„Vornehmste Tischlerarbeiten“von Friedrich Gottlob Hoffmann: im Grassi Museum Leipzig bis zum 12.4.2015

Blick in die Ausstellung FG Hoffmann, Grassi Museum Leipzig

Im Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig wird noch bis zum 12.April 2015 eine Ausstellung gezeigt, die alle Erwartungen sprengt. Ihr Titel “Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig. Friedrich Gottlob Hoffmann – Hoftischler und Unternehmer” stimmt den Besucher schon auf eine erstaunliche Zeitreise in das 18.Jahrhundert ein. Zeitgeist und Wohnkultur der 2.Hälfte des 18.Jahrhunderts werden in der Ausstellung sinnlich erfahrbar.

Friedrich Gottlob Hoffmann (1741-1806) war ein Möbeltischler in Leipzig, der seine adlige und bürgerliche Kundschaft mit englisch und französisch beeinflussten, klassizistischen Möbeln versorgte. Er war der erste Tischler in Deutschland, der seine Möbel über, in den Jahren 1789 und 1795 erschienene bebilderte Warenkataloge bewarb, nach denen man bestellen konnte. Zum „billigen Preis“, der die Tischlerkonkurrenz in Leipzig mehr als nur ärgerte, konnte Hoffmann produzieren, weil er neue, rationellere Fertigungsmethoden entwickelte und heimische Hölzer mit Beizen und Polituren so behandelte, dass sie wie feines Mahagoni aussahen. Erst 1796 wurde er als “Chursächsischer Hoftischler” von den Auflagen der Tischlerinnung befreit und baute sich so zwei Werkstätten auf, in denen er bis zu 42 Mitarbeiter beschäftigte. Neben aufwendigen Auftragsarbeiten produzierte er auch günstigere Möbel auf Vorrat, die er dann auf Messen ausstellte (das Ikea von damals?). Auch die enge Zusammenarbeit mit dem berühmten Leipziger Kunsthändler Carl Christian Heinrich Rost (1742–1798) führte zu einer „winwin“ Situation, deren Dokumentation den stimmungsvollen Auftakt zur Ausstellung im Grassi Museum gibt.

Eine ganz eigene Klasse stellen Hoffmanns multifunktionale Möbelkreationen dar, zu denen ihn ausländische Moden inspirierten und die seine eigene Kreativität zu Höchstleistungen antrieb. Im Grassi Museum werden eine Vielzahl dieser erstaunlichen Möbel präsentiert und kurzweilig über kleine Displays erklärt. Der Besucher darf eintauchen in den Zeitgeschmack des 18.Jahrhunderts, dem letztlich diese variablen Schreibsekretäre, Kommoden und Tische zu verdanken sind. Eine Beschreibung dessen hätte hier nicht im Ansatz den Effekt wie der Besuch dieser Ausstellung! Selbst diejenigen, die sich aus Möbeln, und erst recht nichts aus historischen Möbeln machen, sollten dieses Erlebnis nicht verpassen.

Nach jahrelanger Forschung konnten Michael Sulzbacher und Peter Atzig diesem bisher recht unbekannten leipziger Tischler rund 80 Möbel zuschreiben, die in der Sonderausstellung des Grassi Museums bis zum 12.4.2015 gezeigt werden. Dazu gibt es eine wissenschaftliche Begleitpublikation, die zum ersten Mal einen umfassenden Überblick über das Werk und die Arbeitsweise Friedrich Gottlob Hoffmanns vermittelt. (Sandstein Verlag Dresden, ca. 340 Seiten)

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Grassi Museum für angewandte Kunst

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D-04103 Leipzig
T: 0049 (0)341 2229-100
E: grassimuseum@leipzig.de
W: http://www.grassimuseum.de
Öffnungszeiten: Di bis So & Fe 10 – 18 Uhr, Mo geschlossen