Antje Dienstbir: Justus Brinckmann Preisträgerin 2014

Löffel mit Keramik, Sterlingsilber montiert, Steinzeug gedreht, Löffel je 6,5 cm Länge, Keramik je 2 cm Höhe, 2012, Fotograf: Antje Dienstbir

Als erstaunlich konsequente Expertin für Löffel hat sich die Silberschmiedin Antje Dienstbir etabliert. Sie verwandelt Löffel in assoziativen und materiellen Manipulationen zu Objekten, die weit über ihre eigentliche Funktionalität hinaus weisen. Sie sind ihr Medium um mit Symbolik, Traditionen und auch handwerklichen wie künstlerischen Techniken zu spielen.

Schon während des Studiums wurde Antje Dienstbir durch den Silberschmied Rudolf Bott in die archaische Kunst des Löffel schmiedens eingeführt. Mit der Kraft des Hammerschlages eine wohl austarierte Silberstange in die Form eines Löffels zu bringen entzündete ihre Leidenschaft. In ihrer Diplomarbeit im Jahr 1997, an der Hochschule in Pforzheim, konzentrierte sie sich auf die Laffe als Hauptmerkmal eines Löffels. Diese aus Silberplatten zu treiben, zu ziselieren und ganz neu zu interpretieren stand im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Seither hat sie sich ganz und gar dem Löffel verschrieben.

Nicht allein seine Funktionalität fesselt ihre Begeisterung. Viel mehr fasziniert sie seine Symbolik, die sich mit der Entwicklung des Menschen eng verknüpft. Beispielsweise die Tatsache, dass der Löffel einen Säugling als erstes Werkzeug vom instinktiven zum berechnenden Handeln ins Erwachsenendasein führt. Anlass der Tradition in vielen Ländern, Löffel zur Geburt oder Taufe zu verschenken. Darüber hinaus weisen auch viele Redewendungen auf diese enge Verbindung, gleich ob man die Suppe, die man sich eingebrockt hat, selber auslöffen muss oder ob man die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Am Ende muss man ihn immer abgeben.

Antje Dienstbir folgt als Silberschmiedin und Künstlerin dem Konzept einer selbst gestellten Aufgabe, die sie inhaltlich wie formal zu lösen sucht. Den Kanon ihrer Techniken erweiterte sie z.B. auf den Formguss: den Abdruck als Form gebendes Element, teilweise in graphischem Duktus, als Konturen beschreibende Form, als Verweis auf Handlungen und Symbole. Die Korrespondenz von Objekt und Gussform, zu den Materialien Wachs, Ton und Metall spielen in ihrer Werkgruppe „Löffel und Throne“ eine wichtige Rolle und beziehen auch den Entstehungsprozess mit ein. Neueste Löffelvarianten kombinieren getriebene Laffen mit Bambus, Esstäbchen und Eisspachteln als Griff. Lange Silberlöffel, in der Anmutung wie ein gewachsener Ast, haben nur noch winzig Laffen. Löffel, deren Laffe auch gleichzeitig Griff ist, suggerieren  archaisch sinnliche Nahrungsaufnahme der Naturvölker und sind dabei doch von unübertroffener Eleganz.

Antje Dienstbir wurde schon vielfach für ihre Arbeiten ausgezeichnet und nun, im November 2014, im Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg mit dem mit 7500,00 € dotierten Justus Brinckmann Preis. Ihre Löffestudien befinden sich in privaten Sammlungen und in Museen, wie dem Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main, Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig und dem Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg. Antje Dienstbir arbeitet in ihrem Studio in Wiesbaden.

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