Paris: Révélations Grand Palais 2017 – Nachlese

Kriki Artiste http://kriki.com/ am Empfang zum Salon Revelations - großartig! Foto: Schnuppe von Gwinner

Die gerade eben vorüber gegangene Messe für die angewandten Künste „Révelations“ machte ihrem Namen alle Ehre: Als Ort der Entdeckungen und insgesamt auch als Ort der Offenbarung, wie selbstbewußt und grandios die Franzosen ihre kreativen Talente zu feiern und deren ausserordentliches Können nicht nur zu würdigen, sondern in den Mittelpunkt zu stellen wissen. Überzeugt davon, dass die kulturelle Tradition der Handwerkskünste nicht nur als Erbe betrachtet werden sollte, sonderns auch als Quelle und Basis für die Gestaltung der Zukunft. In Frankreich vertraut man ganz offensichtlich darauf, dass sich mit dieser Wertschätzung kultureller Werte nicht nur feinsinniger Kunstverstand vorweisen lässt: auch eine wachsende Zahl Interessierter, über den Kreis der Sammler, Kuratoren und Liebhaber erlesener Handwerkskunst und Unikatdesigns hinaus, fühlen sich angezogen und inspiriert. Die imposante Halle des Grand Palais bot den großartigen Rahmen für eine geniale Schau.

Der französische Verband für die angewandte Kunst „Ateliers d’Art de France“ tritt seit Jahren mit großer Professionalität an die Öffentlichkeit. Mit dem 2013 als Biennale erstmals inszenierten Salon „Révelations“ im Grand Palais von Paris sprengten sie wieder alle bisherigen Maßstäbe. 2017, in der Woche der spannenden Präsidentenwahl, konnte man eine Neuauflage dieser einzigartigen Messe besuchen. Auf knapp 3000 Quadratmetern stellten circa 400 Aussteller aus, davon 2/3 aus Frankreich, 1/3 internationaler Herkunft. Im Jahr 2015 hatte man 33.522 Besucher (darunter 33% Fachbesucher) gezählt – diese Zahl ist mit der Edition von 2017 gewiß enorm gesteigert worden.

Die zentrale Achse der sonst kommerziell orientierten Messe bildete die kuratierte Ausstellung „Banquet“ mit starken Statements der angewandten Kunst u.a. aus Deutschland, Rußland, Korea, Luxembourg, Belgien, Schweiz, Frankreich, China (Honkong), Togo und Senegal

Im Jahr 2015 hatte man zum „Banquet“ ausschliesslich die Werke französischer Handwerkskünstler, Kunsthandwerker, Designer und Objektkünstler präsentiert. Damit sollte offenkundig gemacht werden, dass in der direkten Gegenüberstellung der Objekte, ohne jede Beschriftung und Information, die sonst so sorgsam gepflegten Abgrenzungen der Gewerke, hinfällig werden. Allein die Werke sprachen für sich, für ihre Qualität und Originalität. Dem Besucher blieb die Einordung überlassen. 2017 hatten internationale Verbände und Agenturen eine Vorauswahl representativer Exponate aus ihren Heimatländern geliefert. Diese wurden nur eben mit den Namen ihrer Autoren ausgestellt. Ein Minimum an Information – wieder waren die Objekte auf sich allein gestellt und entfalteten ihre bestechende Wirkung als Botschafter ihrer Schöpfer, deren Herkunft und Hintergrund, Inspiration und Können.

Das offizielle Gastland Chile präsentierte sich mit einer überraschend eindrucksvollen Schau folgender Künstler: Juan und Cristobal Betancourt, Pascale Lehmann, Walka, Mauricio Clavero Kozlowski/ Eliana Carter, Paola Moreno, Lise Moller, Juan Carlos Orellana, Rodolfo Castro, Claudia Hurtado/ Nochamalen, Cristiàn Molina, Egon Munoz, Marco Paillamilla, Juan Lobos, Ruth Krauskopf, Carolina Yrrazabal, Paulina Brugnoli, Constanza Urrutia, Carlos Reyes, Victor Ruiz Bascuñán.

Die zeitgenössische angewandte Kunst Japans wurde mit fantastischen Lack- und Keramikarbeiten in einer Auswahl der Gallery Tosey aus Osaka, präsentiert. Die überragende Qualität der japanischen Handwerkskunst zeigte sich insbesondere in einer wunderbaren Sammlung zeitgenössicher Schalen, der ich wünschen würde beieinander zu bleiben. Die klassische Einfachheit des Gegenstandes, durchdekliniert in einer hochattraktiven Zusammenstellung der Varianten von raffiniertester Gestaltungskunst bis zur archaischer Genialität. 

Neben den hunderten von Einzelausstellern fielen die klugen Koalitionen der Veranstalter auf. So schickte zum Beispiel das Pariser  Festival du Design „D’Days“ (03. bis 14.05.2017) Absolventen der École nationale superieure des Arts decoratifs (L’EnsAD) – Paris mit einer erfrischenden Objektschau auf die Revelations. Die Wiederbelebung des Manufakturgedanken, die Rückbesinnung auf traditonelle Technologien als Impulsgeber für Innovationen etc. kennzeichneten diese Arbeiten, die damit sehr zeitgemässe Aspekte auf die Messe brachten. Auch die Haute Ecole des arts du Rhin Strasbourg-Mulhouse machte mit einem inspirierenden Stand und originellen Werken auf die jungen Tendenzen der angewandten Kunst und des Designs in Frankreich aufmerksam.

Neben der gigantischen Schau unter den Glaskuppeln des Grand-Palais wurde natürlich auch ein Programm mit hochinteressanten Vorträgen, Diskussionsrunden und Filmen angeboten. Genauso selbstverständlich wie die Business-Lounge gab es die Kinder-Workshops. Darüber hinaus jede Menge abendlicher Empfänge criss-cross Paris genauso wie elf Satelliten-Schauen der Revelations 2017 verteilt über die ganze Stadt – ein gigantisches Programm, dass man beim besten willen kaum bewältigen konnte. Andererseits war so für alle Interessenslagen etwas dabei – die Veranstalter haben es wirklich gut gemeint.

Was bleibt sind die starken Eindrücke, jede Menge Anknüpfungspunkte an die vielen Inspirationen und geführten Gespräche … auch die Drucksachen. Ein unterirdisch informativer „plan de salon“, der wohl auf den letzten Drücker zusammengeschustert wurde. Auch die Presseinformationen kamen spät und waren weder besonders aktuell noch üppig. Eigeninitiative in Sachen Recherche und Neugierde wurden aber reich belohnt, und das zeichnet die Aficionados ja aus: begeisterte Neugierde und Wissensdrang. Auf der Révelations 2017 kamen sie über alle Maßen auf ihre Kosten!

© Schnuppe von Gwinner

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