Katja Stelz

Der Hessische Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk wurde auf der internationalen Konsumgütermesse Tendence in Frankfurt verliehen. Bereits zum 66. Mal würdigt der mit insgesamt EUR 8.000,- dotierte Preis drei Kunstschaffende. Zum ersten Mal hat sich die fünfköpfige Jury dazu entschieden, zusätzlich einen Förderpreis – dotiert mit 500 Euro – zu vergeben. Der erste Preis ehrt die Arbeit von Katja Stelz und ihre handgewebten Stücke. Der zweite Preis zeichnet Papiergestalterin Kristina Rothe aus, der dritte Preis geht an den Silber­schmied Clemens Stier. Über den neu geschaffenen Förderpreis kann sich die Emaille-Künstlerin Steffi Götze freuen.

1. Preis: Wohntextilien von zeitloser Eleganz und sinnlichem Nutzwert, Katja Stelz, Handweberin, Palingen, Norddeutschland
Die Jury zeichnete das Textil-basierte Design der Arbeiten von Katja Stelz mit dem ersten Preis des Hessischen Staatspreises für das Deutsche Kunsthandwerk aus. Die Wolldecken und Teppiche von Katja Stelz überzeugten die Jury durch ihre moderne zeitgemäße Ästhetik und Eleganz, die mit einer hohen Fertigkeit in einer der ältesten Handwerkskünste – der Handweberei – von ihr hergestellt werden.

Die im mecklenburgischen Palingen mit eigener Werkstatt niedergelassene Weberin ist zugleich Entwicklerin, Gestalterin und Produzentin ihrer Arbeit: „Alles findet auf der Grundlage von Handwerk statt.“ Für sie hänge Gestaltung von den handwerklichen Möglichkeiten ab, die das Ergebnis seien von Ausbildung, immerwährendem Üben und schließlich dem Ausüben von kreativer Gestaltung, die keine Grenzen kenne. Das Wissen ihrer Hände finde sich in den Objekten wieder. Dies beeindruckte auch die Jury: „Sie versteht es hervorragend, ihre handwerkliche Kompetenz und ihre hohe kreative Gestaltungskraft in die Verbindung von Material, Textur, grafischer Klarheit und subtiler Farbigkeit in die von ihr gewebten Stoffe einfließen zu lassen.“

Katja Stelz macht den Rhythmus der Webarbeit sichtbar: „Spannung entsteht dort, wo das Muster aufgebrochen oder aufgelöst wird. Motive von Linie, Kreuzung und Reihung wechseln sich ab und fügen sich zu komplexen Musterungen wieder zusammen.“

Wegen seiner besonderen Farbtöne wählt Stelz skandinavisches Garn. Sie interessiert, wie Farbe im Gewebe wirkt – und schafft eine dezente, feine Farbigkeit, die an nordische Lichtverhältnisse erinnert.

Für die Jury steht fest: „Textil ist ein hochmobiles Medium, das in unserer haptischen, visuellen und sinnlichen Welt zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die hell-dunkel Kontraste, die sorgsam ausbalancierte Farbigkeit sowie das spannungsreiche Wechselspiel von klar gegliederter Fläche und komplex angelegter Musterung prägen den Charakter ihrer Arbeiten. Mit viel Liebe zum Detail entstehen letztlich so Zentimeter für Zentimeter einzigartige Muster und Designs.“

2. Preis: Leichte, vergängliche Papierwerke mit textiler Struktur, Kristina Rothe, Textildesignerin, Leipzig
„Alles braucht seine Zeit“ – dieser Grundsatz prägt die Arbeit von Kristina Rothe. In ihrem Atelier in Leipzig stellt sie Papierobjekte – Urnen – her. Für diese Objekte erhält sie den zweiten Preis des Hessischen Staatspreises für das Deutsche Kunsthandwerk.

Als studierte Designerin für Angewandte Kunst mit Schwerpunkt Textilkunst suchte Rothe lange nach der Ausdrucksform, die sie wirklich inspiriert und das Natürliche in den Fokus rückt. Sie fand sie in der Anfertigung von Urnen – Unikate – die das Thema Vergänglichkeit verkörpern und die in ihrer Schlichtheit die An­näherung an das Thema Tod und Bestattung erleichtern sollen. Auch Papier, bevorzugter Werkstoff von Rothe, ist flüchtig, leicht, verletz­lich. Rothe verarbeitet die langen, festen Hanffasern in einem aufwändigen Arbeitsprozess und schafft mit der filigranen Textil­struktur ihrer Objekte eine haptisch ansprechende, plastische Wirkung.

Die Jury zeigte sich überzeugt von „den schlichten Formen ihrer Gefäße, die dennoch betont sind durch sinnliche Strukturen und Akzente. Die aus dem vergänglichen Material Papier gefertigten Urnen strahlen eine tiefe Ruhe aus. Die zarten Strukturen und Akzente auf ihrer Oberfläche entstehen meist beim Abformen des Papierbreis in einer Negativform aus Gips, der eine textile, handgenähte Form vorausgeht. In jedem ihrer Objekte manifestiert sich ein individuelles Kunstobjekt, das – bewusst in Weiß gehalten – einen Neubeginn symbolisiert und ein schlichter, schöner Gegenentwurf zur konventionell von Schwarz und Schwere geprägten Bestattungskultur ist.“

3. Preis: Sichtbarer Prozess im Objekt – Gefäße in spannungsreicher Form, Clemens Stier, Silberschmied, Hanau
Gradlinig und klar in der Form, so präsentieren sich die Arbeiten von Clemens Stier. Er ist mit dem dritten Preis des Hessischen Staats­preises für das Deutsche Kunsthandwerk bedacht worden.

Silberschmied ist das Handwerk, das Stier gelernt und an der Zeichen­­akademie in Hanau mit der Ausbildung zum Designer vertieft hat. Seine Arbeiten leugnen nicht die historischen Vor­bilder, denn „ich beschäftige mich intensiv mit dem, was gewesen ist“, sagt Stier. „Aber meine Objekte sind aus einem anderen Zusammenhang und Entstehungsprozess heraus entstanden.“ Bei einigen Objekten, den Gefäßen aus einer kupferreichen Messinglegierung, bleiben Machart und Entstehung deutlich sichtbar – durch eine nicht entfernte Gusshaut zum Beispiel, oder durch Arbeitsspuren. Sogar Modelle, die noch keinen Guss erfahren haben, sind Teil der Ausstellung. „Ich möchte den Prozess nachvollziehbar machen, einen Akzent setzen – oft am Rand der Gebrauchsfähigkeit.“

Das Fazit der Jury: „Reduzierte Formen, handwerkliche Perfektion und Funktionalität bestimmen die kühle Eleganz seiner Arbeiten. Seine Silbergestaltung hat eine Philosophie, vergegenständlicht eine innere Haltung und vermittelt gleichzeitig auch Sinnlichkeit und Poesie. Er schafft es völlig unaufgeregt ein Kunstwerk zu gestalten, das von schöner Eleganz geprägt und dennoch selbstverständlich im Ausdruck ist.“

4. Preis: Zeitgenössischer Schmuck aus Emaille – kleine Gemälde mit Raum für Inspiration, Steffi Götze, Emailleurin, Berlin

Die Jury zeichnet mit dem Förderpreis die im Sonderareal „Talents“ präsente Steffi Götze aus. Sie lasse hinsichtlich Gestaltung, Formgebung und Qualität der Ausführung ihrer Arbeiten überdurch­schnittliche Fähigkeit erkennen. Götzes Arbeiten überzeugen die Jury durch ihre Extravaganz und Individualität: „Emaillieren geht als Begriff der Kunstgeschichte auf eine jahrtausendealte Tradition zurück und ist eine faszinierende Möglichkeit, Schmuck mit Farben zu bereichern und reizvoll zu gestalten. Dieses gelingt Steffi Götze in einer außergewöhnlichen Art und Weise. Ihrer Arbeit liegt die Idee des Kontrastes zugrunde. Die von ihr in ausgefallenen Formen, geometrischer Struktur und dezenten Farben gestalteten Schmuckstücke werden so zu einem edlen Solitär.“

Götze selbst charakterisiert die Machart ihrer Stücke als „Zeichnen in der Luft“: Der als Träger für die filigranen Emailleflächen eingesetzte Silberdraht schaffe Volumen. So entstehe ein „Dialog zwischen Werkstück, Betrachter und Träger. Die Räume stehen für Kontraste, zum Beispiel Innen und Außen, Erinnern und Vergessen und fordern dazu auf, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen.“

Steffi Götze hat ihr Handwerk im spanischen Sevilla an der Kunst­schule gelernt und in Frankreich bei einem Emailleur vertieft. Der Werkstoff Emaille ist nah dem Feuer, ist kräftig, filigran und sensibel zugleich. Sie fertigt daraus Schmuck, vor allem Broschen in hellen Pastelltönen, „die“, so Götze, „wie ein weißes Blatt Papier offen sind für eigene Interpretationen“.

In ihrem Atelier in Berlin arbeitet sie an neuen Objekten, stellt in Galerien aus, beteiligt sich an Wettbewerben – denn sie will sich entwickeln, weiter an den Formen arbeiten.

Die Jury

Zur fünfköpfigen Jury zählen – neben der Preisträgerin des letzten Jahres, Weidenflechterin Diana Stegemann – Britt Fröse von der Handwerkskammer Wiesbaden, Lutz Schell-Peters als Leiter der Werkakademie in Kassel, Petra Herr als Beraterin für Formgebung und Absatzförderung der Handwerkskammer Kassel, und die Galeristin aus Hochheim, Rosemarie Jäger.
Der Hessische Staatspreis
Der Hessische Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk wurde 1951 als erster Staatspreis in Deutschland auf Anregung von Kunsthandwerk Hessen e. V. vom damaligen Hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn gestiftet. Er wird traditionell im Rahmen der Frankfurter Konsumgütermesse Tendence verliehen. (Pressetext)

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