In Westafrika verrät die Kleidung einer Frau oft viel über ihre Persönlichkeit, ihren Beruf und ihre Werte. Mit der Ausstellung „Identität in Farbe – Vlisco: Wachsdrucke und Mode in Afrika“ zeigt das Museum Bussemakerhuis, wie sich diese scheinbar dekorativen Stoffe zu einem wirkungsvollen Modestil mit internationaler Anziehungskraft entwickelten. Weniger bekannt ist, dass die Geschichte dieser Stoffe auch mit der Textilindustrie von Twente verbunden ist.
Wachsdrucke gelten weltweit als typisch afrikanisch, doch ihr Weg zu diesem Status ist überraschend. Die Drucktechnik ist von der indonesischen Batiktradition inspiriert und wurde im 19. Jahrhundert von europäischen Herstellern mechanisch weiterentwickelt. Ihre größte Beliebtheit erlangten diese Stoffe schließlich in Westafrika, wo die leuchtenden Muster und das unverwechselbare Aussehen zu einer Bildsprache für Status, Geschmack und Persönlichkeit wurden.

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Mode mit Bedeutung
In Westafrika ist ein Wachsdruckstoff weit mehr als nur ein Stück Stoff. Die Wahl eines bestimmten Musters kann etwas über den Lebensabschnitt, die soziale Stellung oder die persönlichen Vorlieben einer Person aussagen. Für viele Frauen hat ein hochwertiger Wachsdruck zudem einen hohen Wert. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen jahrelang für einen bestimmten Stoff oder eine bestimmte Stoffserie sparen. Im Handel hat sich sogar der Spitzname „Mama Benz“ für erfolgreiche Händlerinnen etabliert, die ihr Vermögen mit dem Verkauf von Wachsdruckstoffen erwirtschaftet haben.
Diese Vielschichtigkeit steht im Mittelpunkt der Ausstellung in Borne. Besucher entdecken, wie Drucke gleichzeitig als Kommunikationsmittel, Statussymbol und modischer Ausdruck fungieren. Muster tragen oft Namen und Geschichten in sich, und die Kollektionen folgen dem Rhythmus von Mode und Innovation.
Vlisco als internationale Luxusmarke
Eine Schlüsselrolle in dieser Geschichte spielt das niederländische Textilunternehmen Vlisco aus Helmond. Die Geschichte des Unternehmens ist eng mit der Textilindustrie in Overijssel verbunden. Firmen wie Ankersmit in Deventer und Stoomweverij Nijverheid fusionierten 1964 mit PF van Vlissingen & Co zu Texoprint. Infolgedessen konzentrierte sich die Produktion von Wachsdrucken schließlich bei Vlisco in Helmond. Seit den 1960er Jahren fokussiert sich das Unternehmen gezielt auf den westafrikanischen Markt. Mittlerweile hat Vlisco schätzungsweise über 350.000 Designs und Farbvarianten entwickelt.
Trotz zunehmender Konkurrenz durch günstigere Imitationen gelingt es der Marke, sich durch aufwendige Drucktechniken, eine reichhaltige Farbpalette und eine starke Positionierung im Modebereich zu behaupten. Dadurch entwickelte sich Vlisco zu einer globalen Premiummarke im Segment der Wachsdrucke.
Von Technologie bis Modekultur
Die Ausstellung im Museum Bussemakerhuis rückt die kulturelle und modische Bedeutung von Wachsdrucken in den Mittelpunkt. Anhand einer sorgfältig zusammengestellten Stoffauswahl wird deutlich, wie Muster, Farbgebung und Material zusammen eine ausdrucksstarke visuelle Identität formen.
Ennekerdijk 11,
7622 ED Borne, Niederlande
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11:30–16:30 Uhr. Samstag und Sonntag 13:00–16:30 Uhr. Außerhalb dieser Öffnungszeiten können Sie das Museum nach Vereinbarung besuchen.
