Preisverleihung BKV-Preis 2017 für Junges Kunsthandwerk: München, 11.03.2017

Katrin Feulner: Halsschmuck »ARBEITEN 1603, 1602, 1607«, 2016, Eisen, Stahl Foto: Karina Hagemann

Der 2006 erstmals ausgelobte BKV-Preis für Junges Kunsthandwerk findet in diesem Jahr zum elften Mal statt. Aus insgesamt 104 Einreichungen, die in diesem Jahr aus 18 Ländern eingingen, ermittelte die Jury drei Preisträger, eine Belobigung und 19 Finalisten:

Den ersten Preis erhält: Katrin Feulner, Deutschland, Pforzheim (Titelbild)

Begründung der Jury:

Die Halsketten von Katrin Feulner zeigen ihre Materialität und Fertigungstechnik und transzendieren sie zugleich. Eisen und Stahl, teilweise aus gefundenen Objekten, werden mit höchster Sicherheit für Proportion und Oberflächen zu intensiv blauschimmernden Schmuckstücken, die an die Collanen von Ritterorden erinnern. Mittelstücke, Kettenglieder und Verschlüsse sind aus den gleichen Formen entwickelt und mit raffinierter Reduktion konstruiert. Klare Konturen und besonders die äußerst präzise, aber nie sterile Ausführung der Oberflächen lassen das schlichte Material überaus kostbar erscheinen.

Der BKV-Preis 2017 ist dotiert mit € 3.000,- und einem Katalog der Preisträger (dt./engl.), der in der Schriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbevereins erscheint. Außerdem beinhaltet der Preis eine für drei Jahre kostenlose Mitgliedschaft im Bayerischen Kunstgewerbeverein.

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Inhwa Lee: Gefäße / Vessels »Memory of Emotions«, 2016, Porzellan Foto: Karina Hagemann

Den zweiten Preis erhält: Inhwa Lee, Korea, Seoul

Begründung der Jury:

»Memory of Emotions« nennt Inhwa Lee ihre Porzellanobjekte, die technische Artistik mit einer ungewöhnlichen Ästhetik verbinden. Auf der Drehscheibe entstehen extrem dünnwandige, zylindrische Porzellangefäße. In weiteren Bearbeitungsschritten werden auf rechteckigen Feldern Wandstärken und Oberflächen so variiert, dass sie in unterschiedlichem Maße Licht durchlassen und reflektieren. Diese optisch wie haptisch ungewöhnlichen Gebilde stehen in der Tradition koreanischer Keramik, lassen aber auch an die in Europa einst beliebten Lithophanien denken, die hier ganz in konstruktivistische Formen transponiert wurden.

Diese Auszeichnung ist dotiert mit € 2.000,- und einem Katalog der Preisträger (dt./engl.), der in der Schriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbevereins erscheint. Außerdem beinhaltet der Preis eine für drei Jahre kostenlose Mitgliedschaft im Bayerischen Kunstgewerbeverein.

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Helen Habtay: Halsschmuck / Necklaces »Hi, SciFi, no 1, no 8, no 4«, 2016, Rosenquarz, Kupfer, Leder Foto: Karina Hagemann

Den dritten Preis erhält: Helen Habtay, Deutschland, Idar-Oberstein

Begründung der Jury:

»Hi, SciFi« ist eine Halsschmuck-Serie von Helen Habtay, die eine verstörend biomorphe Ästhetik entfaltet. Kupferrohre, die mit ihrer porigen Mattierung und rosé Vergoldung eine durchaus hautartige Oberfläche erhalten, verbinden sich miteinander, teils mit Fittings, wie Installateure sie benutzen, teils wie Gedärme ineinander wachsend. Sie fassen massive Rosenquarz-Ronden, die die organischen Formen fortsetzen. Gefütterte Lederschläuche verbinden das mit dem Hals der Trägerin. Diese massive und radikale Neuinterpretation des Colliers geht aber mit dem Körper der Trägerin eine überraschend schlüssige Verbindung ein.

Diese Auszeichnung ist dotiert mit € 1.000,- und einem Katalog der Preisträger (dt./engl.), der in der Schriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins erscheint. Außerdem beinhaltet der Preis eine für drei Jahre kostenlose Mitgliedschaft im Bayerischen Kunstgewerbeverein.

Eine Belobigung erhält: Anne Lengnink, Deutschland, Wismar

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Anne Lengnink: Halsschmuck / Necklaces »Circumclusion«, 2016, Porzellan, Textil »Paradoxon«, 2016, Stahl, Porzellan, Hanfseil »Mammae masculinae«, 2016, Porzellan, Latex, Schrumpfschlauch, Textil Foto: Karina Hagemann

Begründung der Jury:

Die Colliers von Anne Lengnink überwinden spielerisch Grenzen und Widersprüche: von Organischem und Anorganischem, Vergänglichem und Beständigem, Konvention und Tabu. Ein Perlencollier mit übergroßen Porzellanperlen, die teilweise wie in der Anatomie durch Gelenkkopf und Kugelpfanne miteinander verbunden sind. Ein schnöder Gummizug hält sie zusammen. Latexschläuche fassen und verbinden drüsig geformte Porzellanperlen, deren reines Weiß in einem rosa Hautton ausläuft. Um den Hals getragen, wippen, schwingen und klingen so die Porzellankörper. Sprödigkeit und Flexibilität verbinden sich, ebenso wenn Stahlkäfige mit klaren geometrischen Formen organoide Barockperlen aus Porzellan einschließen und umfangen.

Diese Auszeichnung ist dotiert mit einem Katalog der Preisträger (dt./engl.), der in der Schriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbevereins erscheint.

Preisverleihung: Samstag, 11. März, 14-15 Uhr
Internationale Handwerksmesse IHM, Halle B 1, Bühne

Ausstellung aller Arbeiten:
8. bis 14. März 2017 auf der IHM
Ausstellung der Preisträger und Finalisten vom 7. April bis 6. Mai 2017 in der Galerie für Angewandte Kunst des Bayerischen Kunstgewerbevereins, Pacellistrasse 4, 80333 München

Der 1851 gegründete Bayerische Kunstgewerbeverein (BKV) ist heute ein Berufsverband und eine Interessens- vertretung von über 400 Kunsthandwerkern aus allen Gewerken. Im Zentrum von München betreibt der Verein das Ladengeschäft »KUNST + HANDWERK« und die Galerie für Angewandte Kunst. In der Galerie werden jährlich acht Ausstellungen zu verschiedenen Themen gezeigt. Das Ladengeschäft »Kunst + Handwerk« bietet ein ständig wechselndes Verkaufsangebot an zeitgenössischem Schmuck, Gerät, Keramik, Glas, Textil sowie Objekten aus Holz, Leder und Papier seiner Mitglieder. Daneben ist der Bayerische Kunstgewerbeverein auf verschiedenen Messen vertreten.

Der BKV-Preis für Junges Kunsthandwerk

Zu den wesentlichen Aufgaben des Bayerischen Kunstgewerbevereins gehört die Förderung des Nachwuchses. Durch die Unterstützung der LfA Förderbank Bayern kann seit dem Jahr 2006 der BKV-Preis für Junges Kunsthandwerk einmal jährlich verliehen werden. Die dotierten Preise sollen den beruflichen Werdegang der Preisträger auch finanziell unterstützen. Sie zeichnen Arbeiten aus, die auf der Basis handwerklicher Qualität eigenständige künstlerische Gestaltung zeigen.

Die Ausschreibung wendet sich alljährlich an junge Kunsthandwerker/innen unter 35 Jahren, die am Beginn ihrer beruflichen Entwicklung stehen, aber ihre Ausbildung bereits abgeschlossen haben. Die Ausschreibung ist international und an alle Gewerke gerichtet. (Pressetexte)

Linkliste einiger Finalisten:

Naama Bergman

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