craft2eu „Natürlich“: präsentiert Wiebke Meurer zur GRASSIMESSE 2016

Die erstaunlichen Arbeiten von Wiebke Meurer faszinieren durch ihre Kostbarkeit und ihre eigenwillige Sprache der Verfremdung. Es geht ihr im Allgemeinen um die Untersuchung von Archtypen, zum Beispiel im Kontext der gedeckten Tafel, Porzellan, Besteck, Gerät und Accessoires.
Daran interessiert sie der Status und der Wert eines Objektes. Besonders konzentriert sie sich auf die Traditionen und sozialen Bedeutungen welche diese Objekt für uns  beinhalten.  Sie orientiert sich immer an allgemein gültigen Formen von bestehenden Objekten und verfremdet deren Funktion, Aussehen und das Material.

In diesem Herbst ging gerade eine wunderschöne Ausstellung von Wiebke Meurers Objekten im Erfurter Schloss Mosldorf zu Ende. Idealer als ein geschichtsträchtiges, verwunschenes Schlößchen könnte das Setting für ihre Werke kaum sein. Integriert ins historische Ambiente legen all diese Feinsinnigkeiten assoziative Fährten, denen der Betrachter nun leicht und willig folgen mag.

Einige dieser Preziosen durfte ich nach Leipzig, auf die GRASSIMESSE 2016 entführen. Hier, in der craft2eu-Präsentation „Natürlich“ profilieren sie sich in der Gegenüberstellung mit zeitgenössischer Handwerkskunst und, im weiteren Sinne, mit der exquisiten Sammlung hitorischen Kunsthandwerks im Grassimuseum für Angewandte Kunst. Tassen, Teller und Bestecke lassen uns die Raffinesse neuer Aspekte in der Nachbarschaft von Wiebke Meurers Tasse, Teller und Besteck erkennen.

In vielen Werken setzte sie sich mit der Ornamentik auf Porzellanen auseinander. Inspiriert haben sie besonders die Verzierungen und Dekore, denen sie  durch ein reliefartiges Herausarbeiten zu einer neuen Selbständigkeit verhilft. Das Porzellan wird ersatzlos durch seine Dekoration ersetzt, so dass die Formen von Tassen, Tellern und Schalen nur noch durch Metallranken und Blumen beschrieben werden. Die Ornamente sind nicht mehr abhängig von einem Trägerobjekt oder einer Oberfläche, sondern haben sich vollkommen verselbständigt.

Mit ihren so genannten „Talking pieces“ verführt sie den Betrachter vollends in das Reich der Fantasie, verleiht üppigen Kelchen Flügel, lässt perlenkettenbeschwerte Lämmchen auf dem Rand von versilberten Sahnekännchen balancieren oder versteckt zuckersüsse Silberhäschen im Rankenschalen. In Anlehnung an die spektakulären Centerpieces historischer Tafeln, für die Porzellankünstler und Silberschmiede ihrer Fantasie damals auch reichlich Auslauf gaben, schreibt sie deren Geschichten fort. In kleinerem Maßstab aber nicht weniger entrückt entzückend, mit subtilen Irritationen, denen Wiebke Meurer die Protagonisten, gleich ob Marabus, Heuschrecken, Hirsche oder anderes Getier aussetzt.

© Schnuppe von Gwinner

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Wiebke Meurer Werke – Ausstellungswand von 2011
Johannisplatz 5
04103 Leipzig
Eröffnung:
Donnerstag, den 20. Oktober 2015 um
18.30 Uhr,
anschließend ist die Messe bis 21.30 Uhr geöffnet!
Dauer:
Freitag bis Sonntag, 21. bis 23.Oktober 2015
Öffnungszeiten:
Freitag, 21. Oktober, 10 – 19 Uhr
Samstag, 22. Oktober, 10 – 19 Uhr
Sonntag, 23. Oktober, 10 – 18 Uh