Die Logik des Regens: in Dresden, verlängert bis 22. März 2015

Die Logik des Regens, Japanisches Palais, Dresden

Die Verbreitung der Sensation dieser Ausstellung verläuft dem Thema angemessen: man werfe einen Stein ins Wasser und er wird immer weitere Kreise ziehen! Seit dem 30.November 2014 läuft im Japanischen Palais in Dresden die Ausstellung von 140 Katagami – traditionelle Färbeschablonen für die Stoffe japanischer Kimonos – und ihrer besonderen Geschichte. Heute, am 22. Februar sollte eigentlich Schluss sein – der zunehmende Ansturm begründet die Verlängerung um weitere vier Wochen bis zum 22.März 2015. Wer die „Lokig des Regens“ bis dahin nicht gesehen hat, hat wirklich etwas verpasst!

Nach 125 Jahren entdeckte man im Kunstgewerbemuseum Pillnitz bei Dresden 92 Kasetten mit über 15.000  japanischer Schablonen, den weltgrößten Schatz von Katagami – in einem aufwendigen Verfahren aus Maulbeerrinde handgeschöfte und in feinster Schneidearbeit gestochene Blätter.  Kurator, Ideengeber und Philosoph Wolfgang Scheppe wählte aus den zahlreichen Motiven  diejenigen, die sich der Darstellung des Regens widmen, der in dem Monsunwinden ausgesetzten und auf Reisanbau angewiesenen Land eine bedeutende spirituelle und kulturelle Rolle spielt. Das gleichförmige Fallen winziger Tropfen scheint sich auch in der ästhetischen Logik der Gestaltung der repetitiven Strukturen der Druckrapporte widerzuspiegeln, die umso feiner sind, je mehr die mit ihnen hergestellten Stoffe repräsentativer und zeremonieller Nutzung des Adelsstandes der Samurai zugedacht waren.

Als Proposition II der Forschungsreisen im Depot der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden entstand nun diese atemberaubende Ausstellung, die den Besucher überrascht und verzaubert.  Als im 19. Jahrhundert die ersten Katagami-Drucke nach Europa kamen, hatte die hochentwickelte Kunst des japanischen Musterdekors starken Einfluss auf die westliche Ornamentik in Kunst, Kunsthandwerk und dem entstehenden Industriedesign. Heute spielt die Technik des Stencils in der Graffiti oder Street-Art, etwa bei Banksy, der sie erneut zu großer Komplexität entwickelt hat, wieder eine große Rolle. Und man muss kein großer Trendguru sein um zu ahnen, dass uns die Urenkel dieser zierlichen, expressiven, von der Natur inspirierten Muster demnächst millionenfach variiert wieder begegnen werden.

Bis dahin bleibt noch Zeit, sich den informativen kleinen Film über die „Logik des Regens“ anzuschauen, die gehaltvolle 50seitige Einführung von Wolfgang Scheppe zu studieren und/ oder am Samstag den 14. oder 21. März 2015 um 16 Uhr die öffentliche Führung zur Ausstellung mit zu machen.

Wer fasziniert ist von der Besonderheit dieser Präsentation und ihrem Gegenstand, der kann sich noch einmal die Proposition I der Forschungsreisen im Depot der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vergegenwärtigen: „Die Dinge des Lebens“ wurde 2014 gezeigtSie folgte dem legendären, aber oft für dunkel gehaltenen Konzept des amerikanischen Kunsthistorikers George Kubler [1912–1996] und zeichnete an nur einem Gegenstandstyp – der ebenso archaischen wie gegenwärtigen Schale – nach, wie die sich wandelnde Gestalt eines Zwecks durch Epochen und Territorien hindurchgeht und – wie Kubler sagt – die Form der Zeit bildet.  

Vorfreude ist auch angebracht: vom 14. März bis 10.Mai 2015 zeigen Wolfgang Scheppe und die staatlichen Kunstsammlungen Dresden Proposition III in der Festetage des dresdener Residenzschlosses: „Supermarket of the Dead“ – Brandopfer und der Kult des globalisierten Konsums in China.

„Logik des Regens“ im Japanischen Palais bis 22.März 2015 verlängert!
Palaisplatz 11
01097 Dresden

Öffnungszeiten:
10 bis 18 Uhr, montags geschlossen – Eintritt frei!