Dormir comme le soleil – Adrien Vescovi: Marseille (F) bis 10.01.2027

Im Jahr 2026 laden die Museen von Marseille den Künstler Adrien Vescovi ein, das Centre de la Vieille Charité zu gestalten. Für die Kapelle sowie für alle Laubengänge des Geländes entwirft der Künstler eine einzigartige, eigens für diesen Ort konzipierten monumentalen Textilinstallation, die auf das im 17. Jahrhundert von Pierre Puget entworfene Bauwerk abgestimmt und von diesem außergewöhnlichen Ort inspiriert ist.

Thé à la menthe, PAC Marseille.
Installation cours Lieutaud, atelier de la Ville de Marseille, 2018 © Adrien Vescovi

Adrien Vescovi einzuladen, sich des Geländes der Vieille Charité anzunehmen, ist ein Traum. Als hätten wir, nachdem wir wie die Sonne geschlafen hatten, den Traum geträumt, diesen von Pierre Puget entworfenen, erhabenen Ort noch intensiver zum Leben zu erwecken, als er es bereits durch seine Museen, seine vielfältigen Nutzungen und seine heutigen Bewohner – Besucher, Neugierige, Studenten und Fachleute – tut. Als Ausstellungsleiterin der Musées de Marseille habe ich diesen Ort täglich durchstreift und von einem Werk geträumt, das den Besucher im Sommer umschmeichelt, ihn im Herbst überrascht und ihn im Winter einhüllt.

Die Geschichte der Vielle Charité ist vielschichtig. Hinter der unveränderlichen Kraft, die von ihr ausgeht, verbirgt das Gebäude mehrere Leben. Im 17. Jahrhundert als Armenhaus konzipiert, wurde es zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Kaserne, dann in der Nachkriegszeit zu Not- und Behelfsunterkünften, bevor es die kulturelle Bestimmung erhielt, die wir heute kennen. Seine Mauern sind von dieser vielschichtigen Geschichte geprägt, auf die die von Adrien Vescovi aufgehängten alten Bettlaken reagieren, die sich wie zeitliche Schichten übereinanderlegen. Bettlaken, die ebenfalls mehrere Leben verbergen und deren Bruchstücke sich offenbaren, wenn man sich die Zeit nimmt, sie genau zu betrachten. Laken, die leicht an die historische Nutzung des Ortes anknüpfen: die Wäsche des ehemaligen Hospizes oder die der Bewohner des 20. Jahrhunderts, von der einige Archivfotos zeugen. Die trocknende Wäsche, der sich entfaltende Stoff verweisen auf eine tiefe Intimität, die sich offenbart, indem sie sich der Öffentlichkeit zeigt, so wie sich die Haushaltswäsche zu zeigen wagt, während sie an den Fenstern der Mittelmeerstraßen trocknet.

Vorbereitungen zur Installation von Adrien Vescovi

Die drei Flügel des Gebäudes und die drei Ebenen der Laubengänge wirken auf Adrien sofort wie ein Raster. Als zentrales Motiv in seinem Schaffen greift Adrien Vescovi dieses in einem unvergleichlichen Maßstab auf. Das Gitter, das systematisiert, ordnet, einrahmt, strukturiert. Das Gitter als Gedächtnisstütze, als Leitfaden, als Regel, die man sich auferlegt, um sie anschließend besser zu durchbrechen. Für die Laubengänge der Vieille Charité setzt Adrien neue Farben ein. Das Färben, seit über 10 Jahren im Mittelpunkt seines Schaffens, ist hier von entscheidender Bedeutung. Er entwickelt für das Projekt neue Techniken, bewahrt Tag für Tag die bisherigen Farben, experimentiert mit Kaltbädern und arbeitet wie immer – doch angesichts der Großzügigkeit der geplanten Umsetzung letztlich mehr denn je – mit sparsamen Mitteln. Adrien färbt, wie er malt, und näht, wie er komponiert. Indem er hier zu den Anfängen seiner Arbeit zurückkehrt, überlässt er es dem Ort, durch seine Bögen, Gewölbe, Architektur und Schlagschatten die Kurven, Sonnen und imaginären Monde zu erschaffen, die er zuvor gezeichnet hatte. Er überlässt es dem Werk von Pierre Puget, im Laufe der Jahreszeiten, während der achtmonatigen Ausstellungsdauer, sein persönliches Werk zu durchdringen.

Entwurf für die Installation Vieille Charité März 2026 © Julia Andréone

In der Kapelle konzipiert Adrien ein Werk wie einen Schwindel der Farben. Ein hochwertiger Baumwollstoff mit langen Fasern und sorgfältiger Webart nimmt die im Atelier sorgfältig ausgearbeiteten Nuancen auf, um sie im Rahmen der Barockkapelle majestätisch zur Geltung zu bringen. Der Besucher taucht in die Farbe ein und erlebt ihre feinen Abstufungen; die Farbe durchdringt die architektonische Tiefe, erobert die verschiedenen Ebenen und lädt zu einem meditativen Rundgang ein.
So ergänzen sich das innere und das äußere Werk, ebenso wie sie in einer Art Gesamtwerk aufeinander wirken: zwischen Licht und Schatten, zwischen Bewahrung und Wandel der Farben, zwischen der Reduzierung des Klangs und dem Rascheln des Stoffes im Windhauch.“

Text: Laetitia Olivier, Leiterin der Ausstellungen der Museen von Marseille

Schlafen wie die Sonne: ein paar Zahlen
Laubengänge:
108 Bögen
648 alte Bettlaken
6 Bettlaken pro Bogen, zu 3 Paaren zusammengenäht 32 Pigmente oder natürliche Rohfarbstoffe, verarbeitet zu über 300 Farbtönen
Kapelle:
ca. 800 m² Supima®-Baumwolle
14 Stoffbahnen mit einer Breite von 2,90 m
und einer Länge von 12 Metern
8 Meter, Aufhängehöhe am Gesims

> Erreichbarkeit der Charité 

2 Rue de la Charité, 13002 Marseille,

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 9:00 bis 18:00 Uhr