Buchtipp: Edmund de Waal – die weisse Strasse

Schön gemachte Bücher, in denen sich Inhalt und Aufmachung auf geniale Weise die Hand reichen, stehen unter Kreativen, unter Geniessern und Individualisten, auch heute noch hoch im Kurs. Sie sind inspirierend, beglückend und vermitteln durch ihre Mehrdimensionalität zutiefst humane Attraktion. Sie fühlen sich gut an, sie duften gut, sie drängeln nicht, lassen sich blättern, schmökern, voll kritzeln oder mit Genuss streicheln, einmal oder hundertfach lesen. Ein Buch lässt eine Intimität des Umgangs zu, die nur das Buch und seinen Leser etwas angeht. Das Buch, sein Thema, seine Geschichte, seine Typographie, seine Bilder, seine Graphik, sein Layout,sein Einband, sein Papier, alles zusammen begegnet dem Individuum auf ganz persönlicher Augenhöhe, weckt Lust, Leidenschaft und manchmal … Langeweile.

So haben mich auch in diesem Jahr wieder einige Bücher auf ihre sehr besondere Weise in die Welt der Dinge, der Designgeschichte, der Kulturgeschichte getragen und vielleicht ist ja eines für Ihren Gabentisch 2016 dabei?

Die erste Wahl, nicht nur für alle Keramiker und kulturgeschichtlich Interessierte ist natürlich Edmund de Waal’s neuestes Buch: „Die weisse Strasse“ – mit allen Qualitäten eines fesselnden Romans.

Der Künstler Edmund de Waal, selbst eine internationale Berühmtheit  für seine wunderbaren Arbeiten und Installationen in Porzellan, hat sich auf passionierte Spurensuche begeben. Er bereist die verschiedenen „Wiegen“ des Porzellans und forscht über deren regionalen Hintergründe und Geschichten. Den Leser nimmt er einfach mit in die Bergwerke und Archive, Werkstätten  und Museen.

Er berichtet staunend, forschend, klug und lebendig schreibend, die geschichtlichen Zeitläufte mit dem Hier und Jetzt verbindend. Im Zentrum steht das Porzellan, als Material, als Obsession, als alchimistische Lebensaufgabe, als wertvoller Schatz ebenso wie als existentielle  Herausforderung für Körper und Geist – als ein zeitübergreifendes, globales Phänomen der Sehnsucht nach dem weissen Gold.

© Schnuppe von Gwinner

„Wer sich zuvor nie für das weiße Gold interessiert hat, wird es nach der Lektüre mit neuen Augen sehen.“ Gregor Dotzauer, Der Tagesspiegel, 11.12.16

„Eine hinreißende Kulturgeschichte des Porzellans.“ Die Welt, 03.12.16

„Ein wahnsinnig schön geschriebenes Buch.“ Ralf Schlüter, art magazin, Dezember 2016

„Die gründlich recherchierten geschichtlichen Fakten verwebt der Autor wie schon in seinem ersten Buch mit seinem eigenen Schicksal und Werdegang zu dem, was er heute ist. Am Ende meinen wir de Waal wie einen Freund zu kennen – und sehen Porzellan mit anderen Augen.“ Minh An Szabó Bucs, NZZ am Sonntag, 28.11.16

„Man wird erfasst vom Sog dieser Erzählung, die auch jene mitreißen wird, die sich gar nicht für Porzellan interessieren. De Waal ist einer, der mit allen Sinnen und filmischer Präzision zu beobachten und zu beschreiben weiß, der Scherben zusammenfügt und mühelos zwischen den Kontinenten und Jahrhunderten wechselt, vom Profanen zum Erhabenen. Die Vergangenheit wird im Präsens seines Erzählens gegenwärtig. … Von Brigitte Hilzensauer großartig übersetzt.“ Susanne Kippenberger, Die Zeit, 17.11.16

 

Edmund de Waal: auf den Spuren meiner Leidenschaft
übersetzt aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer
464 Seiten
Zsolnay
Fester Einband
ISBN 978-3-552-05771-5