Bucheinbände der Wiener Werkstätte: Wien vom 08.03. bis 28.05.2017

Koloman Moser, Bucheinband , Ausfg: Wiener Werkstätte, um 1909. Pergament mit Goldprägung, Tunkpapier. © Slg Richard Grubman

Dem Gedanken des Gesamtkunstwerkes verpflichtet, beschäftigten sich zahlreiche Entwerfer und Handwerker der Wiener Werkstätte (WW) auch mit der künstlerischen Gestaltung von Büchern. Das MAK widmet diesem Aspekt erstmals eine eigene Ausstellung und zeigt unter dem Titel BUCHEINBÄNDE DER WIENER WERKSTÄTTE einen Überblick über die facettenreichen Einbandentwürfe. Circa 70 Bücher aus den Privatsammlungen von Ernst Ploil, Gastkurator der Ausstellung, und Richard Grubman werden um 40 originale Entwurfszeichnungen und rund 500 Lederstempel aus der MAK-Sammlung ergänzt.

In ihrem erfolgreichen „Kampf gegen die schrecklichen, roten, goldverzierten Einbanddecken unserer Prachtwerke“, wie es 1905 in der Wiener Sonn- und Montagszeitung hieß, ließ sich die Wiener Werkstätte von der Arts and Crafts-Bewegung inspirieren.Bereits 1904 engagierten Hoffmann und Moser den renommierten Wiener Buchbinder Carl Beitel als Geschäftsführer ihrer Buchbinderei. Seine technische Kompetenz entsprach dem Anspruch der WW auf höchste handwerkliche Qualität.

Entsprechend dem Credo der Wiener Werkstätte – „gutes Material und technisch vollkommene Durchführung“ – bediente sich die Buchbinderei eines breiten technischen Repertoires. Unter anderem wurde mit Ledereinlegekunst, Blinddruck, Handvergoldung und Lederflechten gearbeitet. Bei der Herstellung von Kleister- und Tunkpapieren kam insbesondere Carl Beitel eine tragende Rolle zu. Aus Tunkpapier wurden 1904 Einbände nach Entwürfen Koloman Mosers geschaffen: Adele Bloch-Bauer scheint hier als erste Kundin der WW im Modellbuch auf. Als Material diente meist Ziegenleder, sogenanntes „Maroquin“. Gelegentlich wurden auch Stoffe verwendet, seltener exotischere Lederarten wie Krokodil-, Schlangen-, Perlrochen-, Eidechsen- oder sogar Froschhaut.

Stilistisch dominierten geometrische Formen und abstrahierte florale Elemente die frühen Entwürfe von Hoffmann und Moser, der 1907 ausschied.  Erst ab 1910 fand Hoffmann in Eduard Josef Wimmer-Wisgrill wieder Unterstützung im Entwurf.

Nach 1918 kam es teilweise zu einer verspielteren, üppigeren Gestaltung: neben
Dagobert Peche und Julius Zimpel entwarfen auch Künstlerinnen wie Irene Schaschl-Schuster, Anny Schröder, Hilde Jesser, Fritzi Löw, Gudrun Baudisch, Kitty und Felice Rix, Mathilde Flögl oder Maria Likarz-Strauss Bucheinbände. Naturalistische figürliche Motive, aber auch Blumensträuße oder Blumenvasen waren charakteristisch für die von Frauen entworfenen und handbemalten, teilweise getriebenen oder press-reliefierten Buchumschläge.

Die zeitgleichen Ideen Hoffmanns zeichnen sich im Gegensatz dazu durch eine geradezu raffinierte Einfachheit des Dekors aus. Ab 1924 verwendete er rhythmisch aneinandergereihte wellenförmige Profile als dekoratives Element. Auch in seinen Bauten wie dem Österreichischen Pavillon der Pariser Exposition internationale des Arts décoratifs et industriels modernes 1925 lässt sich dieses Wellenprofil erkennen.

Mit ihrer Ideenfülle und professionellen handwerklichen Umsetzung lieferten die Bucheinbände der Wiener Werkstätte der österreichischen Buchkunst wesentliche Impulse. (Pressetext)

MAK-Kunstblättersaal
MAK, Stubenring 5, 1010 Wien

Öffnungszeiten: Di 10:00–22:00 Uhr, Mi–So 10:00–18:00 Uhr
Jeden Dienstag 18:00–22:00 Uhr Eintritt frei

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