Murano Tradition von Glasskulpturen und die darin enthaltene narrative Komponente – eine Verbindung mit dem Himmlischen im Gegensatz zum Bewußtsein der menschlichen Beziehung zur Natur. Für ihre Arbeiten “ When Kingdom was Lowered down to the Earth From Heaven“ und „Crop Circle for Conspicuous Consumption“, wurde Carina Cheung mit einer Künsterresidenz am National Glass Centre ausgezeichnet.

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Rui Sasaki (Japan), Weather Chandelier, 2015, geblasenes Glas, phosphoriesierende Kristallmischung, Kaltglas | Foto: Kiichuro Okamura

Der Glass Factory Residency Gewinner stellte ein Werk in geläufiger Form mit einem überraschenden Ergebnis her.  Der Künstler fand unorthodoxe Ansätze an die Tradition der Glasbeleuchtung und die Jury kommentierte das einfach mit der Begründung, dass es ein schönes Stück sei! “ Weather Chandelier“ von Rui Sasaki wurde mit einer Künstler Residenz in der schwedischen  The Glass Factory“ belohnt.

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Erin Dickson (UK) Window 4, 2015, Waterjet geschnittenes Glas, Fusing | Foto: David Williams

Die Jury glaubt, dass während neue Technolgie in der Glaskunst Wirkung zeigt, zu wenige Leute etwas damit anzufangen wissen. Der Sieger des Kyohei Fujita Memorial Prize“ ist ein innovatives Bild in einem Fenster das man gesehen haben muss um es zu glauben. Aber es ist ein gewohnter Blick von überall, der mit der Erinnerung und unseren kollektiven Erfahrungen von Heimat spielt. Erin Dickson’s Windows 3 und 4 wurden mit einem 5000 € dotierten Preis ausgezeichnet.

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Kathryn Wightman (UK) Loss, 2015 – Siebdruck, Glaspuder auf Scheibenglas, im Ofen geformt | Foto: Kathryn Wightman

Es passt, das der Gewinner des Kvadrat Prize ein technisch exzellentes Kunstwerk im Einsatz von Glas ist, um Farbe, Textur und Muster zu gestalten. Es mimt den Effekt von Haushaltstextilien. Doch sein Genius liegt in der poetischen Anwendung des Glasherstellungsprozesses, der das versteckte Gefühl im ausgeblichenen Stoff anschaulich macht.  Für ihr Werk „Loss“ erhielt Kathryn Wightman den mit 5000 € dotierten Kvadrat Prize.

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Zuzana Kubelková (Tschechien) My Chemical Romance (Sodium Azetat, Flachglas, Metallkonstruktion), 2014 Foto:Künstlerin

Das Ebeltoft Prize – Kunstwerk ist eine Meditation über den Prozess, der auf eine Zukunft in der Glaskunst verweist die nahe legt, sich von dem raffnierten, handgemachten Objekt zu trennen.  Indem Glas in seiner industriellen Form als Gefäss und Rohr verwendet wird, erforscht die Arbeit gesellschaftliche Themen und zeigt einen chemischen und metaphorischen Kreislauf: Auslöser, Reaktion und Erneuerung. Für das Werk „my Chemical Romance bekam  Zuzana Kubelkova den großen Preis von 10000 € und eine zukünftige Solo Ausstellung im Glasmuseet Ebeltoft.

GLASMUSEET EBELTOFT
Strandvejen 8
DK-8400 Ebeltoft
Tel. +45 8634 1799

www.glasmuseet.dk

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