Nicht nur Tassen im Schrank: Das Projekt Historische Turnhalle im MKG Hamburg

Seit gestern wird im Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg die Fayence und Porzellansammlung abgebaut – Teil einer der größten Keramik- und Porzellansammlungen deutscher Museen. Die Spannweite dieser hochkarätigen Kollektion mit rund 11.000 Objekten reicht von der Antike bis zur Gegenwart und umfasst die verschiedensten Kulturräume, Nutzungskontexte und Objektgattungen.

Im Jahr 2006 wurde die Neueinrichtung  dieser Sammlung lautstark gefeiert, nachdem schon 2001 die Idee zu einer neuen Präsentation des hochkarätigen Bestandes auftauchte, als die Museumsbibliothek in den kurz zuvor eröffneten Erweiterungsbau, den Schümann-Flügel, umgezogen war. In der von gläsernen Vitrinen bestimmten, modernen Raumgestaltung, in ausgesuchter Farbausstattung und in bester Beleuchtung nach Entwürfen der Architektengemeinschaft Renate Müller und Mariann Helmsing konnten die Keramiken neuen Glanz entfalten. Etwa 4 Jahre dauerte die Planung, die gemeinsam mit dem Museum erarbeitet wurde: circa 1500 Exponate umfasste diese Schausammlung.

Das temporäre Verschwinden der Keramik- und Porzellansammlung – von den Kritikern „als riesiger nachhaltiger Schaden für Hamburgs Kultur“ dargestellt – ist der baulichen Entwicklung des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) und der inhaltlichen Neuausrichtung der vergangenen Jahre geschuldet. An zentraler Stelle soll mit dem Projekt der „Historischen Turnhalle“ ein prominenter Ort entstehen, der die Besucher empfängt und in Form von wechselnden Ausstellungen und Vermittlungsangeboten auf die Sammlungen und Ausstellungen des MKG vorbereitet. Das Projek wird von der Museumsleitung als ein weiterer Schritt für die Öffnung des ganzen Hauses im Sinne einer einladenden, besucherorientierten Nutzung dargestellt. Erst Ende März 2015 wurde dazu eine umfassende Information des Museums heraus gegeben: Projekt historische Tunrhalle Die mangelnde Transparenz in der Kommunikation rief die Kritiker auf den Plan. Schade, denn…

… dem Charme des Turnhallenprojektes für das Hamburger Kunst & Gewerbe Museum kann man sich, der Informationsschrift Glauben schenkend, nicht entziehen – wenn man internationale Museen des gleichen Genres, allen voran das Victoria &Albert Museum in London, kennt – und liebt. Den Traditionen und Innovationen menschlicher Produktkultur  mit großzügiger Offenheit und Wertschätzung zu begegnen und diese Haltung durch die Sprache der Architektur unmißverständlich zu machen – das hat was! Und, auch das ist der Schrift zu entnehmen:

Die erlesene und einzigartige Keramik- und Porzellansammlung des Museums wird selbstverständlich ab 2017 neu inszeniert wieder im Chor der Schausammlungen im MKG Hamburg mitsingen!

http://www.mkg-hamburg.de/de/das-mkg/historische-turnhalle.html

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