Der Verleger Dieter Zühlsdorff

Mein aktueller Aufruf der Homepage der Arnoldsche Art Publishers  überbrachte mir nun die traurige Nachricht, dass Dieter Zühlsdorff am 6.Dezember gestorben ist. Als engagierter und kluger Verleger hat er die „Arnoldsche“ gegründet und, gemeinsam mit Dirk Allgaier, zu einem international renommierten Verlag für die ganz besonderen Bücher gemacht. Darauf war er immer sehr stolz, konnte er auch sein, denn es gibt nicht viele von seinem Schlage. Im März 2012, zum 25.Jubiläum des Verlages, schrieb ich den nachfolgenden Text über das Werk von Dieter Zühlsdorff – und verneige mich voller Respekt vor ihm:

Seit einem Vierteljahrhundert verwandelt die Arnoldsche Verlagsbuchhandlung gemeinsam mit Kuratoren, Künstlern und Autoren besondere Spezialitäten der angewandten Kunst in präzise konzipierte, sehr individuelle Bücher. In diesen 25 Jahren machte das Team um Dieter Zühlsdorff das erstaunliche Potenzial künstlerischer und handwerklicher Objektgestaltung sichtbar. In Ausstellungskatalogen, Themenbüchern und Monographien werden Ideenwelten und Phänomene aus Design, Schmuck, Mode, Kunst, Architektur und Fotografie vermittelt, Schlaglichter gesetzt und der Blick in die Tiefe geführt.

Die Kunst des Büchermachens verhält sich in diesem Kontext gleichberechtigt zu ihrem thematischen Gegenstand. Dieser wird in größtmöglicher Freiheit und ernsthafter Neugier betrachtet, um dann in der Konzeption und Gestaltung des Buches eine angemessene Interpretation zu erfahren. Die Wahl der Mittel, Methoden und Materialien wird von den Verantwortlichen schöpferisch und umsichtig betrieben. Die formale wie inhaltliche Individualität der Bücher, und damit die Vielfalt des Programms, kann man durchaus als Charakteristikum der Arnoldschen Verlagsbuchhandlung beschreiben.

Individualität wird aktuell gerne als Wert an sich propagiert. Persönlicher Individualismus, und damit verbundener Nonkonformismus macht das Wesen schöpferischen Tuns aus. Der daraus entstehende Abstand in der Betrachtung von Alltäglichkeit ermöglicht erst innovatives Sehen, Denken und Handeln. Die Flut der Informationen und Bilder, die zunehmend unsere Gegenwart bestimmen, überspült Einzelheiten, Details, Einzigartiges. Sie haben kaum eine Chance wahrgenommen zu werden. Erst wenn sich individuelle Phänomene zusammen finden, können sie Cluster bilden, die sich auch im Massenhaften eine Sichtbarkeit verschaffen. Die Arnoldsche Verlagsbuchhandlung könnte man als ein solches Cluster beschreiben, das im Mainstream nicht nur den Connaisseuren, den Sammlern und kulturell Interessierten eine Insel, nahe der Glückseligkeit, zum verweilen bietet.

Die Zukunft des Buches wird mit den permanent wachsenden Möglichkeiten digitaler Technologie immer wieder in Frage gestellt. Die Macht schöpferischer Kräfte prägt unsere Kultur, sie findet neue Wege Probleme zu lösen, Ideen umzusetzen, unsere Welt zu gestalten, Visionen zu entwickeln und umzusetzen. Das, was und wie wir etwas tun, definiert, wer wir sind und was wir sein möchten. Das Wissen darum, wie etwas gemacht wird, egal ob es alltägliche Dinge sind oder hochkomplexe Erfindungen, ist eine der kostbarsten menschlichen Ressourcen. Die Themen der Arnoldschen, also Objektkunst, Design, Kunsthandwerk und die verwandten Bereiche, spiegeln zutiefst menschliche Genialität, Ideenreichtum und Handfertigkeit wieder. Diese Besonderheiten finden in der Sinnlichkeit eines haptisch und optisch erlebbaren Buches ihren idealen Botschafter, die in der Abstraktion virtueller Medien – zumindest vorerst – nicht vermittelbar ist.

Den Büchern zu diesen Themen fällt die Rolle des Aufklärers und Anstifters zu. Sie sind wie Fenster und Türen in Ateliers, Studios und Werkstätten – in Geschichte, Gegenwart und manchmal auch Zukunft. Sie sind wie ein Blick über die Schulter der Künstler, der Macher, Denker und Visionäre. Sie geben Zeit zur Betrachtung,  eröffnen Welten, würdigen das Detail und weiten den Horizont. Viele  Menschen sind heute sensibel für diese individuellen, mit Sorgfalt und Sachkenntnis realisierten Buch-Botschaften, die den besonderen Phänomenen der angewandten Künste authentisch und individuell gerecht werden.

© Schnuppe von Gwinner, im März 2012 für die „kleine Jubelschrift“  zum 25. Jubiläum der Arnoldschen

 

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