Paris: auf den Spuren der Ateliers d’Art de France

Concept Store für's Kunsthandwerk: Empreintes, Paris - Foto: Schnuppe von Gwinner

Viel hat sich getan seit meinem letzten Besuch in Paris – also machte ich mich gut vorbereitet auf Endteckungstour:

Der französische Verband für das professionelle Kunsthandwerk Ateliers d’Art de France vertritt heute circa 6000 Handwerkskünstler – traditionell bis zeitgenössisch – aus ganz Frankreich. Als Co-Eigner der Messe „Maison et Objet“ ist der Verband sehr gut situiert und einflussreich. Er engagiert sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln in Ausbildung und Kultur – doch vor allem darin, den Bereich der angewandten Kunst / der Handwerkskunst als Branche mit wirtschaftlichem Potential wahrzunehmen und zu etablieren. Die Ateliers d’Art de France  sind für eindrucksvolle Leuchtturmprojekte verantwortlich, die das Kunsthandwerk in Frankreich und auf internationaler Ebene eindrucksvoll repäsentieren.  Die elegant inszenierten Präsentationen der Ateliers d’Art de France  im Herzen der Maison et Objet sind nur die Spitze des Eisberges.

Als Betreiber der Talents Etoile , einem Geschäft für zeitgenössische dekorative Objekte, des L’Atelier als Ausstellungs und Verkaufsraum für Kunsthandwerk, mit thematischen Events die Einblick in die Herstellung und Kreation geben, und schliesslich der Galerie Collection mit einem hochkarätigen Ausstellungsprogramm für unikate Sammlerstücke, direkt gegenüber des Picasso Museums, machen die Ateliers d’Art de France  hervorragende PR für sich und ihre Mitglieder.

Die Galerie Collection zeigte aktuell die schau „Animalité“ – Werke französischer oder in Frankreich lebender Gestalter die sich um das Tierische drehen, sei’s als Motiv oder Material.  Marianne Abergel , Cécile Auréjac, Carolo, Sandrine Charles-Messance, Luisa Maisel, Kyoko Murayama, Jean-François Pereña

Ein weiteres Highlight ist der kürzlich eröffnete Concept Store „Empreintes / Spuren“ – dessen Konzept vom Erfinder des populären Concept Stores MERCI gecoacht wird, der seit einigen Jahren als Mekka der internationalen Stylisten gilt und das Verkaufen schöner Wohnaccessoires und ausgefallener Mode immer wieder zum Erlebnis macht. Hier hatten übrigens die D’Days ihren Einstand: im Foyer feierte die Tsé & Tsé Vase d’Avril mit einer „Maskerade“ ihren 25. Geburtstag. Ihre Designerinnen Sigolène Prébois und Catherine Lévy hatten Designerkollegen eingeladen Variationen des Klassikers zu kreieren, sodass eine herrliche Frühlingsausstellung entstand.

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Tsé & Tsé Vase d’Avril feiert 25 Geburtstag bei MERCI Paris – Foto: Schnuppe von Gwinner

Noch jung ist der Concept Store für  Kunsthandwerk & DesignEmpreintes“ auf über 600 Quadratmetern in einem wunderbar renovierten, hellen  4-stöckigen Gebäude direkt schräg gegenüber von Paris‘ ältestem Markt, dem Marché des Enfants Rouges – perfekt!

Doch auch das Café „Empreintes“ bietet im 1.OG köstliche Gastronomie in freundlichem Ambiente aus handgefertigtem Steinzeug- und Porzellangeschirr das man auch gleich kaufen kann, wenn der Tee so gut daraus geschmeckt hat. Im Shop ist die Auswahl an Irdenware und Glas, sei’s zum Gebrauch, als Dekoration oder als Sammlerstück umfassend. Für jeden Geschmack etwas dabei und alles aus französischen Werkstätten und Manufakturen. Das gleiche gilt für originelle Wohn- und Modeaccessoires und Geschenkideen für jeden Geldbeutel. Auch die Schmuckabteilung ist durchdacht angelegt – nur die gezeigte Schmuckauswahl war, nach meinem Verständnis, absolut enttäuschend – gestalterisch, handwerklich – in jeder Hinsicht. Eine Bibliothek und ein Vorführungsraum für Filme runden das Programm ab. Im „Empreintes“ gibt es vier Jahreszeiten zu denen das Angebot variiert, die Schwerpunkte sich verlagern und damit immer wieder Neues lockt.

Initiator dieses Traumes an Vermarktung von kunsthandwerklichen Manufakturprodukten und Unikaten sind natürlich wieder die Ateliers d’Art de France . Alles scheinen sie richtig zu machen, professionell und raffiniert bis ins Detail. 10 Jahre habe ich das im Kleinen in Hamburg mit der Ladengalerie craft2eu versucht – alle meine Ideen fand ich hier perfekt umgesetzt wieder. Toll wenn das wenigstens in der Metropole Paris funktioniert!

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Empreintes 3/2017 – Daphnée Corregan & Sophie Bayeux – Foto: Schnuppe von Gwinner

Ausführlichere Sonderschauen werden zur Vetiefung bestimmter Aspekte in Szene gesetzt. Die amerikanische Keramikerin Daphnée Corregan, schuf das Leitmotiv der Révelations 2017, die Zwillingsskulptur «Veiled Ladies»  – hier zeigt man ihre künstlerischen Keramikobjekte und setzt sie in einen spannenden Dialog zu den Werken der französischen Keramikerin Sophie Bayeux .

Den drei Preisträgern des Prix de la Jeune Création Métiers d’Art 2017 gilt eine weitere detaillierte Präsentation (24.04. bis 05.08.2017), inszeniert von Elizabeth Leriche. Federn und Roß-Haar sind wiederentdeckte Materialien die in ihren innovativen Anwendungen neue Trends setzen.

Marie Masson, Gestalterin von zeitgenössischem Schmuck, zeigt Broschen, Kragen und Halsschmuck aus Fasanenfedern und Krawatten aus  Roßhaar. Eine japanisch anmutender Garten aus Federn wurde von M. Marceau, Federatelier in Kooperation mit Erny Créations, Kunsttischlerei, realisiert. Antonin Mongin revolutioniert mit seinen Ideen den Einsatz und die Gestaltung von Echthaar.

Ja, es gibt auch noch Orte, die sich unabhängig von den Ateliers d’Art de France als Hotspots der Handwerkskunst, des Unikatdesigns – der angewandten Kunst in Paris etabliert haben. Von denen wird morgen zu  berichten sein.

Das allumfassende Engagement der Ateliers d’Art de France ist ohne Frage ein Segen für das französische Kunsthandwerk, sei es traditionell orientiert oder zeitgenössisch. Es kann seine Potentiale ausspielen und erfährt eine Förderung in allen Belangen, die international konkurrenzlos ist. Allerings gehören nicht alle 6000 Mitglieder dieser starken Vereinigung zur „Crème de la Crème“ wenn es um die gestalterische oder technische Qualität geht – gerade unter den zeitgenössischen Kreateuren zeigen sich deutlich Schwächen gegenüber der internationalen Konkurrenz. Den Schmucksektor habe ich schon genannt. Das bedeutet, dass man sich häufig auch mit schwierigen Objekten auseinander setzen muss, wenn man sie aus der internationalen Perspektive betrachtet. Doch über Geschmack lässt sich nicht streiten. Fantastisches Know How offenbart sich auf allen Gebieten, die auf traditionelles Handwerkswissen bauen das sich mit klassischen, aber auch abseitigen Materialien, beschäftigt. Die drei Preisträger des Prix de la Jeune Création Métiers d’Art 2017 sind gute Beispiele dafür.

© Schnuppe von Gwinner

Talents Etoile, 26, avenue Niel, 75017 Paris

L‘ Atelier, 55, avenue Daumesnil, 75012 Paris

Collection, 4, rue de Thorigny, 75003 Paris

MERCI, 111 Boulevard Beaumarchais, 75003 Paris

Empreintes – concept store des metiers d’art, 5 Rue de Picardie, 75003 Paris

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